Notiz: Der Komposthaufen, das Schreiben, meine Ideen und ich

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ich an ihn denken würde: den Komposthaufen. Solange ich keinen Garten hatte, dachte ich, dass man auf einen Komposthaufen fröhlich werfen kann, was im Laufe eines Gartenjahres an Gestrüpp und Gartenabfall anfällt – und dann nach einem Jahr so automatisch wie geheimnisvoll mit neuer Erde belohnt wird. Aber das ist nicht so. Es bleibt für mich geheimnisvoll, aber automatisch geschieht nichts …

Ein Komposthaufen ist „voraussetzungsvoll“ und benötigt genügend Feuchtigkeit und Sauerstoff und man kann auch nicht nur „Gestrüpp“, also holziges Zeug drauf werfen, sondern muss in einem ausgewogenen Verhältnis Grünzeug aufschichten (aber Rasenschnitt wiederum auch nicht frisch von der Rasenkante weg – sonst bildet er faulige, filzige Matten), damit die Wärme oder gar Hitze entstehen kann, die Voraussetzung für den Verrottungsprozess ist.

So ähnlich stelle ich mir die Arbeit meines Gehirn vor und so, wie es ziemlich lange gedauert hat, bis der Komposthaufen in unserem Garten „angesprungen“ ist, hat es auch ziemlich lange in meinem Leben gedauert, bis ein kreativer Ideenhaufen entstanden ist. Er war auch nicht geplant. Ich habe einfach ziemlich viel Zeug gelesen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die wenig miteinander zu tun hatten, weil sie mich interessierten.  Ich konnte mich nicht gut konzentrieren und daher konnte ich mir auch kaum etwas merken.  Aber den geheimnisvollen Prozessen des Komposthaufen möglicherweise verwandt, ist aus all dem Zeug, das sich über viele Jahre angesammelt hat, etwas entstanden.  Hat sich entzündet oder sortiert oder bewegt und auf einmal ergänzen sich entlegene Lektüren mit eigenen Fragen und ich freue mich über die Entdeckung konzentrierten Arbeitens und über zahlreiche Ideen. Für ganz unterschiedliche Texte, für Workshops und Schreibwerkstätten, für Projekte und auch für diesen Blog …

Es gibt so viele Beiträge, die ich geplant und z. T. angekündigt habe, die mich auch interessieren, aber ich finde einfach nicht die Zeit dafür sie (zu Ende) zu schreiben. Deswegen habe ich mir schon oft vorgenommen, kürzere Beiträge zu schreiben, die nur eine Notiz sind, ein Schlaglicht werfen, einen ersten Hinweis liefern, usw. Ich habe im Dezember bereits einen Versuch gemacht und über den „Blog als Arbeitsjournal“ geschrieben und das ging auch in eine gute Richtung – aber ich merke, dass es eine Art Hemmung oder Widerstand bei mir gibt, als wenn die LeserInnen Anspruch auf mehr als nur eine kurze Notiz hätten. Der reflektierende Teil meines Selbst weiß, dass das Unsinn ist, der andere Teil lässt sich möglicherweise besänftigen, wenn ich „Notiz“ oben drüber schreibe – dann ist es schon mal kein Etikettenschwindel. Und jetzt muss ich schnell aufhören, sonst entsteht hier etwas, das man vielleicht einen „Widerspruch in sich selbst“ nennen könnte …

Was meint Ihr? Wie ? Wollt Ihr auch gerne manchmal kürzer schreiben – oder länger? Freue mich auf Kommentare!

38 Comments

  1. deine Texte zu lesen, ist reines Vergnügen, kurz oder lang. Bei „sehr lang“ wird es dann schwierig, weil das Format des Blogs dafür nicht passt.
    Dein Vergleich mit dem Komposthaufen erinnert mich daran, dass mein Vorhaben, einen Komposthaufen ordentlich anzulegen, anstatt immer nur Gestrüpp etc……Du verstehst mich auch in der Abkürzung. Herzliche Grüße!

