(52) Was machen eigentlich die anderen?

Ich will nicht groß drumherum reden: Mir fehlt es gerade an Zeit. Und während ich darüber nachdachte, ob mir nicht eine Schreibanregung, ein Gedanke einfällt, den ich hier relativ unaufwändig präsentieren könnte, kam der neue Newsletter von Austin Kleon. Jeden Freitag teilt Austin Kleon interessante Links zum Schreiben, Zeichnen oder allgemein zu Kreativität. Da er täglich bloggt, verlinkt er auch immer ein oder zwei seiner Blogs.

Diese Woche hat er beispielsweise zu Morgenseiten geschrieben und andere Schreibrituale vorgestellt, er hat über Stifte geschrieben, über den „Vampirtest“ (sehr empfehlenswert!) und über Fragen von Qualität/Quantität. Wenn Ihr durch seinen Blog scrollt werdet Ihr sicherlich etwas finden, das Euch interessiert oder anregt – und deswegen möchte ich das gerne an euch weitergeben.

Viele Menschen haben die Vorstellung, dass bestimmte kreative Techniken für sie sehr geeignet sind – und andere gar nicht. Und natürlich gibt es das auch. Aber oft passt eine Technik auch nur in einer bestimmten Phase nicht oder besonders gut und wenn wir sie nach Jahren nochmal ausprobieren, passiert etwas Unerwartetes. Auch deswegen ist es gut, immer mal wieder neugierig zu schauen, wie andere eigentlich arbeiten oder wovon sie sich inspirieren lassen.

Hier gehts zur Website von Austin Kleon (seinen Newsletter kann man dort abonnieren) und wenn Ihr etwas findet, das Euch interessiert, notiert es gerne hier!

(24) Stadt-Land-Tod oder Name-Beruf-Versteck

Ganz reale Schreibwerkstätten haben viele Vorteile gegenüber dem „jede/r schreibt für sich allein zu Hause“ und natürlich auch gegenüber dieser Virtuellen Werkstatt: Sobald mehrere Menschen an einem Tisch sitzen und schreiben entsteht eine Atmosphäre positiver Energie und Konzentration, die ansteckend ist. Manchmal ist es auch hilfreich, dass die Möglichkeiten zur „Flucht“ begrenzt sind. Wer gekommen ist, bleibt in aller Regel erstmal und hält Momente der Unzufriedenheit aus, die zu Hause zum Abbruch des  Schreibversuchs führen würden.

Oft lassen sich Teilnehmer:innen von Schreibwerkstätten auch auf eine Schreibanregung oder ein Spiel ein, das am heimischen Schreibtisch keine Chance gehabt hätte. Gerade diejenigen, die mit einem gewissen literarischen (und das heißt ja vor allem sprachlichen) Anspruch ans Schreiben gehen, zucken bei kreativen Aufwärm-Übungen oft intuitiv zurück, was ich gut verstehen kann. Ich kenne auch „Schreibspiele“, die ich gruselig finde und nie verwenden würde.

Aber andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kreativität viel mehr als die meisten denken, Übungssache ist. Eher Herangehensweise als Talent. Und dass es gut ist, wenn eine/r mit dem Erfinden nicht bei „Null“ anfängt (ohne jede Anregung vor einem leeren Blatt Papier), sondern sich an Anhaltspunkten orientieren kann. Das kann ein Anfangssatz sein oder die Karten meines Geschichten-Generators oder … ein abgeändertes Stadt-Land-Fluss-Spiel.

