„Und das war in der Eisdiele?“ Eine Schreibanregung

Ähnlich dem Supermarkt, scheint mir auch die Eisdiele als literarischer Ort vollkommen unterschätzt zu sein. Außer einer sehr schönen Passage in Wilhelm Genazinos „Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz“, in der der Ich-Erzähler das „Rialto, das zweitgrößte italienische Café“ betritt, um dann seine Freundin Gesa anzurufen, damit sie „Italien hören“ kann, fällt mir auf Anhieb keine Erwähnung ein.

Das ist umso erstaunlicher, weil sich ja das Café in seiner unbestimmteren Variante wiederum großer Beliebtheit erfreut, was vor allem daran liegt, dass man dort (dem Zugabteil ähnlich) ganz unterschiedliche Menschen sich begegnen lassen kann. Um das Potential eines Ortes schreibend entfalten zu können, kann es hilfreich sein, sich nach Überraschendem umzusehen (was meistens eine gute Idee ist) oder nach Kontrasten. Die große Beliebtheit von Beerdigungsinstituten beispielsweise (kaum eine Romanwerkstatt, in der nicht mindestens ein Text dort angesiedelt ist), lässt sich damit erklären, wie unterschiedlich Menschen mit „dem Tod“ umgehen, je nachdem, ob es ihr Job ist oder ob es sich um eine geliebte Person handelt usw.

Die Überlegung Orte gewissermaßen „gegen den Strich“ zu besetzen, führte zu der aktuellen Schreibanregung: Was könnte sich in einer Eisdiele ereignen, das uns erstaunt nachfragen lässt: „Und das war in der Eisdiele?“ Wer könnte sich dort begegnen, welche Geschichte könnte dort ihren Anfang genommen haben?

Wer Lust hat mitzumachen, schreibt auf, was ihm oder ihr in den Sinn kommt: in das Kommentarfenster oder auf den eigenen Blog, ins Tagebuch oder mir per E-Mail (und ich stelle es hier ein). Ich freue mich auf Eure Ideen und auch auf weitere Eisdielen-Fundstellen!

37 Comments

  1. Liebe Jutta,
    es stimmt ja, die Eisdiele (die übrigens auch in Italien – zumindest im Grenzbereich zur deutschen Sprache – sich tatsächlich auch Eisdiele nennt) ist in der Literatur völlig un-repräsentiert. Ich gehe mun schon einige Zeit gedanklich mein Bücherregal entlang: Keine Eisdiele, nirgends. Vielleicht hat eine Eisdiele einen unernsten Charakter; dort hängen keine Zeitungen aus, oft sind viele (kleine) Kinder dort, keiner sitzt dort um zu schreiben oder die große Politik oder Philosophie zu diskutieren. Es ist eher ein Ort der Freude und des Genusses. Wer würde schon nach einer Beerdigung in eine Eisdiele gehen? In ein Café schon eher. – Da hast Du ja mal wieder ein Assoziationsfeuerwerk in Gang gesetzt! Ich bin gespannt auf die Eisdielen-Geschichten.
    Viele zartschmelzende Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia, ich hätte mich jetzt kein bisschen gewundert, wenn du die ein oder andere „große“ Eisdielen-Szene anzubieten gehabt hättest 😉 Nun sind wir auf den Einfallsreichtum der Schreibfreudigen unter den Bloggerinnen angewiesen – aber ich bin da ganz zuversichtlich … Viele Grüße!

