Das Schreiben der Anderen: Meine neuen Kurse und Werkstätten sind online

Es wäre ja albern, wenn ich auf neue Kurse und Werkstätten nur deswegen auf meinem eigenen Blog nicht hinweisen würde, weil ich „eigentlich“ gerade eine Pause mit dem Bloggen mache, dachte ich mir. Also weise ich daraufhin, dass ich – darauf freue ich mich besonders – am 09. Juli für Kinder und Jugendliche in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack im Rahmen des Sommerferienprogramms einen Workshop zu Fanfiction anbiete. Näheres dazu und zu den anderen Angeboten also auf der aktualisierten Seite „Werkstätten und Kurse„.

Und dann beglückwünschen mich in letzter Zeit öfter mal Menschen zu der Konsequenz, mit der ich mich auf „mein Schreiben konzentriere“. Oder sagen in raunendem Ton, dass ich da ja offenbar an einer größeren Sache dran wäre. Bin ich eben nicht! Im Gegenteil: der Blog wird erst wieder Fahrt aufnehmen, sobald ich endlich auch Zeit für meinen neuen Roman habe. Und weil meine bisherigen Andeutungen zu Spülbergen oder „Projekten“, die erst „abgearbeitet“ werden müssen, offenbar reichlich nebulös waren, werde ich in Zukunft hier KÜRZESTE Mitteilungen darüber machen, was ich alles so mache, wenn ich nicht gerade blogge … Ich gebe zu: Ich freue mich darauf ,-)

Diesmal mit Sommerakademie – meine neuen Kursangebote für 2016 sind online!

fr_breitIch freue mich sehr meine Kursangebote für das erste Halbjahr 2016 vorstellen zu können! Neu dabei ist ein fünftägiger Kurs auf der Freudenburg in Bassum (nahe Bremen), bei dem man übernachten kann, aber nicht muss – so dass er auch für „Auswärtige“ interessant sein könnte. Hier geht es zu meiner Seite mit dem kompletten Kursangebot und hier geht es zum Angebot der Sommerakademie Bassum, die zum 24. Mal von der vhs diepholz veranstaltet wird.

Neben den hier aufgeführten Kursen, biete ich weitere, bereits ausgebuchte, an und entwickele ständig neue Formate, darunter auch Online-Angebote und Angebote der Unterstützung und Anregung von Schreibprozessen für Einzelne, sowie Workshops zu Themen wie Autorenmarketing, Kreativität und Storytelling. Ich freue mich auch über unverbindliche Angebote, Fragen oder Anregungen: juttareichelt@aol.com. Vielleicht kommen wir zusammen?!

Warum (nicht noch mehr) SchriftstellerInnen bloggen

IMG_0266Als ich vor zwei Jahren zu bloggen begann, wollte ich das eigentlich gar nicht. Ich war nur zu ungeschickt, mir eine normale Homepage zu basteln. Die ich dringend brauchte, weil Menschen, die sich für meine Texte, für mein Schreiben, für mich als Autorin interessieren, etwas Vernünftiges im Netz finden sollten – und da wäre ein Blog ja vielleicht keine schlechte Idee, dachte ich dann. Probier es doch mal aus!

Ich wusste auch sofort, was ich ausprobieren wollte: Immer wieder beschäftigten mich Fragen rund um das Schreiben, immer wieder entwickelte ich Gedanken, die ich dann wieder vergaß, weil ich sie nicht notiert hatte, weil der Anreiz dazu fehlte. Aber das würde mit einem Blog anders werden! Ich würde meine klugen Gedanken und innovativen Schreibanregungen notieren, ich würde sie nummerieren und wenn ich 100 davon zusammen hätte, wäre das in jedem Fall eine gute Basis für den „alternativen Schreibratgeber“, der mir damals bereits durch den Kopf spukte.

Es kam dann genau so und zugleich auch ganz anders. Die größte Überraschung war, dass sich zunächst niemand für meine klugen Gedanken und innovativen Schreibanregungen interessierte. Vielleicht  war das, was ich schrieb gar nicht interessant? Das war eine Möglichkeit. Die andere: Es wusste niemand von mir und meinem schönen Blog. Ich entschied mich, es vorläufig mit der zweiten Erklärung zu versuchen und begriff schnell, dass bloggen nicht so funktioniert, wie ich es naiv vermutet hatte: Inhalt (neudeutsch: Content) liefern und dann auf Leser:innen warten.

