Ist Schreiben wie Backen, wie Kochen, wie Fußballtraining ohne Ball?

Wir können nicht alles wissen. Und wir können nicht nur dann handeln, wenn wir alles wissen, was zu wissen interessant oder sinnvoll oder vielleicht auch notwendig wäre. Und sehr oft wissen wir noch nicht einmal, wo genau die Grenze zwischen dem Erforschten und dem Unerforschten verläuft, also zwischen dem, was wir zumindest theoretisch wissen könnten.

Zum Beispiel weiß man immer noch nicht – und das finde ich wirklich sehr verblüffend – ob es sinnvoller ist, wenn Fußballprofis ihre Ausdauer mit oder ohne Ball trainieren. Es gibt eine kleine Fraktion von Trainern, die immer mit Ball trainieren und eine größere, die bei Ausdauereinheiten den Ball in der Regel weg lässt. Beim Fußball werden Milliarden bewegt, es wird ein riesiger Aufwand betrieben, aber es ist bislang nicht gelungen, diese Frage empirisch zu klären. (Jedenfalls habe ich vor zwei Jahren einen entsprechenden Artikel gelesen, sollte sich daran etwas geändert haben, freue ich mich über Hinweise!)

Wir sind also darauf angewiesen, zu spekulieren, Vorstellungen davon zu entwickeln, wie bestimmte Prozesse funktionieren, wie wir z. B. etwas lernen können oder wie wir uns in bestimmten Bereichen verbessern können. In unsere Vorstellungen davon, wie „üben“ funktioniert, fließen  ganz individuelle Erfahrungen, aber sehr oft denken wir spontan an so etwas wie Vokabeln lernen oder Tonleitern oder Schrittfolgen.

Der Unterschied zwischen Kochen und Backen besteht darin, dass man sich beim Backen an Rezepte halten muss. Man kann nicht, jedenfalls nicht in vergleichbarer Weise so „improvisieren“, wie man das beim Kochen tun kann. Man muss die Regeln sehr viel präziser anwenden.

Ist Schreiben wie Kochen oder wie Backen? Gibt es „Fingerübungen“?

Musik, Schauspiel, Sport – überall gibt es „Schulen“, haben Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie wer am besten lernt. Fortschritte macht. Bei mir wird immer mit Ball gespielt. Und deswegen gibt es auch keine „Aufgaben“, sondern „Anregungen“. Deswegen ist immer „alles erlaubt“.

Darauf wollte ich gerne hinweisen, bevor der Geschichtengenerator morgen wieder ein paar Karten ausspuckt …

Wie immer freue ich mich über Anmerkungen, Erfahrungen oder Widerreden!

42 Comments

  1. Jetzt weiss ich warum ich in meinem ganzen Leben noch keinen Kuchen zustande gebracht habe, nicht mal 0815 Plätzchen: mein kindliches Aufbegehren will sich nichts vorschreiben lassen, schon gar nicht von Rezepten… 😉
    Und deshalb hat auch meine Mutter selbst nach 20 Jahren Backkunst und immer den selben Kuchen nie ohne ihr fettfleckengetränktes in Geschenkpapier gebundenes selbstgeschriebenes Rezeptbuch gebacken…
    Freu mich auf die Anregungen 🙂
    ganz herzliche

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  2. dass du. liebe Jutta, die Unschärfe zwischen Wissen – Spekulation – Ahnungslosigkeit am Beispiel des Fußballtrainings erläuterst, finde ich doppelt gelungen. Zum einen, weil …, und zum zweiten, weil ich nun endlich auch mal was vom Fußball weiß oder zu wissen meine und so meine völlige Ahnungslosigkeit ….
    Freu mich auch auf den neuen Geschichten-Generator-Set!