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  2. Liebe Jutta,
    vor einigen Tagen erzählte ich einer Bekannten von meinen Beobachtungen bei der Eisdiele – und sie meinte, ich solle daraus mal einen Blogbeitrag machen. Da ich aber nichts eigenes schreiben kann, überlasse ich das Rohmaterial dir. Ich steuere die Eisdiele gerne an, um Menschen zu beobachten. Ich sitze draußen, wahlweise mit Eiskaffee oder Erdbeereisbecher und sehe sie Richtung Eisdiele strömen. Die meisten kommen bereits in einem Zustand der Auflösung an, oft hektisch, abgespannt, verschwitzt in diesen Tagen, fast schon hechelnd. Und es ist, als bringe schon das Schild „Gelateria“ einen Hauch von Erlösung. Während des Schlangestehens (derzeit muss man Wartezeiten beim Eis einkalkulieren) herrscht noch Nervosität, Gereiztheit zuweilen, Hektik. Aber kaum haben sie das Begehrte in der Hand – sei es eine Waffel, sei es im Becher – fällt alles Schwere ab. Eis verwandelt die meisten Menschen zu friedlichen Genießern – auch dadurch bedingt, dass man es zunächst nicht schnell löffeln kann, dass man sich an die Kälte gewöhnen muss. Aber mir scheint, dass auch die Substanz – dieses Schmelzige auf der Zunge – dazu beiträgt, die Menschen zu befrieden. Es macht mir Freude zuzusehen, wie selbst ältere Männer plötzlich ganz kindlich versuchen, mit ihrem Eisschaber auch den allerletzten Rest aus dem Becher zu kratzen. Wie andere ein wenig wehmütig seufzen, wenn das letzte Eis gegessen ist – und fragend nach der Karte schielen, insgeheim vielleicht mit dem Gedanken ringen, dass noch ein weiteres Eis nicht schädlich wäre…Junge Mädchen, die am Tisch nebenan schnattern und quaken, werden plötzlich andächtig still, sobald die Eisbecher auf dem Tisch stehen. Und einen Platz weiter löffelt ein Pärchen friedlich gemeinsam den Liebesbecher und kommt sich einmal nicht in die Quere. Ein Hoch auf die Eisdiele, auf die Eiszeit – sie macht die Menschen gelassener!

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    1. Liebe Birgit, was für ein schöner Text – ich danke dir sehr dafür, schließe mich deinem Hoch auf die Eisdiele mit großer Entschiedenheit an und frage nur noch der Form halber: Und wofür genau brauchst du da jetzt noch mich? Wo siehst du unbehauenes Rohmaterial? Herzliche Grüße!

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    2. Toll geschrieben, liebe Birgit. Ich sitze gleich neben Dir – allerdings mit einem Spaghetti-Eis – und schaue mit Dir auf die Ankommenden, die Schlagestehenden – und die nur noch Genießenden! Hmmmm…

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        1. Also liebe Birgit, ich finde das geht zu weit! Lass uns doch in den von dir geschaffenen Eisdielen löffeln, was wir wollen. Und warum eigentlich NICHT Spaghetti-Eis … Da lese ich in einem neuen Kommentar das Wort „Pizzeria“ – das muss ich jetzt erst mal verarbeiten …

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    3. Ich finde den Text auch sehr schön…er ZWINGT einen förmlich, mal wieder in eine Eisdiele zu gehen…wann war man da das letzte Mal? Man geht da viel zu selten hin, seit es überall Eis zum mitnehmen für die heimischen Kühlfächer gibt. Als Kind war man andauernd in der Eisdiele, das ging gar nicht ohne im Sommer.

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  3. Und das war in der Eisdiele?

