(7) Erste kleine Schreibprojekte entwickeln

Nur ganz ausnahmsweise schreiben in meinen Werkstätten alle Teilnehmer:innen zu der selben Anregung. Das liegt vor allem an der simplen Tatsache, dass sie sich in so vielem unterscheiden: in ihren Erfahrungen und Wünschen, in dem, was sie gerade beschäftigt, in den Texten, die sie gerne lesen und eben auch in dem, was ihre Schreibfreude auslöst. Manche Teilnehmer:innen lieben es, wenn Schreib-Anregungen den Charakter einer „Challenge“ annehmen, wenn es viele Vorgaben (z. B. Reizwörter) gibt, während andere sich genau davon schnell eingeschränkt fühlen und offenere Anregungen favorisieren – z. B. den ersten Satz von Herta Müller: „Es ist Samstagnachmittag.“

Weil die Teilnehmer:innen so unterschiedlich sind und weil ich Schreib-Anregungen immer nur als „Überbrückungskabel“ verstehe, können sich alle aussuchen, was für sie passt oder es für sich passend machen. Diese Vorgehensweise hat einen wichtigen Nebeneffekt: Die Verantwortung für den Schreibprozess bleibt bei den Teilnehmer:innen. Das ist nicht ganz so selbstverständlich, wie es klingt, den bei manchen Lernprozessen liegt die Verantwortung ja tatsächlich zumindest zunächst vor allem bei den Lehrer:innen. Wenn ich ein Instrument lerne, gehe ich davon aus, das die Lehrer:in vorgibt, in welcher Reihenfolge ich was zu üben habe. Zumindest am Anfang.

Beim Schreiben ist das anders, jedenfalls kommt es mir so vor – vielleicht, weil wir ja schon mit viel Mühe und Aufwand gelernt haben zu lesen und zu schreiben. Die Menschen, die Schreibwerkstätten aufsuchen oder entsprechende Ratgeber kaufen, wollen nicht schreiben lernen, sondern sie wollen mehr schreiben und/oder „besser“ schreiben. Ich kann das sehr gut verstehen, denn ich habe mich selbst viele Jahre mit genau diesen beiden Wünsche rumgeplagt. Und auch mir haben die Schreibratgeber, die sich in meinen Regalen stapelten und die sporadischen Besuche von Schreibworkshops nicht nennenswert weitergeholfen, so wie es vielen ergangen ist, die bei mir „gelandet“ sind.

Das, was ich in großspurigen Momenten „meinen Ansatz“ nenne, ist aus dem jahrelangen Nachdenken darüber entstanden, was mir selbst und was den Teilnehmer:innen meiner Werkstätten tatsächlich weitergeholfen hat. Weil wir uns alle unterscheiden (s.o.), sind auch die Wege unterschiedlich, die wir jeweils zurückgelegt haben – und die Ziele. Und dennoch gibt es natürlich auch Ähnlichkeiten, Übereinstimmungen, Erkenntnisse.

Eine davon ist, wie wichtig und zugleich wie schwierig es für viele ist, überhaupt einmal in eine kreative Haltung hineinzufinden. Neugierig zu werden. Lust am Ausprobieren und Experimentieren zu entwickeln. Etwas „nur so“ schreiben, ohne dass daraus ein fertiger, vorzeigbarer Text werden muss. Mit der Selbstverständlichkeit, mit der bildende Künstler:innen Skizzen anlegen, kleine Notizen zu machen.

Natürlich freue ich mich, wenn in meinen Werkstätten „gute“ Texte entstehen, aber noch mehr freue ich mich, wenn Teilnehmer:innen in dem gerade beschriebenen Sinn mutiger werden, neue Erfahrungen machen, etwas ausprobieren, was ihnen zunächst abwegig vorkam – so wie es auch manche von Euch hier schon beschrieben haben.

Auch eine kleine Serie zu schreiben bedeutet nicht, dass es jetzt allmählich „ernst“ wird – ganz im Gegenteil. Auch das Entwickeln eines kleinen Schreibprojektes soll das Schreiben nicht schwerer, nicht anstrengender machen: Weiterschreiben ist oft leichter als anfangen. Und kleine Schreibprojekte zu beenden und sie eventuell (vielleicht „nur“ für eine/n selbst) in eine schöne Form bringen, kann zu dem beitragen, was ja das Ziel der meisten ist: Jemand werden, die/der schreibt.

Auch diese „Serien“ sind nicht für jede/n etwas. Ihr müsst selbst herausfinden, ob und in welcher Form das für Euch passt. Ein paar konkrete Tipps werde ich hier in dieser Woche dazu geben, aber auch die sind wieder nur als „Überbrückungskabel“ gedacht. Die wichtigste Frage, die Ihr Euch stellen solltet: Was hat Euch in der vergangenen Woche (oder überhaupt in der Vergangenheit) schreibend am meisten Spaß gemacht? Oder Euch gereizt? Vielleicht habt Ihr noch immer keine Figur, die in Schwierigkeiten steckt, aber Ihr hättet gerne ein? Dann könnte das eine Serie sein: Eine Figur in (drei bis fünf) unterschiedliche Schwierigkeiten bringen. Oder fünf Figuren?

