(2) Meine Geschichte(n) schreibe ich selbst

Seit längerem versuche ich (zumindest etwas) Klarheit darüber zu gewinnen, welche Fäden es sind, die mein literarisches Schreiben mit den verwandten Tätigkeiten verbinden: dem Unterstützen der Schreibprozesse anderer in Werkstätten und Kursen und dem Bloggen. Nun ja, was wird schon der rote Faden sein? Das Schreiben, oder?

Das habe ich selbst die meiste Zeit gedacht. Und dann war ich wieder überzeugt: Es gibt Verknüpfungen, die ich übersehe. Eine meiner Lieblingsüberzeugungen ist: Erst wenn es konkret wird, wird es interessant. Auch deswegen habe ich mich auf die Suche gemacht, von der ich nun in mehreren, kleinen Etappen berichten möchte.

Für mich ist die einfachste Möglichkeit, um Klarheit über eine Frage zu gewinnen, einen Stift in die Hand zu nehmen. Befinde ich mich noch sehr am Anfang meiner Überlegungen, dann sammle ich vor allem Sätze, die mir durch den Kopf gehen. Und wenn der Platz in meinem Kopf knapp zu werden beginnt, unternehme ich den tollkühnen Versuch, alles, was wichtig ist, auf einem Blatt Papier unterzubringen. Nicht auf einer Tapetenrolle, sondern auf einem ganz normalen DIN A4 Blatt.

Die entscheidende Frage ist: Was kommt in die Mitte? Andere mögen das durch Nachdenken herausfinden können, ich muss es ausprobieren. Also schreibe ich etwas in die Mitte, was mir zentral zu sein scheint und versuche, alles andere um dieses Zentrum herum zu arrangieren. Ich habe es mit „Schreiben“ versucht, mit „Ich“ und mit „Geschichten“ und ich habe mit jedem dieser Begriffe mehrere Versuche unternommen, aber zu viel blieb unverbunden in der Mitte stehen oder es „ballte“ sich an der Peripherie und wurde unleserlich – vor lauter Verbindungslinien, die kreuz und quer liefen.

Und dann setze ich in die Mitte, was am Rand für Turbulenzen gesorgt hatte und, fast wie bei einer Patience, schien es auf einmal aufzugehen: Meine Geschichte schreibe ich selbst … Das hat mich selbst überrascht. Und was hat das zu bedeuten? Ich sammle weiter Sätze und werde davon berichten …

Nachtrag (20.07.2015):

Die Kommentar-Nachfrage von Monika, ob es denn immer die Mitte sein müsse, ob sich da nicht alles drängele, hat mich bewogen, eine (halbwegs) leserliche Version des im Beitrag beschriebenen Versuches, „alles auf einer Seite unterzubringen“ hier zu dokumentieren. Vielleicht wird dadurch nachvollziehbarer, dass das Ziel der ganzen Übung darin besteht, dass sich nicht alles an einer Stelle (wo auch immer) drängelt, sondern alles, was wichtig ist, seinen Raum findet …

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10 Comments

  1. Bin sehr gespannt wie es weiter geht… Und der Titel „Meine Geschichte(n) schreibe ich selbst“, der geht mir so gar nicht mehr aus dem Kopf, trabt bergauf, bergab mit mir…
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia, vielen Dank für deinen Kommentar! Mir gefällt die Vorstellung, dass dieser Satz durch die Berge wandert und sich da mal so richtig in alle Bedeutungsrichtungen austoben kann … Ich grüße dich herzlich!

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  2. Muss es denn die Mitte sein? Soll es heißen, „Alles“ hat eine Mitte. Wenn alles zur Mitte führt, welch ein Gedränge.
    Kann es nicht nur ein Anfang sein mit einer Endlosigkeit.
    Geschichte schreiben, Geschichten erfinden, Geschichten erzählen, Geschichten hören.
    Für mich ist Geschichte, erlebte, gelebte Vergangenheit.
    Alles dreht sich um die Mitte, dreht sich die Mitte um sich selbst, wird die Bahn (Lauf) verändert. Was passiert dann?

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    1. Liebe Monika, es muss nicht immer alles in die Mitte! Aber es hilft auch nicht automatisch weiter, das Zentrum unbesetzt zu lassen – ich habe einen kleinen Nachtrag geschrieben, vielleicht trägt der zur Klärung bei (aber es muss ja auch nicht immer alles geklärt werden 😉 Herzliche Grüße!

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  3. Liebe Jutta,

    für mich macht der Satz von mal zu mal mehr Sinn, und ich setze ihn auch immer wieder in Zusammenhang mit meiner anderen Lektüre (Du weisst schon). Ich bin also sehr gespant, wie es hier weitergeht.

    Was die Mitte betrifft: Da ist Dein Bild mit all den Einflüssen und dem Satz im Zentrum für mich sehr schlüssig – wenn ich davon ausgehen darf, das sich darum herum das Bild wie ein Puzzle nach und nach vervollständigt. Allerdings muss man dann auch erst einmal draufkommen, was die Mitte sein könnte.

    Und in Bezug auf den Einwand von Monika: es stellt sich hier ja die Frage, wie man diese Mitte definiert. Ich sehe da gar nicht, dass Ihr da weit auseinander liegt. Ob das nun ein Weg ist oder die permanente Ausweitung eines Bildes, in dem sich u.U. die Mitte ja auch mal verschieben kann…

    So, fertig simmeliert!

    Liebe Grüsse
    Kai

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    1. Lieber Kai, es ist nicht so, dass ich noch nie über diesen Satz nachgedacht hätte oder darüber, warum er mich so anspricht. Aber ich habe es immer mehr unter dem Aspekt getan, dass er mir ein gelungener Titel für Schreibwerkstätten zu sein schien, die das „Autobiographische“ in den Blick nehmen. Und nun klopfe ich ihn zum ersten Mal auch mehr für mich und mein Schreiben ab – und bin verwundert, wie viele (unterschiedliche) Lesarten er auch da ermöglicht und wieviel Querverbindungen zu existieren scheinen … Liebe Grüße!

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    1. Liebe Susanne, ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass es bei dir ähnlich ist. Dass die (inneren) Zusammenhänge gar nicht immer so offensichtlich sind, die zwischen den unterschiedlichen Aktivitäten und Projekten bestehen. Schon bei den Texten ist es bei mir so, dass ich manches erst durch Rückmeldungen von aussen begreife. Kennst du das auch von deinen bildnerischen Prozessen? Herzliche Grüße!

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      1. Ja, das kenne ich auch, liebe Jutta. Es ist gut, die eigene Arbeit mit einem Blick von außen zu sehen. Oft sehen die Betrachter andere Dinge als ich, die ich dann auch schlüssig finde. Schaue ich mir eine ältere Zeichnung hat, fühle ich oft die Stimmung, die ich hatte, als ich es zeichnete. Auch dann sehe ich manchmal andere Zusammenhänge. Einen schönen Abend dir von Susanne

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