    Ungläubigkeit, nahezu Entsetzen und Furcht spiegelte sich in den Gesichter der anwesenden Gäste.
    Mit geistesgegenwärtiger Bewegung wichen sie zurück. Dabei fielen einige Stühle um. Die noch sitzenden Gäste sprangen ebenfalls erschreckt auf. Eisbecher polterten zu Boden. Kinder schrien. Verschreckte Mütter griffen nach ihnen und zogen sie Schutz gebend, an ihre Körper. Den Atem anhaltend, mit verstummendem Lauten, blickend zur Mitte, in Richtung Eingangsbereich…..
    Offen, die Glastür, stand offen. Natürlich -, wie denn sonst.
    Eine von diesen einladenden Vorhaben, die heute Morgen Albertina getroffen hatte, als sie und Lorenzo, ihrem Ehemann, die hintere Tür zur Eisdiele aufschloss.
    Es wird ein guter, in bare Münze klingender Tag, dachte Albertina, und platzierte ihre Tasche auf den Tresen.
    Den Kaffee, den sie für die Espressomaschine mitgebracht hatte, stellte sie in das untere Schrankfach. Ein Blick genügte, und sie erfasste sofort den Bestand der kleinen beschrifteten Zuckertüten, mit ihrem Namenszug und Telefonnummer. Sowie den, der schokoladene Kekse, die als Beigaben, den Espresso, geschmacklich vertiefen sollten.
    Lorenzo schaltete derweil die Eismaschine an. Sie surrte, ein Zeichen dafür, dass sie zu kühlen begann. Eine Stunde dauerte es bis, sie die richtige Temperatur hatte.
    Ein fachmännischer Blick auf die Skala der Thermostat – Anzeige, für das Speiseeis im Verkaufs –Tresen, lies ihn entspannt, in den kleinen Nebenraum gehen. Dort zog er sich um. Alles, was er zum Gelateeis herzustellen brauchte, hatte er an Zutaten hier.
    Frisches Obst, kauften sie schon früh morgens, vom Großmarkt. Das lag auf dem Weg. Waffeln, Hörnchen und die Plastiklöffel, standen parat. Nichts wurde dem Zufall überlassen.
    Leise spielte Musik. Albertina hatte das Radio, einen Weltenempfänger angestellt. Sie hörten das Neueste aus ihrer Heimat.
    In ihrer Sprache.
    Das brauchte sie. Ihre Luft zum atmen, wie sie es nannte.
    Ein Ritual, um sich einigermaßen wohl zu fühlen.
    Sie rückte die Tische und Stühle zurecht, wischte darüber. Ordnete die Karte. Kontrollierte die Glasscheibe, der Verkaufstheke und füllte den Servierten – Spender.
    Die Sonne erhellte den Raum. Es ist warm, sehr warm. Sie ging zur Glastür und schloss sie von innen auf.
    In ihren Gedanken vertieft, schob sie automatisch, die schmalen Segmente der gläsernen Tür, zu beiden Seiten und verankerte sie, am Boden. Die zusammen gefügte Glastürenteile, sparte an Raum und lies optisch eine vermeintliche Weite simulieren.
    Die Gäste hatten das Gefühl, unter freiem Himmel. In einer sonnengefluteten Landschaft, Sand, Meer und Palmen, zu sitzen.
    Dennoch, waren sie gegen plötzliche Widrigkeiten des Wetters, geschützt.
    Sie legt ihren Kopf zur Seite und sieht wie zufällig, hinüber zum Marktplatz.
    – Marcello -, wie der Stich eines Dolches, ging es ihr durch Mark und Bein. Er, in der Stadt. Ein leichtes – Rot – dunkelte ihre Wangen.
    Immer noch.
    Alles in Ordnung, kam die Frage von Lorenzo aus dem Nebenraum. Ja, ein leichtes Zittern war in ihrer Stimme. Das veranlasste Lorenzo kurz in den Türrahmen, zu treten.
    Auch er hatte die baulichen Veränderungen auf dem Marktplatz wahr genommen.
    Er tat so, als hätte er nichts bemerkt.
    Sie, Lorenzo und Albertina, die Eigentümer, waren vor ein paar Wochen, aus dem nördlichen Italien angereist. Mit viel Mühe, hatten sie, die kleine Eisdiele, renoviert.