Vor Jahren habe ich von einer Teilnehmerin eine Krimi-Variante mitgebracht bekommen, mit den Rubriken: Täter, Mordmotiv, Tatwaffe, Tatort, Fluchtfahrzeug, Todesursache und „Art des Verbrechens“. Diese Kopie fiel mir vor einigen Tagen in die Hände und brachte mich auf die Idee, für die Teilnehmer:innen einer meiner Werkstätten ein weitere Variante zu entwerfen mit den Rubriken:

Name
Beruf
Ort, an dem man sich verstecken kann
ein Ziel oder Wunsch
eine Angewohnheit
etwas Wertvolles
etwas, das eine/r loswerden möchte

Und dann? Dann macht ihr damit, wozu ihr Lust habt. Vielleicht ist gerade jemand in der Nähe und Ihr spielt es wirklich – was den Vorteil hat, dass Ihr nicht so lange überlegen könnt (das ist manchmal ein Vorteil). Vielleicht habt Ihr aber auch Lust, für ausgewählte Buchstaben (die Eures Namens vielleicht) auf die Suche zu gehen. Vielleicht springen Euch dann drei oder vier Worte mit ganz unterschiedlichen Anfangsbuchstaben ins Auge, die einen Erzählimpuls bei euch auslösen. Vielleicht habt Ihr auch Lust, die Tabelle zu zerschneiden und Euch daraus Euren eigenen, ganz individuellen Geschichten-Generator zu basteln – und vielleicht habt Ihr Lust, einen Text zu schreiben über die üblen Überraschungen, die in einer Schreibwerkstatt drohen können …

Wie immer ist alles erlaubt. Ich freue mich auf Eure Ideen, Texte, Varianten!

(7) Erste kleine Schreibprojekte entwickeln

Nur ganz ausnahmsweise schreiben in meinen Werkstätten alle Teilnehmer:innen zu der selben Anregung. Das liegt vor allem an der simplen Tatsache, dass sie sich in so vielem unterscheiden: in ihren Erfahrungen und Wünschen, in dem, was sie gerade beschäftigt, in den Texten, die sie gerne lesen und eben auch in dem, was ihre Schreibfreude auslöst. Manche Teilnehmer:innen lieben es, wenn Schreib-Anregungen den Charakter einer „Challenge“ annehmen, wenn es viele Vorgaben (z. B. Reizwörter) gibt, während andere sich genau davon schnell eingeschränkt fühlen und offenere Anregungen favorisieren – z. B. den ersten Satz von Herta Müller: „Es ist Samstagnachmittag.“

Weil die Teilnehmer:innen so unterschiedlich sind und weil ich Schreib-Anregungen immer nur als „Überbrückungskabel“ verstehe, können sich alle aussuchen, was für sie passt oder es für sich passend machen. Diese Vorgehensweise hat einen wichtigen Nebeneffekt: Die Verantwortung für den Schreibprozess bleibt bei den Teilnehmer:innen. Das ist nicht ganz so selbstverständlich, wie es klingt, den bei manchen Lernprozessen liegt die Verantwortung ja tatsächlich zumindest zunächst vor allem bei den Lehrer:innen. Wenn ich ein Instrument lerne, gehe ich davon aus, das die Lehrer:in vorgibt, in welcher Reihenfolge ich was zu üben habe. Zumindest am Anfang.

Beim Schreiben ist das anders, jedenfalls kommt es mir so vor – vielleicht, weil wir ja schon mit viel Mühe und Aufwand gelernt haben zu lesen und zu schreiben. Die Menschen, die Schreibwerkstätten aufsuchen oder entsprechende Ratgeber kaufen, wollen nicht schreiben lernen, sondern sie wollen mehr schreiben und/oder „besser“ schreiben. Ich kann das sehr gut verstehen, denn ich habe mich selbst viele Jahre mit genau diesen beiden Wünsche rumgeplagt. Und auch mir haben die Schreibratgeber, die sich in meinen Regalen stapelten und die sporadischen Besuche von Schreibworkshops nicht nennenswert weitergeholfen, so wie es vielen ergangen ist, die bei mir „gelandet“ sind.

Das, was ich in großspurigen Momenten „meinen Ansatz“ nenne, ist aus dem jahrelangen Nachdenken darüber entstanden, was mir selbst und was den Teilnehmer:innen meiner Werkstätten tatsächlich weitergeholfen hat. Weil wir uns alle unterscheiden (s.o.), sind auch die Wege unterschiedlich, die wir jeweils zurückgelegt haben – und die Ziele. Und dennoch gibt es natürlich auch Ähnlichkeiten, Übereinstimmungen, Erkenntnisse.