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  2. Der „Anspruch auf mehr“ hängt für mich nicht mit der Länge eines Textes zusammen. In der Lexikonredaktion wurde immer der Spruch zitiert: „Hatten Sie keine Zeit, sich kurz zu fassen?“ Eben weil es das in der Regel mehr Aufwand bedeutet. Kürze muss kein Zeichen mangelnder Qualität sein. Kurzum: Ich bin für die Notizen. 😀

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    1. Ich stimme dir sehr zu! Da hat mich die Eile offensichtlich schon ein bisschen ungenau werden lassen 😉 Ich kenne diesen Auspruch für Briefe und fand ihn da auch immer achon sehr treffend. Was ich nicht kannte, war das wunderbare Goethe-Zitat zum Beginnen, das ich gerade auf deinem Blog entdeckt habe … Ich glaube, grundsätzlich wünsche ich mir mehr „Mut zur Lücke“, zur Unvollständigkeit. Wir werden sehen …

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  3. Misthaufenmäßig bin ich jetzt enttäuscht 🙂 Als Stadtpflanze bin ich auch der Meinung, dass ein Komposthaufen eine Ansammlung beliebig dort deponierter organischer Abfälle ist …..
    Textmäßig bin ich nicht enttäuscht. Ich lese gerne viele Texte, habe aber nicht genug Zeit (und Lust) viele sehr lange Texte zu lesen. Die Länge dieses Textes finde ich fein !

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  4. Liebe Jutta,
    die bildliche Verbindung des Komposthaufens mit dem Schreiben finde ich großartig!! Es werden Sauerstoff, Feuchtigkeit und Hitze benötigt. Ja, so funktioniert das Gehirn ja auch, wenn etwas verarbeitet werden möchte. Feuchtigkeit könnte in so einem Prozess für Trauer stehen, der Sauerstoff für Zeit/Leben und die Hitze für die Wut. Um etwas hinter sich zu lassen, benötigt es doch diese Gefühle… und dann kann es wieder von Vorne beginnen, aus der Wut entsteht Leidenschaft… (vielleicht weit her geholt, aber daran musste ich denken, als ich deinen Text las) Lieben Gruß.
    PS: lang oder kurz find ich schnurz. Hauptsache es passt für die Autorin, dann ists authentisch.

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    1. Freut mich sehr, dass dir das Bild unmittelbar einleuchtet – so geht es mir mit deiner Vorstellung, den einzelnen Stoffen etwas Bestimmtes zuzuordnen! Erst als ich das las, habe ich zudem bemerkt, dass ich etwas für mich Wichtiges bei dem Kompostvergleich gar nicht erwähnt habe: nichts befördert die Kompostbildung so gut, wie das Zerkleinern des Materials, weil dann die Bakterien und Kleinstlebewesen mehr „Ansatzpunkte“ finden – und so empfinde ich es auch bei der Entstehung von Ideen: aus lauter verstreutem, klein „gehäckseltem Zeug“ entsteht etwas …

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  5. klar Notizen, ich finde Sie wichtig die Notizen…so bleibt man besser drann..also wenn Sie aufgeschreiben werden. Und was die leser angeht, alles kann Impuls sein 😉 schöner Vergleich mit dem Kompost 😀

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  6. Es gibt Tage und Zeiten, da passt kürzer auch besser zu den Lesemöglichkeiten. Und Themen, da ist länger absolut wichtig und nötig. Die Mischung macht’s, sag ich. Genau wie beim Komposthaufen (vielen Dank für dieses Bild übrigens).

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  7. Ein feiner Vergleich, liebe Jutta. Was lang genug gärt, wird Wort, wird Text. Und manchmal bleibt es vielleicht auch roh, irgendwie struppig. Passt dann womöglich auf andere Haufen. Die Blogosphäre als gewaltige Kompostieranlage…

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    1. Liebe Maren, diese Vorstellung gefällt mir sehr: struppige Beiträge, die in andere Blogs hineingeraten, sich verfangen und weiteres Treibgut an Land befördern – das hört sich doch schön hanseatisch an 😉 Ich danke dir und grüße dich herzlich!