Ich tat also endlich, was ich heute jedem empfehlen würde, der sich mit dem Gedanken trägt, das Bloggen zu beginnen: Ich sah mich um, suchte nach Blogs, die mich ansprachen und versuchte zu verstehen, wie bloggen „funktioniert“ – was auch Internetrecherchen zum Thema mit einschloss.

Allmählich fanden sich Leser:innen, entstanden Kontakte, entdeckte ich andere Blogs und war überrascht, wie vielfältig ich „meinen Blog“ nutzen kann: zum „Geschichten (an)stiften„, um kleinere (literarische) Texte zu veröffentlichen, um aus der eigenen Schreibwerkstatt  zu berichten, um einschlägige Bücher zu besprechen und eben auch immer wieder, um mich mit anderen auszutauschen – über Texte und wie wir sie lesen, über die Schwierigkeiten in die wir beim Schreiben geraten und wie wir uns daraus befreien können. Fehlt da nicht noch etwas? Natürlich, dieser Blog dient auch dazu, die Neugier „potentieller Leser:innen“ zu wecken, sie auf die „Wiederholten Verdächtigungen„, meine Erzählungen, auf Kurse und Werkstätten und manch anderes hinzuweisen.

Das alles hätte erwarten können, wer sich ein bisschen mit der Bloggerei auskennt – das alles hört sich so allgemein formuliert, nicht besonders spannend an. Deswegen hier ein paar konkrete Beispiele für das, was mich wirklich begeistert:

Nicht nur dieser Beitrag verdankt sich einer Anregung von Birgit, die auf Sätze und Schätze die Frage gestellt hat, warum nicht (noch mehr) SchriftstellerInnen bloggen und die dankenswerter Weise diverse Seiten jetzt zusammen getragen hat. Immer wieder entstehen für mich Ideen für Beiträge aus der Lektüre anderer Blogs, aus dem Austausch mit anderen: als Beispiel mein Beitrag für die wunderbare Reihe „Verschämte Lektüren“ ebenfalls auf Sätze und Schätze.

Kai und seinem Blog „skyaboveoldblueplace“ verdanke ich wichtige Anregungen rund um mein „Lieblingsthema“: „Meine Geschichte schreibe ich selbst“, die hier wie dort immer wieder neue Kreise ziehen – das ist mir eine große Freude!

Für die Möglichkeit, Gedanken im Dialog zu erproben, weiterzuentwickeln und zu klären, möchte ich gerne auf den Austausch hinweisen, der sich im Anschluss an meinen Beitrag „Wovon wir reden, wenn wir von Büchern reden …“ entwickelt hat.

Und schließlich durfte ich dieses wunderbare Foto von Maren Wulfs Blog Orte und Menschen für eine Schreibanregung verwenden.

Das alles ist weit mehr, als ich erwartet hatte. Warum also nutzen nicht (noch mehr) AutorInnen diese Möglichkeit? Ich glaube die wichtigsten drei Gründe sind: mangelnde Zeit, mangelnde Zeit, mangelnde Zeit! Vor kurzem habe ich von einer französischen Studie gelesen, nach der nur 10 % aller AutorInnen zumindest 50 % ihrer Einnahmen aus ihrer Autorentätigkeit beziehen. 10 %! 50 %! Das größte Problem aller mir bekannten Autor:innen liegt in der Herausforderung, sich (genügend) freie Zeit zum Schreiben zu erobern. Und das Bloggen (gerade weil es sich nicht, wie von mir geschildert auf das Schreiben beschränkt) kostet mehr als nur ein bisschen Zeit.  Und vielleicht gibt es noch einen weiteren Grund: zumindest die „literarisch ambitionierten“ AutorInnen sind es gewohnt, ihre Worte zu wägen. Wenn ich blogge, erlaube ich mir andere „Fehlertoleranzen“, nehme ich die ein oder andere übersehene „Stilblüte“ in Kauf, schreibe ich „vorläufiger“ und dadurch auch „angreifbarer“. Ich kann verstehen, wenn das KollegInnen missfällt. Und am Ende geht es ja doch eben auch immer um die Frage, ob es Freude macht. Ob man sich dafür begeistern kann.

Noch mehr als sonst, freue ich mich über Rückmeldungen, Vorschläge oder Wünsche, was ich in Zukunft mehr oder neu berücksichtigen könnte, was euch brennend interessieren würde oder was ihr immer schon mal fragen wolltet 😉

(2) Meine Geschichte(n) schreibe ich selbst

Seit längerem versuche ich (zumindest etwas) Klarheit darüber zu gewinnen, welche Fäden es sind, die mein literarisches Schreiben mit den verwandten Tätigkeiten verbinden: dem Unterstützen der Schreibprozesse anderer in Werkstätten und Kursen und dem Bloggen. Nun ja, was wird schon der rote Faden sein? Das Schreiben, oder?