Wenn Euch das Daily Diary von Lynda Barry gefallen hat: Macht diese Woche jeden Tag eins.

Oder Ihr macht etwas ganz anderes, wie meine Schriftsteller-Kollegin Bettina Beutler-Prahm, der ich das schöne Beitrags-Foto zu verdanken habe: Bettina hatte letzte Woche dieses Video von Austin Kleon gesehen – und ihre ganz eigene Serie daraus gemacht.

https://youtu.be/ab4O9SWNl9g

Wie immer bin ich sehr gespannt auf Eure Ideen, Erfahrungen, Fragen.

Tag 5: Jeder Text ist ein neues Wagnis

Welche Kompetenzen oder Fähigkeiten benötigen Menschen, die schreiben möchten? Phantasie vermutlich und ein gewisses sprachliches Ausdrucksvermögen. Ausdauer? Mut? Ist Originalität in Phantasie schon mitenthalten oder ist das etwas anderes? Und braucht man nicht auch so etwas wie Frustrationstoleranz? Was ist mit der Fähigkeit, in großen Bögen, in Zusammenhängen zu denken? Ein Ende zu finden? Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis wird hier und da womöglich auch benötigt.

Wer ein bißchen über das Schreiben und die Fähigkeiten, die es dazu braucht, nachdenkt, wird schnell feststellen, dass die Vorstellung von dem einen Talent gleich in mehrfacher Hinsicht der komplexen Angelegenheit nicht gerecht wird. In The Talent of the Room, einem der klügsten Texte über das Schreiben, die ich kenne, konzentriert sich der amerikanische Autor Michael Ventura auf einen oft übersehenen Aspekt, wenn es ums Schreiben geht: Das „Talent“ sehr viel Zeit allein mit sich und dem entstehenden Text in einem Zimmer zu verbringen. Aber warum fällt das vielen Menschen überhaupt schwer?

Michael Ventura schreibt: „The room, you see, is a dangerous place. Not in itself, but because you’re dangerous. The psyche is dangerous. Because working with words is not like working with color or sound or stone or movement. Color and sound and stone and movement are all around us, they are natural elements, they’ve always been I the universe, and those who work with them are servants of these timeless materials. But words are pure creations of the human psyche. Every single word is full of secrets, full of associations. Every word leads to another and another and another, down and down, through passages of dark and light. Every single word leads, in this way, to the same destination: your soul. Which is, in part, the soul of everyone. Every word has the capacity to start that journey. And once you’re on it, there is no knowing what will happen.“

Wenn wir schreiben, sind wir auf eine ganz besondere Weise mit uns selbst beschäftigt – ohne direkt mit uns selbst beschäftigt zu sein. Das ist reizvoll, aber es bedeutet immer auch ein Wagnis: Hinter jeder Ecke, hinter jedem neuen Satz könnte etwas auftauchen, dem wir manchmal lieber aus dem Weg gehen – wir selbst.

Ich habe die Erfahrung gemacht (mit meinem eigenen Schreiben, aber auch in der Begleitung anderer), dass Texte oft eine andere Tiefe und Qualität erreichen, wenn wir in ihnen einen künstlerischen Ausdruck finden für das, was uns „umtreibt“. Wenn wir uns auf die Suche gemacht haben nach den Geschichten, die nur wir erzählen können, vielleicht müssen.

Aber wie finden wir das heraus? Offenbar nicht allein durch nachdenken. Ich hatte schon kürzlich die schöne Beobachtung von Siri Hustvedt zitiert: „Schreiben ist meistens unbewusst. Ich weiß nicht, woher die Sätze kommen. Wenn es gut läuft, weiß ich es weniger, als wenn es schlecht läuft.“ Sich auf diesen Prozess einzulassen, offen und neugierig „Sätze kommen zu lassen“, ist für manche eine große Herausforderung. Weil das so ist und weil der innere Zensor nie allzu weit entfernt ist, gibt es eine Reihe von Techniken, die den Zugang zu den tieferen Schichten unseres Selbst erleichtern sollen: Von Julia Cameron Morgenseiten bis zu den zahlreichen Varianten Automatischen Schreibens (der Wikipedia-Eintrag über Écriture automatique gibt darüber Auskunft).

Heute möchte ich Euch zum Ausprobieren eine relativ „extreme Variante“ vorschlagen, nämlich fünf Minuten zu schreiben, ohne den Stift abzusetzen, ohne aufzuhören. Wirklich alles aufschreiben, was in den Sinn kommt – auch, wenn es unsinnig oder belanglos ist oder nicht mehr als der Ärger über diese saublöde Übung. Und wie bei der Schreibanregung Daily Diary von Lynda Barry  lohnt es sich, die Übung ein paar Mal zu machen, um herauszufinden, ob sie für eine/n etwas sein könnte.