    In hellen, freundlichen Farben und neuen, zeitgemäßen Gestühl. Drüben an der Wand, nahe dem Eingang, einen Platz für einen Rollstuhl, oder Rollator, eingerichtet.
    Für gehandicapte Gäste mühelos, zu erreichen. Etwaige Stühle, oder Tische, mussten nicht mehr verschoben, werden.
    Wochenlang hing ein großes Schild vor den Fenstern.
    „ Wir überraschen Sie „
    Zu dem erweiterten sie ihr vielfältiges Eiscreme Angebot, mit dem typischen, italienischen Kaffee Sortiment. Sie wollten der Konkurrenz, die Stirn bieten.
    Zwar hatten sie die Wintermonate bis in den frühen Frühling, wie all die Jahre zuvor, in ihrer Heimat, oben in den Dolomiten verbracht, in ihrem kleinen Haus, mit Blick auf das einzigartige Berg – Panorama.
    Endlich, glücklich Zuhause zu sein, nach der anstrengenden Arbeit und dem beengenden wohnen.
    Immer dachten sie ans sparen. Jeder Cent wurde zusammen gehalten. Traditionell lebten sie, nach wie vor – Großfamiliär. Das gab ihnen gestärkten Zusammenhalt.
    Der Tag verging. Jeder, der sie kannte, hatte einen Willkommen Gruß für sie. Es freute sie. Das machte die Portionen an Eis größer und zum Kaffee, kam ein zweiter Keks.
    Albertina, stand an der Espresso Maschine und der Kaffeeduft mischte sich mit dem, der zahlreichen Eisvarianten, als sie aus ihren Augenwinkeln, diese gewaltige Mähne, im gebrochenen Licht der nachmittäglichen Sonnenstrahlen erkannte.
    Von Sekunde an, war sie wie gelähmt, unfähig jedweder Bewegung. Nur ihre Augen folgten dem Geschehen.
    Vor dem Tresen hatte sich eine Menschen – Schlange gebildet, die sich hin und her schob. Abhängig von den verschiedenen Sorten in der Auslage und den Wünschen der Kunden.
    Nicht einmal sechs Schritte……
    Ein Schatten, geschmeidig bewegend – lautlos- Zeitlupen mäßig. Dem eigenen Empfinden, vorkommend wie, – Ewigkeiten -, dauernd. Verdunkelte halb die Öffnung, und den Weg nach draußen.
    Serena, ihre Tochter, sie hatte versprochen, bis zum Sommerende, mit zu helfen, war gerade damit beschäftigt, einen Eisbecher zu füllen. Plötzlich lagen zwei große, braune Pranken, auf dem Glastresen und ein für menschliche Nase, übler Geruch, traf den Schopf Serena`s.
    Sie blickt hoch, ihre Augen weiten sich und Erstaunen spiegelte in ihrem Gesicht.
    Ruhig, als wenn nichts, aber auch gar nichts geschieht, hielt sie in ihren Bewegungen inne. Nimmt den breiten Kunststoff – Spatel, der noch nicht weggeräumt, aber nicht störend, dalag. Zuvor hatte sie dieses Fach mit leckerer Creme, nachfüllen müssen.
    An dessen Ende des Spatels war ein Stiel, zur besseren Handhabung, um tief genug in die Eismaschine zu kommen. Langsam umwickelte die Masse den Spatel. So konnte problemlos das Eis hinüber transportiert werden. Kraft braucht man schon. Kein Thema, so manche Mistgabel hatte sie geschwungen, um der nonna (Oma) auf dem kleinen Hof zu Hand zu gehen. Tiere waren ihr vertraut.
    Ruhig mit nicht aufgeregter Stimme sagt sie: „Du willst Eis“, hier…. und strich dem Löwen die eiskalte Masse auf die Nase. „Stratiatella“ Der Löwe fühlte sich verwirrt und wich zurück. Leckt sein Maul.
    Wie aus dem Nichts, steht Marcello, groß, breitschultrig, im Eingang.
    Auf der Schultern ein kleines Kapuziner – Äffchen. Blicke, die Geschichten erzählen, tauschen sich aus. Albertina, senkt ihren Kopf.
    Marcello sieht Serena respektvoll an, tritt auf den Löwen zu, nimmt ihn am Halsband. Führt in nach draußen. Ein kleiner Mann, in einem bunten Kostüm und übergroßen Schuhen, legt einen Batzen Karten auf den Tresen. Ohne Worte