Eine davon ist, wie wichtig und zugleich wie schwierig es für viele ist, überhaupt einmal in eine kreative Haltung hineinzufinden. Neugierig zu werden. Lust am Ausprobieren und Experimentieren zu entwickeln. Etwas „nur so“ schreiben, ohne dass daraus ein fertiger, vorzeigbarer Text werden muss. Mit der Selbstverständlichkeit, mit der bildende Künstler:innen Skizzen anlegen, kleine Notizen zu machen.

Natürlich freue ich mich, wenn in meinen Werkstätten „gute“ Texte entstehen, aber noch mehr freue ich mich, wenn Teilnehmer:innen in dem gerade beschriebenen Sinn mutiger werden, neue Erfahrungen machen, etwas ausprobieren, was ihnen zunächst abwegig vorkam – so wie es auch manche von Euch hier schon beschrieben haben.

Auch eine kleine Serie zu schreiben bedeutet nicht, dass es jetzt allmählich „ernst“ wird – ganz im Gegenteil. Auch das Entwickeln eines kleinen Schreibprojektes soll das Schreiben nicht schwerer, nicht anstrengender machen: Weiterschreiben ist oft leichter als anfangen. Und kleine Schreibprojekte zu beenden und sie eventuell (vielleicht „nur“ für eine/n selbst) in eine schöne Form bringen, kann zu dem beitragen, was ja das Ziel der meisten ist: Jemand werden, die/der schreibt.

Auch diese „Serien“ sind nicht für jede/n etwas. Ihr müsst selbst herausfinden, ob und in welcher Form das für Euch passt. Ein paar konkrete Tipps werde ich hier in dieser Woche dazu geben, aber auch die sind wieder nur als „Überbrückungskabel“ gedacht. Die wichtigste Frage, die Ihr Euch stellen solltet: Was hat Euch in der vergangenen Woche (oder überhaupt in der Vergangenheit) schreibend am meisten Spaß gemacht? Oder Euch gereizt? Vielleicht habt Ihr noch immer keine Figur, die in Schwierigkeiten steckt, aber Ihr hättet gerne ein? Dann könnte das eine Serie sein: Eine Figur in (drei bis fünf) unterschiedliche Schwierigkeiten bringen. Oder fünf Figuren?

Wenn Euch das Daily Diary von Lynda Barry gefallen hat: Macht diese Woche jeden Tag eins.

Oder Ihr macht etwas ganz anderes, wie meine Schriftsteller-Kollegin Bettina Beutler-Prahm, der ich das schöne Beitrags-Foto zu verdanken habe: Bettina hatte letzte Woche dieses Video von Austin Kleon gesehen – und ihre ganz eigene Serie daraus gemacht.

https://youtu.be/ab4O9SWNl9g

Wie immer bin ich sehr gespannt auf Eure Ideen, Erfahrungen, Fragen.

Einen Roman in 60 Minuten erfinden – gemeinsam!

17498816_1241323489256434_5405932536679598207_nEs war ein Experiment. Natürlich. Aber in anderer Weise, als die meisten vermuten würden. Ich wusste, dass es möglich ist, mit einer Gruppe von Menschen innerhalb kurzer Zeit die Handlung für einen Roman zu entwickeln – ich mache das oft in meinen Workshops, in ganz unterschiedlichen Varianten und ich bin selbst immer wieder überrascht, wie viel Spaß es macht und wie gut es funktioniert.
Manchmal ist es der erste Schritt und im Anschluss werden die gerade erfundenen Szenen verteilt, von einzelnen Teilnehmer.innen oder Gruppen aufgeschrieben und schließlich  vorgetragen.