Ach ja, man sollte diese Übung wirklich mit Stift und Papier ausführen. Und es ist die einzige, bei der die entstandenen Texte anschließend in meinen „normalen“ Werkstätten nicht vorgestellt werden – und das soll auch hier so sein. Aber wer möchte, kann einen Satz oder ein Wort aus dem Text auswählen  und als ersten Satz für einen neuen Text verwenden (und diesen dann hier vorstellen).

Noch mehr als bei den anderen Schreibanregungen interessiert mich heute, welche Erfahrungen ihr damit macht. Beim Schreiben geht es ja immer um beides: um den Prozess und um das Ergebnis und wir sind eher gewohnt, nur auf das Ergebnis zu schauen. Aber um bestimmte Ergebnisse zu erzielen, müsse wir uns auch für den Entstehungprozess interessieren und deswegen nimmt der Austausch über den Schreibprozess in meinen Werkstätten recht großen Raum ein.

Es würde mich freuen, wenn wir auch hier in dieser Virtuellen Werkstatt darüber ins  Gespräch kommen würden und Ihr von Euren Erfahrungen mit dieser oder auch den anderen Schreibanregungen berichten würdet. Was fiel euch leicht, was war schwierig? Was könntet Ihr Euch vorstellen, nochmal zu probieren? Was versteht ihr nicht? Was wünscht Ihr Euch?

Tag 1: Kleine Lockerungsübungen

Gestern habe ich meine Virtuelle Schreibwerkstatt angekündigt und ich freue mich wirklich sehr, dass sie auf Interesse, Vorfreude und Neugier stößt! Und jetzt soll es losgehen. Aber wie, wenn doch ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Schreibwünschen hier mitmachen wollen? Und was ist überhaupt das Ziel?

Mein Ziel ist es, für die nächste Zeit hier einen „Raum“ zu schaffen, in dem Menschen, die in diesen Tagen gerne schreiben wollen, Anregungen und Austausch finden. Ein bisschen Ermutigung. Tipps. Vor einigen Jahren habe ich so etwas ähnliches schon mal im Zusammenhang mit meinem Geschichten-Generator hier auf dem Blog gemacht und das hat erstaunlich gut geklappt – und ich möchte das jetzt gerne mit einem etwas veränderten Fokus erneut anbieten.

Ich werde mich zunächst vor allem an diejenigen richten, die interessiert sind, erstmals oder nach längerer Zeit wieder mit dem Schreiben anzufangen. Das wichtigste ist dann – wirklich anzufangen. Das fällt sehr vielen Menschen, die eigentlich schreiben wollen schwer. Mir ist es auch sehr lange schwergefallen. Ich werde auf die unterschiedlichen Gründe dafür sicherlich noch zurückkommen, aber für den Moment ist es erstmal wichtig, sich klarzumachen: Es ist für die meisten Menschen keine einfache Sache „einfach mal drauflos“ zu schreiben. So wie es für die meisten Menschen keine einfache Sache ist, einfach mal loszusingen oder zu -zeichnen.

Weil das so ist, ist das erste große Etappenziel: Wirklich anfangen. Es sich nicht nur vornehmen oder mit dem Gedanken spielen, sich ausmalen, wie gut es wäre, eine/r zu sein, die oder der schreibt – sondern es zu werden. So wie es für Menschen, die mit dem Joggen beginnen wollen, nur darauf ankommt, dass sie sich Turnschuhe anziehen, nach draußen gehen und sich ein bisschen schneller von der Stelle bewegen, als sie es gewöhnlich tun. Wem es gelingt, das zu einer regelmäßigen Gewohnheit zu machen, wird unweigerlich und ganz automatisch bald 10, dann 20 Minuten und irgendwann sogar einen Marathon laufen können.

Mit dem Schreiben ist es ganz ähnlich. Aber während Menschen, die mit dem Joggen beginnen in der Regel wissen, dass es erst mal „nur“ darauf ankommt, die schwierige Anfangsphase zu überstehen, ist es beim Schreiben oft anders. Menschen, die mit dem Schreiben anfangen wollen, erwarten von sich, dass sie auf Anhieb spannende oder komische oder literarisch wertvolle Texte schreiben – und wenn ihnen das nicht gelingt, sind sie überzeugt, dass ihnen das nötige Talent fehlt.

Wenn man etwas Neues beginnt oder ausprobiert, ist es also eine ziemlich gute Idee, sich ein bisschen Zeit zu lassen. Herauszufinden, wie man es sich so leicht wie möglich machen kann – es bleibt dann noch schwer genug. Das bedeutet vor allem, die eigenen Erwartungen (zumindest erstmal) herunterzuschrauben. Beim Schreiben ist das erste große Etappenziel: In eine halbwegs mühelose Schreibpraxis finden.