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          1. Liebe Jutta,
            Fragen auf fremde Blogs beantworten inspiriert mich zu neuen Bildern, die hoffentlich meine Sammler kaufen 🙂
            „Learning by doing“ – dieser Ausdruck ist in der deutschen Sprache so schlecht zu übersetzen, trifft es am besten.
            Ich probiere erst aus, lerne aus meinen Fehlern und entscheide, ob ich mich mit einem Thema weiter beschäftigen will oder nicht. Wenn ich mich mit etwas weiter beschäftigen will, dann lese ich Bücher dazu. Wenn mir das Lesen nicht mehr reicht, dann schaue ich, ob ich mich mit anderen zu dem Thema auseinandersetzen kann und letztendlich ist mein Studium ein Resultat aus dieser Abfolge von Aktionen. Beim Studium lasse ich mich auf die Dozenten ein, gehe ihren Hinweisen nach und informiere mich im Schneeballsystem.
            Das wichtigste dabei ist, dass mich die Themen interessieren und dass ich weiteres dazu erfahren möchte.
            Liebe Grüße sendet dir
            Susanne

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          2. Liebe Susanne, vielen Dank! Das ist eine Beschreibung von Lernen, die mir überaus gut gefällt! Jetzt, wo ich das lese, scheint sie mir alles zu enthalten, was mir auch wichtig scheint – und was öfter, wie mir scheint, übersehen wird: das Ausprobieren, und „Dranbleiben“ und überhaupt die Beschäftigung mit einem Thema. Dass es „mich so interessiert, dass ich mehr erfahren möchte“ – ja! Herzliche Grüße!

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  3. Wenn ich das Schreiben mit Kochen und Backen vergleiche, dann glaube ich, dass das Backen einen kleineren Wortschatz zur Verfügung hat. Also müsste eine Backmeisterin perfekt im Jonglieren mit den Worten sein, die ihr zur Verfügung stehen.
    Ich mag deinen Text- er regt zum Nachdenken an!

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  4. och ich hab da mal so bisschen rumprobiert auch mit dem backen, es wird nicht immer so dolle aber es wird…und ich glaube so bisschen hat man bestimmte Sachen auch im Gefühl mit der Zeit, es heißt halt einfach ausprobieren, machen und immer wieder machen, dieses und jenes Rezept und irgendwann stellt man sich dann eigenes Zusammen und manchmal kommt man auf das erste zurück und manchmal macht macht das für immer anders oder richtet sich nach der Konsistens. 😀 Manchmal wirds auch zu trocken und bisschen verbrannt, damit muß man dann rechnen.

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  5. Klar gibt es Fingerübungen. Übung kommt von „üben“, und auf die Notwendigkeit von Schreibpraxis machst du selbst immer wieder aufmerksam. Für falsch halte ich dabei aber die Vorstellung von „man nehme“ (und nur das, nichts anderes) genauso wie die Vorstellung, dass das ja dann noch „nichts Richtiges“ wäre. In meinen Augen großer Blödsinn. Wichtig finde ich, es so gut zu machen, wie es eben geht, es so ernst zu nehmen, wie man kann. DAS ÜBT. Was man nicht hineinsteckt, kommt auch nicht raus 😀
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Was ich vielleicht nicht deutlich genug gemacht habe: Fingerübungen sind ja eine sehr spezielle Form des Übens und eine meiner Fragen ist: Gibt es etwas Vergleichbares beim Schreiben? Ich glaube es eher nicht. Und ich vermute, dass es daran liegt, dass wir einerseits einen Teil der „Fingerübungen“ auf eine sehr konkrete Weise bereits absolviert haben, als wir den kognitiv-physischen Vorgang des Schreibens gelernt haben und dass es eben nicht die Dimension der körperlichen Bewegung gibt – jedenfalls nicht auf eine Weise, die mit der Ausübung eines Sportes oder dem Spielen eines Musikinstrumentes vergleichbar wäre …