Dieses Vorgehen hält für die Teilnehmer.innen oft eine Reihe von Überraschungen bereit:
1. Eine Geschichte zu erfinden ist weder trocken noch kompliziert – es kann ein großer Spaß sein (Bringe deine Figur in Schwierigkeiten!)
2. Ich muss als Autorin nicht alles erzählen, was ich weiß – ich sollte es auch nicht. (Wie kann ich so erzählen, dass Spannung entsteht?)
3. Schreiben kann leicht und vergnüglich sein (insbesondere für Menschen ohne oder mit wenig Schreiberfahrung erleichtert es das Schreiben, wenn sie relativ genau wissen, was in „ihrer“ Szene geschehen soll).
4. Ich bin ja gar nicht so „unkreativ“ wie ich immer dachte! (Sowohl das gemeinschaftliche, wie auch das jeweilige „Einzel“-Ergebnis ist in aller Regel viel „besser“ als die Teilnehmer.innen vorher für möglich gehalten haben.)

Während es manchmal der Schwerpunkt eines Workshops ist, setze ich das gemeinsame Erfinden auch gelegentlich  spontan ein, wenn nach der Mittagspause alle müde sind oder am Ende des Tages, wenn die kreativen Ressourcen verbraucht scheinen. Bei den Teilnehmer.innen erfreut es sich großer Beliebtheit und für manche ist sogar ein  echtes „Aha-Erlebnis“.
Meistens nutze ich den Geschichten-Generator, aber manchmal frage ich auch, ob jemand eine Idee hat – für eine Figur, für einen Anfang, für irgendetwas, aus dem eventuell eine Geschichte werden könnte oder ich frage nach einem festgefahrenen Romanprojekt. .

Weil dieses gemeinsame Geschichtenerfinden so gut ankommt und weil ich bereits seit längerem mit Formaten experimentiere, die „irgendwas mit Literatur zu tun haben, aber keine Lesungen sind“ und weil ich das Erwachsenwerden des Geschichten-Generators (jetzt kann man ihn kaufen ;)) gebührend feiern wollte, hatte ich die Idee zu der Veranstaltung „Einen Roman in 60 Minuten erfinden“.

Sabine und Axel Stiehler vom Logbuchladen brauchte ich nicht lange zu überreden, wir haben bereits eine Reihe schöner, gemeinsamer Veranstaltungen und Projekte auf und über die Bühne gebracht und so vertrauten sie meiner Zuversicht, dass das „ein großer Spaß“ werden würde, aber wirklich klar war ihnen nicht, was ich vorhatte. Sie befanden sich damit in guter Gemeinschaft, denn so sehr ich mich auch mühte, mir fiel keine gute, knappe Beschreibung ein und selbst, wenn ich erzählte, was ich hier nun auch erklärend zusammengefasst habe, sah ich in eher ratlose Gesichter: Also ist das auch ein Workshop? NEIN! Wird da geschrieben? NEIN! Wenn ich sagte, dass man es vielleicht am ehesten mit Impro-Theater vergleichen könne, musste ich sofort hinzufügen: Aber ihr müsst nichts machen!

Und dann war es soweit. Das Lox war voll. Ausverkauft. Ich habe eine (sehr kurze!) Geschichte zur Einstimmung erzählt und dann haben wir schon angefangen und den klassischen Generator-Start gewählt: Drei zufällig gezogene Karten (eine Figur, ein Ort, ein Satz):

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Lotte (schwer bepackt), Schulhof, Natürlich kann ich das 

Eins wollte ich unbedingt vermeiden: Eine unangenehm krampfige oder angespannte Atmosphäre, in der niemand etwas sagen mag, aber alle sich dazu genötigt fühlen. Die Lösung: erstmal 10 Worte, die mit „L“ anfangen, dann auch noch zehn Verben mit „L“ (L wegen Lotte). Alles wurde von mir vorne auf meinen Lieblingsfolien, die man überall selbsthaftend anbringen kann, notiert. Aber es wäre vielleicht auch gar nicht nötig gewesen, denn es gab sofort zahlreiche Ideen zu den Anfangsfragen:

Was könnte das los sein? Wer ist Lotte? Womit ist sie bepackt?

Ist Lotte eine Schülerin? Mehr Kopfschütteln als Nicken. Aber auch keine Lehrerin, oder? Erneut Kopfschütteln, dann von rechts: „Vielleicht ist Lotte ein Pferd!“ Das war ein wunderbares Signal, denn nun ging es los. Lotte könnte Hausmeisterin sein. Vorschläge, Heiterkeit von allen Seiten, die ich mich nicht scheute zu unterbrechen für den Hinweis: Wir benötigen Schwierigkeiten. Ergiebige Schwierigkeiten!