Ich werde deswegen hier in der nächsten Woche zunächst einmal ganz unterschiedliche Arten von Schreibanregungen sowohl für eher fiktive Texte als auch für eher autobiographische Texte vorstellen, die sich gut eignen, um anzufangen. Und für Euch, die Ihr Lust habt, hier mitzumachen, geht es erstmal „nur“ darum, einfach mal drauflos zu schreiben. Ohne den Anspruch, dass es schon ein „fertiger“, womöglich toller Text wird. In Felix Scheinbergers Mut zum Skizzenbuch habe ich das schöne Motto gelesen: „Wenn es dir Spaß macht, wirst du es oft machen, wenn du es oft machst, wirst du es gut machen.“

Den Spaß, die Freude am Schreiben (wieder) zu finden, ist für viele eine wirklich große und langwierige Aufgabe – und es dauert meistens eine Weile, bis sich die innere Haltung zum Schreiben ändert und es gelingt, den Anspruch, es „gut zu machen“, zumindest mal für eine gewisse Zeit abzuschütteln. Es dauert meistens auch eine Weile bis die Teilnehmer:innen meiner Kurse verstehen, dass es bei meinen Schreibanregungen nicht darum geht, sie wie eine „Hausaufgabe“ möglichst gut zu erledigen, sondern wirklich nur darum, das Anfangen zu erleichtern. Ich sehe in den Schreibanregungen so etwas wie ein Überbrückungskabel, das man nutzen kann, wenn der Motor gerade nicht anspringt. Aber niemand würde einen Motor, der gerade angesprungen ist, wieder ausschalten, weil das Kabel vielleicht nicht richtig sitzt oder gerade erst befestigt wird.

Um die Schreibfreude meiner Kursteilnehmer:innen zu wecken, habe ich einen Geschichten-Generator entwickelt, der hier in den nächsten Wochen gar keine große Rolle spielen soll, aber heute, zum Auftakt möchte ich gerne auf ihn zurückgreifen – mit drei Karten, die (glaube ich) bei der 1. Auflage des Geschichten-Generators noch nicht dabei waren:

LOTTE (schwer bepackt), NÖ und SCHIFFSDECK

Wenn Euch also etwas einfällt zu einer schwer bepackten Lotte (was mag sie denn mit sich herumtragen und warum?), ohne dass ein Schiffsdeck dabei auftaucht – überhaupt kein Problem! Oder falls ihr eine Szene auf einem Schiffsdeck vor Euch seht, ohne eine Lotte weit und breit, prima: Schreibt es auf. Und auch, wenn Euch diese Anregung (all meinen gegenteiligen Beteuerungen zu Trotz) an eine Schulaufgabe erinnert und Euren Widerstand oder Eure Unlust hervorlockt: Wunderbar, schreibt auch das auf!

Auch für diejenigen von Euch, die eigentlich an einem längeren Text arbeiten und denen irgendwo unterwegs die Schreibfreude verloren gegangen ist, könnten überlegen, ob sie nicht Lotte oder ein Schiffsdeck (oder die Rede davon oder ein Gemälde) in ihren Text einbauen. Auch bei längeren Texten ist es wichtig, sich immer wieder auf die Suche nach der Schreibfreude zu machen und herauszufinden, was genau sie eigentlich vertrieben hat. Manchmal reicht es schon, irgendeinen Impuls von außen einzubauen, um selbst wieder neugierig auf den Text zu werden.

Ach ja, bevor ich mich ins Wochenende verabschiede: Die Frage ist jetzt schon öfter aufgetaucht, was denn mit den ganzen entstehenden Texten geschieht. Ob man sie veröffentlichen muss oder darf und wenn ja, wo oder wie. Auch das wird, wie alles andere, für jede und jeden von Euch unterschiedlich sein. Manche haben selbst einen Blog und sind natürlich herzlich eingeladen, wenn sie mögen, ihre Texte dort zu posten, wer keinen Blog hat (und das werden die meisten sein), kann hier auf dem Blog in den Kommentaren kürzere Texte einstellen oder wenn die Texte länger werden, den Anfang des Textes. Und je nachdem, wie sich alles entwickelt, werde ich mir auch noch etwas anderes einfallen lassen. Aber gerade die echten „Anfänger:innen“ unter Euch sollten sich jetzt erstmal nicht allzu viel Gedanken über das Ergebnis (den Text) machen, sondern sich vor allem auf den Prozess (das Schreiben) konzentrieren. Alles andere findet sich dann – versprochen!

Soweit für erste. Montag gehts hier weiter und dann erstmal an jedem Werktag. Und dann sehen wir, wie sich die Dinge entwicklen – hier und überhaupt.

Zeit für Experimente: Mein Blog wird zur virtuellen Schreibwerkstatt!

Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, ob sich das Format „Schreibwerkstatt“, so wie ich es anbiete, auch in den virtuellen Raum übertragen ließe. Aber weil ich dann doch immer genug mit den ganz realen Werkstätten und ihren Teilnehmer:innen zu tun hatte, ist es bei diesen allgemeinen Überlegungen geblieben. Aber jetzt, wo ich meine realen Werkstätten absagen muss, möchte ich diesen Gedanken aufgreifen und gerne einmal ausprobieren, ob das möglich ist: Eine offene, virtuelle Schreibwerkstatt.