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  8. Liebe Jutta, wie mir die Analogie gefällt und ich schaue gerade auf meien inneren Komposthaufen und verstehe endlich woher in den letzten Jahren alle diese Geschichten und Bilder kommen 😉
    Und ob du nun kurz, kürzer am kürzesten schreibst oder lang und etwas länger, ich lese dich, so oder so!
    herzliche Grüsse
    Ulli

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  9. Kurzgeschichten lese ich eher nicht gern. Auf Blogs bezogen liebe ich die Kürze. Versuche es auch in meinem Blog, da ich von mir auf andere schließe: lange Blogtexte lese ich nur, wenn beispielsweise ein mir wichtiges Buch besprochen wird oder es eine spannende Rahmengeschichte, bzw. knallverrückte Überschrift gibt…
    Gruß von Sonja

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    1. Liebe Sonja, auch meinen Lesegewohnheiten kommen kürzere Beiträge entgegen – zumal es ja meist so ist, dass ich einige direkt hintereinander lese und es dann gerade reizevoll finde, wenn es eine „wilde Mischung“ ergibt. Und deine Beiträge haben einen so eigenen Klang und Rhythmus – das schätze ich sehr!

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  10. Ich finde das sehr schwer, mich zu entscheiden. Da ich noch nicht lange blogge, meine ich oft, ich müsse erst mal meinen eigenen Stil finden. Wenn ich dann so hin-und-her springe zwischen langen und kurzen Beiträgen, zwischen Texten, Gedichten oder Fotografie denke ich manchmal, ich verwurstet alles miteinander. Andererseits entspricht ja jede kleine, neue Veröffentlichung dem momentanen Gefühl. Also ich bin da noch am Ausprobieren.

    Hier lese ich häufig und bekomme auch gute Anregungen.

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    1. Vielen Dank! Mir gefällt das sehr am Bloggen: dass es so offen ist – für Experimente, neue „Textsorten“, dass sich immer wieder Neues ergeben kann … Und wie beim Schreiben generell ist es vermutlich auch beim Bloggen: Wie müssen es tun, um herauszufinden, was für uns jeweils (aktuell) die richtige Form ist … Herzliche Grüße und weiterhin viel Freude dabei!

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      1. Danke für deine Antwort. (Ich sag einfach mal „du“ hier.) Ich habe mich ewig mit dem Gedanken herumgetragen, anzufangen… Dann wusste ich nicht, wie … und was Andere darüber denken, ob mein Geschreibsel vielleicht total uninteressant ist … Doch letztlich schreibe ich wohl für mich. Und wenn es mir gefällt, also ich meine … wenn ich mit meinem Herzen schreibe, dann gefällt es meist auch Anderen. Es macht auf alle Fälle große Freude.
        Einen schönen Tag dir.

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  11. Ich versuche, in meinen Posts das zu sagen, was ich wesentlich finde. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich anfange zu schwafeln, höre ich (hoffentlich) auf. Für manches muss und will ich allerdings mehr in Feinheiten gehen oder Schlussfolgerungen ziehen und ausführen, dann wird der Post halt länger.
    Länge stört mich nicht, solange ich, siehe oben, subjektiv empfunden nicht schwafele, Geschichten nehme ich aus, das ist mein Experimentierfeld, ich beobachte gerade gespannt, dass sie dazu neigen, länger werden zu wollen …
    Solange sich deine Posts für dich gut und rund anfühlen, liebe Jutta, wäre mir an deiner Stelle die Länge völlig egal. Und ob kurz oder lang, ich lese sie eigentlich immer und sowieso, und ich glaube nicht, dass ich damit allein bin 😉
    Liebe Grüße
    Christiane