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    1. Liebe Monika,

      bitte meine bescheidene, kleine Kritik nicht falsch verstehen oder gar persönlich nehmen: die Geschichte mag wirklich nett sein, nur kann der Leser sie nicht wirklich lesen, er kann sie nur holpern. Der völlig unreflektierte Einsatz von Kommas an allen möglichen Stellen, für die kein Komma vorgesehen ist, läßt keinen Lesefluss zu. Vielleicht noch mal drüber lesen (lassen) und dabei gleich den Rest von Grammatik und Orthographie einrenken (lassen)? Als Leser habe ich immer so das Gefühl, nicht wirklich wichtig zu sein, wenn mir Jemand zwar seine Gedanken anvertrauen möchte, die äußere Form, in der er das tut, dabei aber egal scheint. Wörtliche Rede in Anführungszeichen-gut. Wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen-auch gut, geht als künstlerische Freiheit selbstverständlich durch. BEIDES in einem Text-geht gar nicht. Das Apostroph scheint eine Geisel der Menschheit, die Regeln sind aber an und für sich sehr simpel. Niemand weiß alles, aber es gibt immer Jemand, den man fragen kann. Vielleicht bei einer Kugel Stracciatella-Eis…und vielleicht liest sich die Geschichte danach besser. Ich wünsche es auf jeden Fall.

      Liebe Jutta Reichelt,
      die literarisch unterrepräsentierte Eisdiele finde ich ja auch spannend…mir war das bisher nicht aufgefallen, stimmt aber. Wo liest man was von einer Eisdiele und woran mag es liegen…vielleicht hat die Mehrzahl der Menschen zu intensiv mit der schnell dahin schmelzenden süßen Masse zu tun, um sich den kleinen Lebens-Geschichten, die sich optisch darbieten könnten und die man literarisch aufarbeiten könnte, zu widmen…vermute ich mal. Ich bin gespannt, was man hier noch zu lesen bekommt.

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      1. Liebe Devona, es freut mich sehr, dass auch andere Menschen (einmal darauf hingewiesen) verwundert sind über die seltene Erwähnung der Eisdiele in literarischen Texten. Aber vermutlich könnte man sich auch fragen, warum gibt es noch immer so erstaunlich viele Eisdielen in der Realität … Schöne Grüße!

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    2. Liebe Monika, da ist ja wirklich ordentlich was los in deiner Eisdiele – wer würde bei dieser Geschichte nicht nachfragen: Ein Löwe? In einer Eisdiele? Wobei ich mich jetzt, wo ich das gerade schreibe, frage, ob es nicht ein sehr altes Kinderbuch gibt mit einer ähnlichen Geschichte? Herzliche Grüße und vielleicht gehst du gelegentlich der (unglücklichen) Liebesgeschichte nach – das könnte doch ein Stoff für den Sommer sein, oder?

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  4. Liebe Jutta,
    1970 bin ich um Afrika gefahren (Äquatortaufe) mitgemacht. Das erste Land war Tansania. Wir, der Kapitän, der erste Offizier, der erster Ingenieur (mein Mann) und ich sind einer Einladung gefolgt. Irgendwo im Landesinneren war eine Farm. Die hatten Kühlhäuser. Wie viel weiß ich nicht und zwei kleine Löwen. Es war ein Spaß, oder Sensation ihnen Eis zugeben.
    Vor langer Zeit habe ich alles geschrieben, aber ich habe es weit weggeräumt, weil es mit dem Schreiben nichts zutun hat.
    Lieben Gruß

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    1. Liebe Monika, vermutlich hast du schon genug zu tun, aber gerade frage ich mich, ob du nicht gelegentlich Lust haben könntest, aus jedem Lebensjahrzehnt eine ganz konkrete Begebenheit aufzuschreiben? Ohne weitere Erläuterungen/Erklärungen? Herzliche Grüße!