Und wie soll das gehen? Nicht sehr viel anders als in meinen „normalen“ Schreibwerkstätten. Meine wichtigste Aufgabe sehe ich auch dort darin, Menschen in ihren Schreibprozessen zu unterstützen – durch Schreibanregungen, die es ihnen erleichtern „ins Schreiben“ zu kommen, durch Tipps bei konkreten Fragen oder Unsicherheiten, durch Informationen über typische Herausforderungen des Schreibprozesses. All das sind ja nicht zufällig auch die Inhalte, die diesen Blog von Anfang an wesentlich geprägt haben.

Was ich jetzt, solange reale Werkstätten nicht möglich sind, verstärken und ausbauen möchte, ist die Möglichkeit des Austauschs. Der ist immer wichtig – aber jetzt noch ein bisschen wichtiger. Und deswegen freue ich mich über alle, die Lust haben, Fragen zu stellen, ihre kleinen oder größeren Schreibprojekte vorzustellen oder von ihren Erfahrungen zu berichten. Es sind wirklich alle willkommen, ganz unabhängig davon, ob wir uns schon real oder virtuell begegnet sind, unabhängig davon, ob jemand schon Schreiberfahrung hat oder das Schreiben erzählender Texte für sich vielleicht einfach mal ausprobieren möchte.

Meine „normalen“ Werkstätten beginnen mit einer kleiner Vorstellungsrunde, in der ich besonders daran interessiert bin, welche Fragen oder Wünsche die Teilnehmer:innen mitgebracht haben. Mit den FAQ, den Fragen, die immer wieder auftauchen, werde ich beginnen: Wie anfangen und warum ist das oft so schwer? Autobiographisch oder fiktiv? Was muss eine/r beachten beim Schreiben? Wo Ideen finden? Wie lassen sich Fortschritte erzielen? Was braucht eine/r, um einen Roman zu schreiben?
Ich bin also auf einiges schon vorbereitet, freue mich aber ganz besonders, wenn Ihr hier auch Eure ganz individuellen Fragen oder Wünsche notiert.

Auf gehts – was fändet Ihr so richtig interessant? Was würde Euch weiterhelfen?

Man muss nicht jeden Tag schreiben – und schon gar nicht am Anfang!

Ich war auch in diesem Sommer in Bassum und habe im Rahmen der Sommerakademie der VHS Diepholz zwei Schreibkurse angeboten. Auch dieses Jahr hat sich sowohl mit den Teilnehmer.innen als auch mit den anderen Kursleitenden ein sehr anregender, sehr inspirierender Austausch ergeben. Auch dieses Jahr kam gegen Ende des Kurses die Frage auf: Wie lassen sich die guten Vorsätze auch „zu Hause“ den „Faden nicht zu verlieren“ umsetzen? Gibt es Tricks? Wem es gelingt es auf welche Weise? Wer kann was empfehlen?

Diese Frage taucht in Schreibwerkstätten regelmäßig auf – kaum jemand, der oder die schreibt und diesem Problem noch nie begegnet ist. Mich hat es sehr viele Jahre begleitet und unglücklich gemacht und dass es sich bei der Schwierigkeit, in einen regelmäßigen, halbwegs mühelosen Schreibprozess zu finden, nicht um die Charakter- oder Disziplinschwäche handelt, die ich lange darin gesehen habe, weiß ich erst, seit sich dieses Problem für mich aufgelöst hat: mittlerweile schreibe ich in jeder freien Minute und habe doch vermutlich noch immer den selben Charakter …

Die Frage nach Ursachen und Lösungen überschreitet den Rahmen dieses Beitrags bei weitem, aber ich möchte von einem Tipp berichten, den ich für wirklich sinnvoll halte – jedenfalls für den Anfang: Jede Woche eine Stunde pro Woche im Kontakt bleiben (oder kommen) mit dem Schreiben durch: Drauflos schreiben, Notizen machen, übers Schreiben nachdenken, Ideen notieren, „richtig“ am Text selbst schreiben oder auch „nur“ dasitzen und vor sich hin schauen – alles ist erlaubt, es muss nicht geschrieben werden, aber es darf auch nichts anderes gemacht werden!

Wichtig ist: Auch wer in der einen Woche viel mehr geschrieben hat, „muss“ in der folgenden Woche wieder „ran“. Die eine Stunde ist Pflicht und manchen hilft es, sie sich in den Kalender einzutragen. Und manchen hilft es vielleicht, eine Challenge daraus zu machen, habe ich gedacht und mich an das lustige „Formular“ erinnert, das Austin Kleon, den ich ungemein schätze und dessen Newsletter ich schon viele Anregungen zum kreativen Prozess entnommen habe, auf seiner Homepage zum Download zur Verfügung stellt.