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  12. Liebe Jutta,
    so ein Komposthaufen hat in der Regel einen angestammten Platz, im Garten und das über Jahre. Am Anfang ist es nur ein Haufen von Grünzeug, Erde, Abschnitte. Wie gesagt am Anfang. Dann aber beginnt eine/ seine Verwandlung. Die entsteht dadurch, dass wir unserem Tun konzentrierte Bedeutung beimessen. Damit es etwas werden wird, nähren wir ihn. Zum Beispiel mit Regenwürmern, die wir zusätzlich ansiedeln. Halten ihn bis zu einem bestimmten Maß feucht und wenden ihn Jahr für Jahr. Wir beobachten den Haufen und was das Interessante daran ist, wir vergleichen. Unser Komposthaufen wird mit denen, in anderen Gärten verglichen. Dabei ist er einzigartig und hat nach Jahren genau die Qualität erreicht, um untergegraben zu werden. Dabei fällt mir Dein Buch ein:
    „Wiederholte Verdächtigungen“. Für mich war es spannend mal wieder darin zu lesen und einen Ton klingen zu lassen, der meiner Seele gut tut.
    Was Deine Seite (im Blog) angeht, so ziehe ich meinen Hut. Sie spricht mich an, da sie meinen Augen nicht weh tut. Sie bedrängt mich nicht. Mit ihrer Gestaltung und ihrem Inhalt.
    Von Herzen danke ich Dir dafür.
    Monika

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    1. Liebe Monika, vielen Dank für deine schönen Hinweise zum Kompost und zur seelenstärkenden Wirkung mancher Lektüren – das freut mich natürlich sehr! Was den Kompost betrifft: schön, dass du auf die Bewegung hinweist; die Notwendigkeit, ihn immer mal wieder zu wenden oder umzusetzen. Auch das passt ja schön zum kreativen „Ideen“-Haufen … Beste Grüße!

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  13. Bei mir soll alles kürzer und prägnanter werden, aber du bitte weitherhin lang 🙂
    Was mir bei deiner gärtnerischen Metaphor noch gefällt, ist dass auf den Komposthaufen alles kommt, ohne Wertigkeit oder Zensur und alles zu nährhafter Nahrung wird.
    herzliche Grüsse!

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    1. Das scheint mir ein kleines bisschen unfair 😉 Ich werde das ganz genau im Auge behalten. Wobei ich den Verdacht habe, dass du dich wahrscheinlich bis ans Ende deiner Tage auf deinem genialen Blog-Namen ausruhen kannst – dann bräuchtest du gar nicht mehr zu schreiben … Herzliche Grüße!

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  14. Liebe Jutta,
    tja, das kommt von das: gute Beiträge, jede Menge Kommentare, die es zu beantworten gilt. Und auch ich mag deine Blog-Schriften, egal. ob kurz oder lang.
    Insgesamt geht es mir aber häufig so, dass ich kürzere Beiträge vorziehe, weil ich nämlich mittlerweile in sehr vielen Blogs stöbere und das schon wieder zu einem Druck ausartet. Sortieren? Sortieren! Aber es gibt so viel Spannendes und überall ist es herrlich bunt.
    Dein Komposthaufen-Vergleich hat mich an der richtigen Stelle getroffen. Jetzt weiß ich endlich, was ich da gerade mit meinem Romanprojekt mache – ich lasse es arbeiten, gären, reifen, schichte um, häksele, beregenwurme. Und freue mich darauf, mit anderen Gärtnerinnen zusammen einen Vergelich anzustellen. Spätestens im Februar. Ich freue mich sehr auf deinen Kurs!
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Sylvia, sehr schön, von dir zu lesen! Und was die Projekte, das Umschichten und die anderen Gärtnerinnen betrifft: wir hatten am Sonntag eine verheißungsvolle Generalprobe – prima, dass du im Februar dabei bist!

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