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  6. Ich denke : es gibt immer Fingerübungen / bei allem was auf längerfristige Passion hindeutet / das Auge der Muskel die Sinne das Gefühl die Bewegung und Abläufe brauchen Geschmeidigkeit / nichts und schon gar nicht gutes fällt einfach so vom Himmel / ungeachtet ob das Rezept genau oder frei interpretierbar ist / kein Tänzer schafft den Zauber der Leichtigkeit ohne Dehnung der Muskeln / kein Maler malt ein wichtiges Werk wenn er nicht unwichtiges malt / die Schärfung der Sinne beruht auf Übung / so oder so.
    So denke ich kommt Kunst eher von machen als von etwas anderem.

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    1. Mein Nachdenken über „Fingerübungen“ hat – na klar – auch einen autobiografischen Hintergrund: Ich habe festgestellt, dass ich „eigentlich“ eine Freundin der Fingerübungen bin: wenn ich mich schon einmal ans E-Piano setze oder wenn ich einen einen Pinsel in die Hand nehme, wenn es um das Einüben einer (Theater)-Rolle geht. Nicht nur aus einer Art Einsicht, sondern aus einer mich selbst überraschenden Freude an der Wiederholung, der „Einübung“. Aber es gibt nicht eine „Fingerübung“ beim Schreiben, die ich jemals (gerne) gemacht hätte. Und aus meiner Unlust, Beobachtungen zu notieren (klassische Schreib-Fingerübung) habe ich lange geschlossen, dass es mit mir und dem Schreiben niemals etwas werden könnte …

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  7. Ist Schreiben wie Backen, wie Kochen, wie Fußballtraining ohne Ball?

    Manchmal gibt es Fragen, da finde ich für mich keine Antwort. Es geht mir wie dem Komposthaufen. Alles drauf und warten.
    Irgend etwas Neues wird daraus entstehen. So ist die Hoffnung, der Glaube.
    Wie ich auch jedes Mal daran glaube, das mein Backwerk, etwas Besonderes wird. Aber puste Kuchen….Obwohl ich alles nach Rezept gemacht habe.
    Manchmal fehlt es am Gespür, Gefühl, Hingabe, Aufmerksamkeit. Oder, ach, ich weiß nicht an was. Ich denke mal, ich muss Eins mit einer Sache werden. Es muss Meins werden.
    Einen Fußball und damit spielen, das hätte ich gern. Aber ein Training ohne Ball, wo es doch um den Ball geht und die Geschicklichkeit dessen. Stelle ich mir nicht so Gewinn bringend vor. Möglich wäre es schon mal ohne Ball zu trainieren, nur um den Körper auf zu wärmen.
    Sonst wäre es wie Schreiben ohne Worte.
    Kochen, ist Nahrungsmittel genießbar, verzehrbar zu machen. Da wir ständig und fast unablässig damit beschäftigt sind, merken wir nicht mehr, dass da ein Lernprozess voran gegangen ist.
    Vielleicht gibt es andere Antworten. Sicherlich

    LG. Monika

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    1. Liebe Monika, auf die Fragen, die mich interessieren und die ich daher auch in diesem Blog notiere, weiß ich auch keine Antworten. Was ja irgendwie ihren Reiz ausmacht. Oder uns jedenfalls einen freundlichen Austausch erlaubt. In diesem Sinne sitzen wir in einem Boot 😉 Herzliche Grüße!

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  8. Beim Backen ist man mehr von den äußeren Umständen abhängig.
    Kochen gelingt fast immer.
    Beim Backen fängt es schon mal mit der Wahl des Herdes an.
    Gas oder Strom?
    Und wie hoch sollte die Temperatur sein?
    Als Pendlerin zwischen zwei Städten (Berlin – München) bin ich immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich mein Lieblingskäsekuchen in der jeweiligen Stadt wird (nämlich Gas oder Strom?).
    Ist er richtig durch? Oder klitschig? Fällt er zusammen? Oder ist er zu trocken?
    Kochen finde ich einfacher, entspannender und mit mehr Möglichkeiten des Improvisieren.