Sofort kamen wunderbare Schwierigkeiten von allen Seiten geflogen: Lotte könnte verliebt sein – in die Schulleiterin? Und war vielleicht einmal ein Mann? Kennen sie sich von früher? War Lotte der Lehrer von Birgit, der Schulleiterin? Viele weitere Vorschläge, viel Gelächter und damit waren erste, wichtige Etappenziele erreicht: eine lockere Atmosphäre war etabliert, sowie eine Vorstellung von den beiden wichtigsten Bestandteilen, die wir benötigen, wenn wir eine Geschichte erzählen wollen, die vielleicht sogar Romanformat hat: Figuren und Schwierigkeiten, „in denen es um etwas geht“ und die zusätzlich die Handlung nach vorne treiben.

Auch bei Workshops hat es sich manches Mal bewährt, die erste Runde zum Aufwärmen zu verwenden und in einer zweiten auf das große Ganze zu zielen. Dafür hatte ich mir am Tag zuvor zwei Karten und den Anfang einer Geschichte ausgedacht

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Luise (ältere Dame mit Hut), Schiffsdeck

Mein Vorschlag für einen Ausgangspunkt: das Schiffsdeck befindet sich auf ein em Kreuzfahrtschiff und Luise ist dort mit ihrem Mann, einem gerade pensionierten Kriminalbeamten, der sich diese Reise gewünscht hat, Luise wäre lieber zu Hause geblieben, um einem ihrer feinsinnigen Hobbys nachzugehen. Als Luise ihrem Mann von einer seltsamen Beobachtung erzählt, glaubt der ihr kein Wort. Luise will nur ihre Ruhe haben, denkt er … Und erneut kamen sofort und mühelos Vorschläge aus dem Publikum: Was könnte Luise gesehen haben? Wer gerät in Gefahr und wie könnte man die üblichen Erwartungen unterlaufen? Was könnte eine erste Szene sein und würden die Leser.innen mehr oder weniger wissen als die Figuren?

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Entscheidend: Plan entgleist, Casino, Gefahr

An diesem Zeitpunkt ist ein Zeitstrahl hilfreich und auch der passte noch auf die Folie. Am Ende hatten wir tatsächlich einen groben Plot und ein wunderbar begeistertes Publikum (darunter einen tollen Überraschungsgast aus Hamburg!) – nur einen wirklich überzeugenden Namen habe ich noch immer nicht für das, was da passiert ist.

Es ist keine Lesung, kein Vortrag, kein Workshop, es ist auch kein Impro-Theater …

Vielleicht fällt euch etwas ein? Es wäre toll, denn ich würde dieses Angebot gerne ausbauen. Es ist ein schöne Alternative zur üblichen Lesung für Buchläden und Bibliotheken, auf Festivals und in Kneipen. Es eignet sich als Einführung ins Storytelling und als Ermutigung für alle, die auf (gemeinsame) Kreativität angewiesen sind – und wer ist das heutzutage nicht?

Zum Schluss habe ich den Beitrag „Geständnisse aus der Schreibwerkstatt“ vorgelesen. Und weil ich vergessen habe, das schöne Zitat aus Felix Scheinbergers „Mut zum Skizzenbuch“ zu verwenden, notiere ich es hier: „Wenn wir es gerne machen, werden wir es oft machen. Und wenn wir es oft machen, werden wir es gut machen“.