Deswegen habe ich für die Teilnehmer.innen der Sommerakademie nach dem Motto „Wie überbrücke ich das Jahr, das zwischen zwei Sommerakademie-Kursen liegt“, den auf dem Foto abgebildeten Zettel verteilt – zum Häkchen machen. Eine Stunde pro Woche – das könnte vielleicht ein Anfang sein …

Viele scheitern nämlich gerade zu Beginn an viel zu „großen“ Vorsätzen, die sich leider auch in vielen Schreibratgebern befinden, Wer nicht mindestens eine Stunde am Tag schreibe, könne alle Hoffnung fahren lassen, habe ich schon öfter gelesen. Aber das ist Quatsch! Auch wer eines Tages einen Marathon laufen möchte, fängt mit kleinen Umfängen an, wenn er untrainiert ist – und sollte alles dransetzen als erstes die Lust am Laufen zu finden. Beim Schreiben ist es nicht anders. Wir tun gut daran, erstmal herauszufinden, wie und wo und wann uns das Schreiben Freude macht, wie wir uns den Einstig erleichtern können (zum Beispiel durch Austausch und Resonanz). Und wir sollten die „Umfänge“ (wenn überhaupt) erst steigen, wenn wir die eine Stunde pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Wochen gut hinbekommen haben.

Vielleicht könnte diese oder eine ähnliche Challenge auch etwas für die Leser.innen meines Blogs sein, habe ich gedacht und würde mich freuen, wenn Ihr von euren Erfahrungen berichtet oder davon, was euch den Einstieg oder das „Dranbleiben“ erleichtert!

Die drei Phasen des kreativen Schreibprozesses

schreibprozess_phasenWeil ich bei den Teilnehmer.innen meiner Kurse nicht im Ruf stehe, ihre kreative Energie durch zu viel Struktur/Ordnung/Regeln abzuwürgen, wollte ich sie mal überraschen – mit einer Tabelle! Und damit das auch eine rechte Herausforderung für mich wird, habe ich versucht, alles unterzubringen, was mir wichtig scheint am Schreibprozess . Das „kreativ“ darf man dabei nicht zu erst nehmen: Einerseits gilt vieles davon auch für nichtfiktionale Texte, andererseits sind ja die meisten Schreibprozesse kreativ.

Was mir immer wichtiger scheint, je länger ich über das Schreiben nachdenke: Den Prozess als Teil der kreativen Herausforderung zu begreifen. Also: Lösungen nicht nur für „Textprobleme“ zu suchen („Warum versteht das immer noch kein Mensch?“), sondern auch für „Schreibprobleme“ („Warum löst das Schreiben so selten wirkliche Freude bei mir aus? Wie könnte ich das ändern?“)

Ich freue mich sehr über Nachfragen, Anregungen, Widerspruch!

„Ich kämpfe mit der Tastatur“

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen, die an einer meiner Schreibwerkstätten teilnehmen, erstaunt sind  – dass dort geschrieben wird. Das ist nicht ganz so absurd, wie es sich im ersten Moment anhört, denn tatsächlich wird in anderen meiner Workshops überhaupt nicht geschrieben, sondern ausschließlich über bereits Geschriebenes geredet.

Die Teilnehmer.innen, die sich am vergangenen Wochenende für einen Tageskurs angemeldet hatten, wussten, was auf sie zukam: Auf eine längere, etwa zweistündige Schreibphase sollte ein Austausch über Texte folgen. Es ist mir wichtig, den Teilnehmer.innen einen möglichst offenen Raum zu bieten, so dass sie ihren unterschiedlichen Schreibfragen oder – wünschen nachgehen können. Deswegen weiß ich selbst nie genau, was wann passiert oder wie lange dauert. Die wichtigsten Fragen zu Beginn sind: Wer wünscht sich neue Anregungen? Wer möchte so schnell wie möglich loslegen und die Schreibzeit für einen bereits begonnenen Text nutzen? Wer steckt irgendwo fest?

Ich mag es sehr, wenn dann alle irgendwann einen Platz gefunden haben – und schreiben. Und verblüffenderweise ist es immer irgendwann so. Und weiterschreiben, auch wenn die Schreibzeit eigentlich vorbei ist, wenn es einen kleinen Mittagssnack gibt oder alle wieder zusammen kommen, um sich auszutauschen.

Gerade weil ich mir wünsche, dass jede und jeder möglichst seinen eigenen Anliegen nachgehen kann, versuche ich, am Anfang oder Ende eine kurze Phase gemeinsamen Schreibens einzubauen. Diesmal hatten alle zum Aufwärmen und Lockerwerden sieben Minuten „automatisch“ geschrieben und im Anschluss je einen Satz ausgewählt, den sie den anderen als Schreibanregung zu Verfügung zu stellen bereit waren. Wir hatten die Sätze nicht benötigt, weil alle an vorhandenen Texte weiterschreiben wollten, was eher selten vorkommt.

Diese einzelnen Sätze lagen noch immer auf dem Tisch, als sich nachmittags eine Stimung erschöpfter Zufriedenheit ausbreitete: Alle hatten nicht nur konzentriert geschrieben, sondern mittlerweile auch ihre Texte vorgelesen. Wir hatten Freude daran und dem Austausch darüber gehabt und waren einer Reihe von Möglichkeiten und Fragen, die die Texte aufwarfen, nachgegangen. Es war noch eine halbe Stunde Zeit bis zum vereinbarten Ende. Manchmal lese ich dann noch einen kurzen Text vor oder biete an, allgemeinere Fragen zum Schreiben, zum Schreibprozess miteinander zu besprechen. Die Zeit ist zu kurz, die Teilnemer.innen zu müde, um jetzt noch etwas zu schreiben, dachte ich – und sah die Sätze auf dem Tisch. Einer sprach mich besonders an: „Ich kämpfe mit der Tastatur“.