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  9. der geschichtengenerator,ist fast genial,wenn nicht das problem mit ,den Bildern wäre.für die lesbarkeit ,der wunderbaren schreibanregungskärchen,ist das Spiel optisch ansprechend gestaltet aber dadurch nicht barrierfrei.da ich eine begeisterte versuchsdochin-absehbarer-zeit schreiberin,bin,bin ich froh,wenn es anders machbar wäre.herzlichen gruß viktoria

    Von meinem iPhone gesendet

    >

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    1. Liebe Viktoria, freut mich, dass dich der Generator anspricht, wollte ich gerade schreiben, als mir klar wurde, dass er das ja eben nicht tut – was wirklich blöd ist! Ich habe jetzt bei dem heutigen Blog in den Text geschrieben, was auf den Karten steht. Das reicht wahrscheinlich schon aus, oder? Dann müsste ich das nur auf der Generator-Seite nachtragen? Oder gibt es eine bessere Lösung, auf die ich gerade nicht komme?

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  10. Liebe Jutta,
    handelnd, ohne auch nur im Entferntesten alles dafür Notwendige zu wissen, schreibe ich jetzt den ersten Blog-Kommentar in meinem Leben. Und bitte ihn daher als Übung zu verstehen…
    Vor die Notwendigkeit gestellt, Schreiben mit Kochen oder mit Backen zu vergleichen, würde ich doch sehr hoffen, dass es mit beidem vergleichbar ist. Je nachdem. Wer wie ich nicht kochen kann und auch nicht kochen mag (was vermutlich irgendwie zusammenhängt), dem wird auch das Improvisieren selten gelingen. Beim Backen mag das Improvisieren theoretisch schwieriger sein, praktisch gelingt es zumindest mir aber deutlich besser als beim Kochen, vermutlich, weil ich darin mehr Übung habe.
    Aber Üben auf jeden Fall immer mit Ball! Das Bedürfnis nach Trockenübungen müsste sich dann im Bedarfsfall eigentlich von selber einstellen, und dann macht es auch Spaß (oder man ist zumindest motiviert, weil man einen Sinn sieht) – und nur dann bringt es auch etwas. Und vermutlich merkt man noch nicht einmal, dass das gerade Fingerübungen sind, wie beim Laufen-, Sprechen-, Lesenlernen. Schön wäre das zumindest.
    In der Hoffnung, dass diese Notiz nicht zu lang geraten ist – liebe Grüße!
    Bettina

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    1. Liebe Bettina, ich freue mich wirklich sehr, dass dieser Blog den ersten Kommentar deines Lebens beherbergt! Ich hatte auch beim Verfassen des Beitrags schon an dich gedacht und an die „Schulen“ beim Instrumentalunterricht, die „Trockenübungen“ und an welchen Punkten genau sie unvermeidlich sind. Jetzt gefällt mir sehr der Hinweis, dass wir sie manchmal vielleicht auch gar nicht bemerken … Ehrlich gesagt, würde ich da gerne mehr drüber wissen. Anders gesagt: auf keinen Fall zu lang! Sehr herzliche Grüße!

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  11. Backen oder schreiben schreiben oder backen / da bin ich radikal / schreiben.
    Ich muss weder vorher einkaufen noch abwiegen noch Mehlpuderwolken entfernen / mein Backofen die Zutaten und alles andere habe ich alles in meinem Füller / bzw. Er ist der Katalysator für das Backen mit Worten / manchmal wünschte ich zwar den Duft von einem Hefezopf beim schreiben / doch einerseits kann man nicht alles haben und anderseits / das fällt mir ein / kann der Konditor meiner Wahl auch nicht schreiben / und ich womöglich auch nicht bscken / so fügt sich beides und ich bleibe beim Füller. Abseits von allen Rezepten.

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