Das habe ich selbst die meiste Zeit gedacht. Und dann war ich wieder überzeugt: Es gibt Verknüpfungen, die ich übersehe. Eine meiner Lieblingsüberzeugungen ist: Erst wenn es konkret wird, wird es interessant. Auch deswegen habe ich mich auf die Suche gemacht, von der ich nun in mehreren, kleinen Etappen berichten möchte.

Für mich ist die einfachste Möglichkeit, um Klarheit über eine Frage zu gewinnen, einen Stift in die Hand zu nehmen. Befinde ich mich noch sehr am Anfang meiner Überlegungen, dann sammle ich vor allem Sätze, die mir durch den Kopf gehen. Und wenn der Platz in meinem Kopf knapp zu werden beginnt, unternehme ich den tollkühnen Versuch, alles, was wichtig ist, auf einem Blatt Papier unterzubringen. Nicht auf einer Tapetenrolle, sondern auf einem ganz normalen DIN A4 Blatt.

Die entscheidende Frage ist: Was kommt in die Mitte? Andere mögen das durch Nachdenken herausfinden können, ich muss es ausprobieren. Also schreibe ich etwas in die Mitte, was mir zentral zu sein scheint und versuche, alles andere um dieses Zentrum herum zu arrangieren. Ich habe es mit „Schreiben“ versucht, mit „Ich“ und mit „Geschichten“ und ich habe mit jedem dieser Begriffe mehrere Versuche unternommen, aber zu viel blieb unverbunden in der Mitte stehen oder es „ballte“ sich an der Peripherie und wurde unleserlich – vor lauter Verbindungslinien, die kreuz und quer liefen.

Und dann setze ich in die Mitte, was am Rand für Turbulenzen gesorgt hatte und, fast wie bei einer Patience, schien es auf einmal aufzugehen: Meine Geschichte schreibe ich selbst … Das hat mich selbst überrascht. Und was hat das zu bedeuten? Ich sammle weiter Sätze und werde davon berichten …

Nachtrag (20.07.2015):

Die Kommentar-Nachfrage von Monika, ob es denn immer die Mitte sein müsse, ob sich da nicht alles drängele, hat mich bewogen, eine (halbwegs) leserliche Version des im Beitrag beschriebenen Versuches, „alles auf einer Seite unterzubringen“ hier zu dokumentieren. Vielleicht wird dadurch nachvollziehbarer, dass das Ziel der ganzen Übung darin besteht, dass sich nicht alles an einer Stelle (wo auch immer) drängelt, sondern alles, was wichtig ist, seinen Raum findet …

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Werkstätten und Kurse – worauf es mir ankommt

Endlich habe ich die Übersicht über meine Kurse und Werkstätten hier auf dem Blog aktualisiert – und dabei auch, wie fast immer, an der Formulierung meiner „Grundüberzeugungen“ Kleinigkeiten verändert. Die aktuelle Version lautet nun:

„Vor einigen Jahren erhielt ich einen Lehrauftrag der Universität Bremen für „Literarisches Schreiben“ und stellte überrascht fest, dass es mir Freude bereitete, andere Menschen in ihren Schreibprozessen zu unterstützen – und dass es mir offenbar gelang. Es hat dann allerdings, wie beim Schreiben selbst, eine Weile gedauert, bis ich zu meinem „Stil“, meinem „Ton“ gefunden hatte.

Wer in diesem Blog bereits ein wenig gelesen hat, wird eine Vorstellung davon haben, was mir wichtig ist: Ich bin davon überzeugt, dass die erste große Herausforderung darin besteht, in eine (überwiegend) mühelose Schreibpraxis hineinzufinden. Dafür ist es wichtig, dass wir uns den Texten/Geschichten nähern, die „darauf warten, von genau uns erzählt zu werden“. Wir sammeln also zunächst „Material“, bei dem es auf „gut oder schlecht“, „gelungen oder misslungen“ kaum ankommt, sondern darauf, ob dieses Material uns Hinweise, Fingerzeige liefert, in welcher Region unsere Texte angesiedelt sein könnten.

Ich freue mich, wenn Teilnehmer:innen Ideen oder Entwürfe in eine Werkstatt „mitbringen“ – eine Arbeit am individuellen Projekt ist nicht nur immer möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Wer Fragen dazu oder zu einem anderen Aspekt hat, kann sich gerne an mich wenden: juttareichelt@aol.com“

Ich freue mich über Fragen oder Rückmeldungen auch hier 😉