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  5. Da saß an einem kleinen Tisch, einem Tischchen, das durch das Diminutiv nur kleiner, nicht niedlicher wurde und das schon deshalb eine Vertrautheit unter den Gästen, die sich dort niederließen, voraussetzte, ja sogar zu erzwingen schien, in kühler Atmosphäre und bei kalten Getränken und Gefrorenem, auf blitzendem Edelstahl serviert und ohne Serviette, denn das, was da untergeschoben wurde, war weder groß noch saugfähig: Ein Eisbär.
    Nanu, dachte ich. Ein Eisbär – an so einem kleinen Tisch?
    Es war Sommer, nicht nur kalendarisch, sondern auch meteorologisch, draußen, außerhalb der Eisdiele, eine heiße Sache. Ich nahm an, dass der Eisbär sich deshalb für diese Lokalität entschieden hatte. Weil er aber nicht der Einzige war, der heißer Luft mit kaltem Kaffee begegnen wollte, gab es keinen freien Platz mehr im Venezia.
    Bis auf den am Tisch des Eisbären. Da saß keiner und ich nahm an, dass es gute Gründe dafür geben müsse.
    Möglicherweise hatten Eisbären einen sehr eigenwilligen Geschmack und nahmen ihren Tiefkühlfisch mit etwas Sahne. Oder sie tunkten einem ihr Fischstäbchen in den Cappuccino. Wer beschwerte sich denn bei einem Eisbären? Schließlich hatten die es schwer genug mit dem Klimawandel, da wollte man doch nicht auch noch in ihre Tischmanieren kritisieren.
    Ich setzte mich also, stand aber sogleich wieder auf und fragte zunächst mal, ob denn besagter Platz noch frei sei. Der Eisbär antwortete etwas brummig, machte aber eine einladende, möglicherweise auch ausholende Bewegung. Ich versuchte, so wenig Platz wie irgend möglich zu beanspruchen, quasi gleichzeitig freundlich und unaufdringlich zu sein, nicht leicht, wenn das Gegenüber so hungrig aussah. Also machte ich ein wenig Konversation, während ich die Eiskarte zu studieren vorgab.
    „Was mögen Sie denn so?“
    „Robben.“ brummte der Eisbär.
    Das klang beruhigend, denn wenn auch noch die Eisbären auf vegane… aber er ließ mich nicht zu Ende denken.
    „Arjen Robben. FC Bayern München. Klasse Spieler, super Verein.“
    Da stand ich auf und ging. Das musste ich mir von einem Eisbären nicht anhören. Die haben nicht mal eine eigene Liga.

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  6. Kurz, prägnant, und ich hab Tränen gelacht. Danke. Klasse Auftakt fürs Wochenende. Und auf meine Festplatte hab ichs auch kopiert, da kann ich nicht nur einmal drüber lachen.

    Ganz nebenbei: die kulinarischen Anregungen sind auch nicht ohne. Fischstäbchen in Cappuccino hab ich ganz oben auf die „probieren“-Liste gepappt.

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      1. Natürlich nicht! Mein Mann würde ja auch Robben in den Cappuccino tunken, aber man kommt so unheimlich schwer an ihn ran. Von daher wird es wohl bei den Fischstäbchen bleiben müssen.Ich habe neulich eine Woche VEGAN (ohne Soja, weil ich das aus verschiedenen Gründen ablehne) durchgezogen ( man kann von nix reden, was man nicht selber….), am Ende der Woche hätte ich auch Fischstäbchen in Kakao genommen…

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  7. Man könnte natürlich auch noch zum Hai-Tea bitten. Vielen Dank übrigens für die freundliche Beurteilung. Schreibaufgaben finde ich immer wieder spannend und die Idee mit der Eisdiele war cool.
    Viele Grüße
    Manfred