Notiz: Der Komposthaufen, das Schreiben, meine Ideen und ich

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ich an ihn denken würde: den Komposthaufen. Solange ich keinen Garten hatte, dachte ich, dass man auf einen Komposthaufen fröhlich werfen kann, was im Laufe eines Gartenjahres an Gestrüpp und Gartenabfall anfällt – und dann nach einem Jahr so automatisch wie geheimnisvoll mit neuer Erde belohnt wird. Aber das ist nicht so. Es bleibt für mich geheimnisvoll, aber automatisch geschieht nichts …

Ein Komposthaufen ist „voraussetzungsvoll“ und benötigt genügend Feuchtigkeit und Sauerstoff und man kann auch nicht nur „Gestrüpp“, also holziges Zeug drauf werfen, sondern muss in einem ausgewogenen Verhältnis Grünzeug aufschichten (aber Rasenschnitt wiederum auch nicht frisch von der Rasenkante weg – sonst bildet er faulige, filzige Matten), damit die Wärme oder gar Hitze entstehen kann, die Voraussetzung für den Verrottungsprozess ist.

So ähnlich stelle ich mir die Arbeit meines Gehirn vor und so, wie es ziemlich lange gedauert hat, bis der Komposthaufen in unserem Garten „angesprungen“ ist, hat es auch ziemlich lange in meinem Leben gedauert, bis ein kreativer Ideenhaufen entstanden ist. Er war auch nicht geplant. Ich habe einfach ziemlich viel Zeug gelesen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die wenig miteinander zu tun hatten, weil sie mich interessierten.  Ich konnte mich nicht gut konzentrieren und daher konnte ich mir auch kaum etwas merken.  Aber den geheimnisvollen Prozessen des Komposthaufen möglicherweise verwandt, ist aus all dem Zeug, das sich über viele Jahre angesammelt hat, etwas entstanden.  Hat sich entzündet oder sortiert oder bewegt und auf einmal ergänzen sich entlegene Lektüren mit eigenen Fragen und ich freue mich über die Entdeckung konzentrierten Arbeitens und über zahlreiche Ideen. Für ganz unterschiedliche Texte, für Workshops und Schreibwerkstätten, für Projekte und auch für diesen Blog …

Es gibt so viele Beiträge, die ich geplant und z. T. angekündigt habe, die mich auch interessieren, aber ich finde einfach nicht die Zeit dafür sie (zu Ende) zu schreiben. Deswegen habe ich mir schon oft vorgenommen, kürzere Beiträge zu schreiben, die nur eine Notiz sind, ein Schlaglicht werfen, einen ersten Hinweis liefern, usw. Ich habe im Dezember bereits einen Versuch gemacht und über den „Blog als Arbeitsjournal“ geschrieben und das ging auch in eine gute Richtung – aber ich merke, dass es eine Art Hemmung oder Widerstand bei mir gibt, als wenn die LeserInnen Anspruch auf mehr als nur eine kurze Notiz hätten. Der reflektierende Teil meines Selbst weiß, dass das Unsinn ist, der andere Teil lässt sich möglicherweise besänftigen, wenn ich „Notiz“ oben drüber schreibe – dann ist es schon mal kein Etikettenschwindel. Und jetzt muss ich schnell aufhören, sonst entsteht hier etwas, das man vielleicht einen „Widerspruch in sich selbst“ nennen könnte …

Was meint Ihr? Wie ? Wollt Ihr auch gerne manchmal kürzer schreiben – oder länger? Freue mich auf Kommentare!

Diesmal mit Sommerakademie – meine neuen Kursangebote für 2016 sind online!

fr_breitIch freue mich sehr meine Kursangebote für das erste Halbjahr 2016 vorstellen zu können! Neu dabei ist ein fünftägiger Kurs auf der Freudenburg in Bassum (nahe Bremen), bei dem man übernachten kann, aber nicht muss – so dass er auch für „Auswärtige“ interessant sein könnte. Hier geht es zu meiner Seite mit dem kompletten Kursangebot und hier geht es zum Angebot der Sommerakademie Bassum, die zum 24. Mal von der vhs diepholz veranstaltet wird.

Neben den hier aufgeführten Kursen, biete ich weitere, bereits ausgebuchte, an und entwickele ständig neue Formate, darunter auch Online-Angebote und Angebote der Unterstützung und Anregung von Schreibprozessen für Einzelne, sowie Workshops zu Themen wie Autorenmarketing, Kreativität und Storytelling. Ich freue mich auch über unverbindliche Angebote, Fragen oder Anregungen: juttareichelt@aol.com. Vielleicht kommen wir zusammen?!