Also: Gegen die Skepsis in den Augen der Teilnehmer.innen, gegen ihre Müdigkeit nach einem Tag voller Konzentration: Sieben Minuten drauflos schreiben! Alle machten mit. Und lasen der Reihe nach vor.

Wir hatten so viel Freude an den Texten und weil sie mir etwas von der Lockerheit zu verraten scheinen, in die wir schreibend oft nur gelangen, wenn es keine Rolle mehr spielt, wie andere lesen, was wir schreiben – weil wir müde sind oder weil wir die Stimme des „inneren Kritikers“ vielleicht auch einfach leid sind, deswegen freue ich mich, dass einige Teilnehmer.innen bereit waren, ihre so schnell entstandenen Texte hier für den Blog zu Verfügung zu stellen (vielen dank dafür!). Und vielleicht hat jemand Lust, sich anzuschließen und auch einen kurzen oder längeren Text zu schreiben – zum Kampf mit der Tastatur? Ich würde mich freuen!

Und hier sind sie:

„Wie verhext. Und mit Alkohol geht’s noch schlechter. Fehler, wieder zurück, nochmal schreiben. Ungeduld. Schnell dem Gedanken hinterherhetzen. Sehnsucht nach einem Stift, weißem Papier. Spüren wie die Gedanken über die Nervenbahnen in den Arm, direkt in die Finger, in den Stift und über die Tinte aufs Blatt fließen. Keine Schranke mehr zwischen mir und der Außenwelt. Scheinbar harmlos schmiegen sich die Tasten an meine Fingerspitzen, clac, clac, clac … es läuft, denke ich im Subtext und freue mich, nur um später festzustellen, dass meine Worte mal wieder aufs Bösartigste entstellt sind.“ (marte rapp)

„Ich kämpfe mit der Touchpad-Tastatur. Wer wird sieben – siegen – ? Beharrlich drängt sie mir ihre Vorder Beläge – Nein! Vorschläge! – auf. Nein, keine Vorschläge. Eher in herrisch EM Ton erteilte Befehle. Gegenwehr zwecklos. Sie schreibt – nicht ich. Ich bin nur der Anlass, die Kreativität ihrer Vorschläge zu Geltung zu bringen. Ich könnte sie abschalten. Aber sie sind so praktisch. Machen es schnell er. Jedenfalls bin ich bereit das zu glauben. Was wäre ich ohne sie, deren Geschichte sie schreibt.“ (Jochen G.)

„Ich kämpfe mit der Tastatur. Meine Finger sind heute nicht so wie sie sein sollten. Zu dick vielleicht. Ich erwische immer gleich zwei oder drei Tasten und der Computer entscheidet scheinbar selbstständig, was er aus meinem Befehl macht, s oder w , o oder i , ich habe es nicht in der Hand. Ich ziehe die Hände zurück, lege sie auf die Knie, balle und löse meine Fäuste, schlackere mit den Handgelenken und betrachte mißtrauisch meine Fingerspitzen, die aber aussehen wie immer. Ich nehme meine Brille ab und reibe mir die Augen, lege meine Finger vorsichtig wieder auf die Tastatur, die Zeigefinger auf F und J. Ich kann die kleinen Markierungen auf den Tasten spüren. Ich versuche meine Gedanken zu sammeln, da sehe ich den Curser zügig Zeile für Zeile von links nach rechts rutschen, im Schlepp eine Kette von Buchstaben und Satzzeichen, die ich ganz sicher nicht geschrieben habe, ich setzte die Brille wieder auf, der Rechner schreibt, schreibt ganz von alleine, schreibt mir einen Brief…“ (Sa)

„Ich kämpfe mit der Tastatur. Wie Schluchten tun sich die Abstände zwischen den einzelnen Tasten vor mir auf. Unüberwindlich oder höchstens unter Einsatz meines Lebens zu bewältigen.
Wie bin ich hierher gelangt? Keine Worte in meinem Kopf, die ich mit Hilfe der Tastatur zur verbindenden Brücken ausformen könnte, geschweige denn ganze Sätze.
Versuchsweise springe ich zum nächsten Buchstaben, an Großschreibung ist nicht zu denken, müsste ich dazu doch auch noch die Shift-Taste bewegen. Verzweiflung überwältigt mich, ich habe Sorge zwischen die Tasten hindurch auf den dunklen mit undefinierbaren Krümeln gefüllten Grund der Tastatur zu fallen. Diesen Raum könnte ich ohne Hilfe nie mehr verlassen. Ich wäre verloren in der unerforschten Tiefsee der Buchstaben. Verängstigt bleibe ich auf dem „h“ liegen.“ (Maike Wachendorf)