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  8. Um die Ecke vom Hotel Venezia liegt meine Lieblingseisdiele in Bukarest. Ich weiß nicht, seit wie vielen Jahren ich jetzt hier Stammgast bin, aber den Fall der Berliner Mauer habe ich hier – damals noch auf dem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher oben rechts in der Ecke über der Eingangstür – gesehen. Die Millionen flüchtenden Deutschen haben mich zu Tränen gerührt. Und bis heute gehört das Wissen, dass auch ich meine Heimat verlassen habe, zu dem irritierendsten, das ich über mich selber weiß. Die brütende Sommerhitze hat mich auf meinem täglichen Weg von der Schule nach Hause hier einkehren lassen. Bukarest fasziniert mich noch wie am ersten Tag. Damals wie heute sprach man vom Jahrhundertsommer. Und auch damals strahlten die Häuser diese schier unerträgliche und gleichzeitig angenehm einlullende Hitze ab. Das Gemisch aus Plattenbauten und viktorianischen Altbauten zieht die Hitze an, speichert sie und wirft sie, je mehr der Tag sich neigt, mit immer größerer Wucht auf seine Einwohner zurück. Die Hitze trägt mich wie eine Welle und setzt mich in den kühlen, abgedunkelten Eisdiele ab. Dimitri grinst mich an. Livriert wie ein Oberkellner aus den besten Hotels der Welt deutet er eine Verbeugung an und wirft ein „Kaffee?“ , deutsch mit rauem rumänisch kratzigem Akzent, in den Raum. Ich nicke und freue mich. Denn ich weiß, wie unser Spiel weiter geht. Auch meinen Eisbecher – zwei Kugeln Nuss, eine Kugel Vanille mit Sahne – wird er vorausahnend mir einflüstern, bevor ich auch nur dazu komme, daran zu denken.
    Der Ventilator brummt, der Kaffee ist leer und während ich das Eis langsam löffle und auf der Zunge zergehen lasse, legt sich ein Schleier über das aufgeregt quirlige und bunte Treiben im Eissalon. Die Kinder, die wie ich gerade ihren Schulalltag hinter sich gelassen haben, erzählen sich noch das wichtigste vom Tag. Aber ich verstehe sie nicht, obwohl mein Rumänisch inzwischen nahezu perfekt ist. Ihr Stimmgewirr vermischt sich zu einer Wolke aus unefinierbaren Lauten, die mich in die Vergangenheit zurück trägt, zu dir, zu uns. In die Zeit als wir so alt waren wie die Kinder im Eiscafé, wie die Kinder, die ich hier weit weg von zu Hause unterrichte. Die Zeit als auch die deutschen Sommer unendlich waren. Als wir nach dem Volleyball Training mit Nuredin Dziri nicht genug bekommen konnten und unseren eigenen Volleyball in den Park am Rhein mitgenommen haben, um nach dem Training noch mal zu trainieren. Weißt du noch, die Turnhalle mit dem Parkettboden und den meterhohen Altbaufenstern durch die das Licht am Nachmittag so schräg brach, dass man die einzelnen Staubflocken in der Luft tanzen sehen konnte. Wenn man als Letzter aus der Halle ging, konnte man die übermächtige Stille hören und wenn man sich nicht bewegte, konnte man sogar die Zeit zum Stillstand bringen. Riesig und allmächtig waren wir und fühlten uns gleichzeitig unbedeutend und klein. Es war die Zeit der endlosen Gespräche und Ideen, wie eine Welt, in der wir leben wollen, sein müsste. Die Zeit von Reinhard May, Max Frisch und Tee zum Abendbrot in Glastassen in eurem Starthaus am Rhein. Deine Lieblingseissorten waren Vanille und Haselnuss mit Sahne. Während der Eisbecher schwindet, hebt sich auch der Nebel der Erinnerung an uns und ich sehe zwei Mädchen aus meiner Deutschklasse, die mir freundlich zunicken, an der Eistheke anstehen. Ich nicke zurück. Sie nehmen Erdbeer und Schokolade in der Waffel – ohne Sahne. Flüsternd und lachend verlassen die den Eissalon. Sie haben keinen Volleyball.

    Von meinem iPhone gesendet

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