„Ich kämpfe mit der Tastatur…
Da ist der Buchstabe „F“…
Der Buchstabe „F“ erscheint dann, wenn ich einen Punkt setzte. Das klingt dann so:
„Liebe Grüße. F“
„Bis nachher. F“
Als ob ich nach jedem Satz fluchen würde …“ (Natalia Ivenitskaia)

Der Schreibprozess oder von der Notwendigkeit, einfach mal loszulegen

Ich glaube mittlerweile, die größte Herausforderung besteht für viele tatsächlich darin, sich nicht von dem ganzen „Regel/Handwerk“-Thema von dem „Eigentlichen“ ablenken zu lassen – sich nämlich erst mal auf die Suche zu machen nach den „Geschichten, die darauf warten von uns erzählt zu werden“. Nach dem, was uns „umtreibt“, was uns zum Schreiben drängt. Und dann einfach mal loslegen. Anfangen. In kleinen Etappen. So, wie jemand mit dem Laufen beginnt. Und zweierlei nicht vergessen: Schreiben ist ein Prozess und der erste Entwurf, die ersten Notizen sind Materialsammlungen und nicht schon DER Text und zum anderen: Schreiben gehört zu den komplexesten Tätigkeiten, die es gibt – daher können wir unmöglich alles auf einmal im Auge behalten.
Ich habe schon sehr, sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich zunächst geirrt haben über die Texte und Stoffe, die sie schreiben wollten und dass sich ganz viele Blockaden und auch handwerkliche Schwächen aufgelöst haben, als sie „Ihrs“ gefunden hatten … Es gibt einen schönen Aufsatz von Jonathan Franzen über Autobiographische Literatur, darin erzählt er von der Entstehung der „Korrekturen“, das ist auch unter diesem Aspekt interessant: Oft ist es gut, der Schreibfreude nachzugehen …

Kürzlich wollte ich in einer Mail kurz, aber auch halbwegs vollständig, formulieren, was mir wichtig erscheint für jemanden, der mit dem Schreiben beginnt. Ich hatte nicht viel Zeit und war selbst überrascht, dass ich es auf so wenig Raum unterbringen konnte … Was meint ihr? Was habe ich vielleicht doch vergessen oder übersehen? 

Müssen wir die Geschichten, die wir erfinden nur „freilegen“?

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Vielen Menschen ist zunächst nicht klar, wie ungeheuer komplex das Schreiben von Geschichten ist und mit welchen, sehr unterschiedlichen, Herausforderungen wir es dabei zu tun haben. Bilder können helfen, die unterschiedlichen Phasen des Schreibprozesses zu veranschaulichen. Ein solches Bild ist die Sackgasse, über die ich kürzlich schrieb. In einem anderen Bild sind Geschichten etwas, das wir „freilegen“ müssen. „Nur“ freilegen müssen. „Eigentlich“ sind sie schon da, existieren bereits irgendwo (vielleicht in den hinteren Ecken unseres Gehirns oder den tieferen Schichten unseres Unbewussten) und unsere Aufgabe besteht darin, „nur“ in die richtige Richtung zu graben, um die Geschichte, einer Goldmine ähnlich, freizulegen.

Manchmal kommt mir die Entwicklung von Texten – gerade rückblickend – genau so vor: Es gab eine Idee, die sich in unterschiedliche Richtungen hätte entwickeln können, die vollkommen unterschiedliche Verläufe hätte annehmen können und von denen ich einige ausprobieren musste, um zu erkennen, welche Geschichte ich denn „eigentlich“ erzählen möchte.

Und dann erlebe ich aber auch bei mir und anderen, dass dieses Bild dazu verführt, Goldminen auch an Stellen zu vermuten, auf die der Wind nur ein bisschen Goldstaub getragen hat; an Ideen für Geschichten festzuhalten, die sich einfach nicht in Bewegung bringen lassen …

Wie sind Eure Erfahrungen? Welche Bilder habt Ihr im Kopf, wenn Ihr an das Entwickeln von Geschichten denkt? Welche Vorstellungen helfen Euch weiter?

Meine Lesung in der Stadtwaage

Voll war der große Saal nicht, aber immerhin so gut gefüllt, dass eine schöne Athmosphäre entstand. Nach einer kurzen Begrüßung durch Axel Stiehler folgten die Zuhörer:innen sehr konzentriert dem Text und ließen sich im Anschluss für eine lebendige Diskussion gewinnen. Der Austausch dazu hier auf dem Blog hat mich motiviert, mit meiner Rolle, meinem Verhalten ein bisschen zu experimentieren, das Interesse an bestimmten Aspekten (Schreibprozess, autobiographische Hintergründe) quasi vorauszusetzen (hat sich dann aber auch wieder im weiteren Verlauf bestätigt) und damit zu einem „echten“ Frageteil/Gespräch überzuleiten. An Details werde ich noch feilen, aber die Richtung stimmt, die Reaktionen waren sehr positiv – und die Buchverkaufsquote überragend 😉

Herzlichen Dank an die Veranstalter Sparkasse Bremen und Logbuch!