27. KW: Schule für Mehrfach-Erzählungen

Ich war in Zürich und in Kreuzlingen und im Schwarzwald. Ich habe, ohne danach zu suchen, einen tollen Buchladen in Zürich gefunden, in dem es jetzt den Geschichten-Generator zu kaufen gibt (er kostet in der Schweiz 15 Franken): Duplikat Buch & Papier. In Kreuzlingen habe ich auf dem Schreibfestival, das Franziska Schramm organisiert hat, nicht nur die „Generator-Show“ Einen Roman in 60 Minuten“ präsentiert, sondern auch kurzfristig einen Workshop Autobiographisches Schreiben angeboten, der zu meiner Freude sehr gut ankam. Und dann ist auch noch etwas ganz Unerwartetes passiert: Durch einen wunderbaren Zufall konnte ich im Jull bei der Generalprobe eines Projektes zuschauen, bei dem die Autorin Ruth Schweikert ein Jahr lang drei Schüler einer Schule für Mehrfachbehinderte dabei unterstützt hat, ihre Geschichten aufzuschreiben. Die meisten Schüler.innen dieser Klasse können nicht schreiben. Mit und über sie hat der Filmemacher Per Larsen einen Film gedreht. Und so ist die Schule für Mehrfacherzählungen entstanden. Und warum mich das gerade auf ganz besondere Weise interessiert, verrate ich ungefähr im Beitrag zur 31. Kalenderwoche …

Offener Schreib-Workshop am 07.10.2017 in der Bremer Überseestadt (Setzerei)

Relativ kurzfristig habe ich einen weiteren Schreibworkshop ins Programm genommen, der in den tollen Räumen der Setzereiin der Bremer Überseestadt (Konsul-Smidt-Straße 10)

am Samstag 07. Oktober 2017 von 10- 17 Uhr stattfindet.

Der Workshop richtet sich an Teilnehmer.innen, die eine ausgiebige Schreibphase (2,5 Stunden) mit einem anschließenden Austausch über die entstandenen Texte verbinden möchten. Dabei ist es sowohl möglich, eigenen Schreibideen nachzugehen, als auch sich von meinen Schreibimpulsen anregen zu lassen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich und auch Teilnehmer.innen, die noch nie an einem Schreib-Workshop teilgenommen haben, sind herzlich willkommen.

Der Ablauf wird so aussehen:

10.00 – 10.30 Gemeinsamer Start  (Vorstellung/Schreibimpulse)
10.30 – 13.00 Schreiben (währenddessen stehe ich für kurze Fragen/Gespräche) zu Verfügung
13.00 – 14.00 gemeinsamer (freiwillig) einfacher Mittagsimbiss
14.00 – 17.00 Austausch (darin wäre eine weitere kurze Kaffeepause) enthalten.

Die Teilnahmegebühr für „Normalverdiener.innen“ beträgt 50 Euro. Wer gerne teilnehmen möchte, aber nicht über genug Geld verfügt, sagt bitte vorweg kurz Bescheid und zahlt dann, soviel er oder sie kann – das ist absolut in Ordnung!

Fragen gerne an mich per Mail: juttareichelt@aol.com

 

Ich habe nichts gegen Ausländer …

unspecifiedWie könnte ich mich an der Blogparade „Schreiben gegen Rechts“ beteiligen, die Anna Schmidt aus Berlin initiiert hat und auf die ich durch Beiträge der überaus geschätzten Blogger-Kolleginnen Maren (Von Orten und Menschen) und Birgit (Sätze und Schätze) aufmerksam wurde?

Ich möchte gerne auf Texte, auf Überlegungen anderer hinweisen. Auf die Kolumne „Rechts“ von Carolin Emcke aus der SZ, einen beneidenswert klar und klug formulierten Text. Etwas länger ist das Interview,  das der Sozialpsychologe Harald Welzer (Initiator der Gesprächsreihe „Welches Land wollen wir sein?“) auf nachtkritik.de geführt hat, aber es enthält eine Reihe von Statements und Ideen, die nicht schon in jedem zweiten Artikel zum Thema zu finden sind. Und schließlich würde ich mich sehr freuen, wenn die großartige Aktion „wirmachendas.jetzt“ weitere MitstreiterInnen fände!

(7) Geschichtengenerator in Aktion

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Ich bin mir auch nicht sicher, was mit Tom los ist. Sucht er wirklich etwas oder schaut er sich nur suchend um? Eher unbestimmt, weil irgendetwas nicht stimmt? Und könnte sich dieser Moment in einem

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Treppenhaus  ereignen oder landet Tom erst später dort oder ist vielleicht nur die Rede davon? Und mit wem könnte Tom ins Gespräch kommen, wem begegnen, wessen Hilfe erbitten?

Fragen über Fragen, da ist es gut, dass die dritte Karte für heute eine einfache Lösung zwar nicht erzwingt, aber erlaubt:

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Die Karten lauten also diesmal: „Tom (sucht etwas)“, „Treppenhaus“ und „Ausgeschlossen!“.

Ich freue mich auf Eure Geschichten, Notizen und Skizzen. Auf kleine Wortspiele oder Gedichte – es ist wirklich alles erlaubt und es soll vor allem eines: Eure Schreibfreude wecken!

Wer den Geschichten-Generator noch nicht kennt, findet hier weitere Informationen.

Welchen Geschichten hören wir zu? Wem glauben wir? Ein Versuch zur aktuellen politischen Situation

I. Wir alle sind umgeben von ganz unterschiedlichen Geschichten:

Geschichten, die wir hören. Weitergeben. Geschichten, die wir erzählen. Für die wir Gehör zu finden hoffen. „Wahre“ Geschichten, und solche, die wir nicht glauben, von deren Unwahrheit wir überzeugt sind. Lügen.

Geschichten kursieren. Von verschwundenen Kindern. Von vergewaltigten Frauen. Von Pferden auf Weiden, die geschlachtet, dann gegessen werden. Je grotesker, desto schneller scheinen sie sich zu verbreiten. Immer mehr Menschen glauben diese Lügen-Geschichten, die zu einer Waffe werden. Propaganda.

Viele kämpfen dagegen an. Erzählen andere Geschichten. Geschichten des Gelingens. Bestreiten die Wahrheit dieser Geschichten.

II. Jemand erzählt die Geschichte eines Unrecht, das ihr oder ihm widerfahren ist – und erwartet unser Mitgefühl. Zu Recht! Zu Recht? Und wenn die Geschichte nicht stimmt? Schon wieder eine dieser Lügengeschichten? Oder stimmt sie doch? Woher sollen wir das wissen?

III. Mich bestürzt, welche absurd-gefährlichen Geschichten erzählt werden, um die Stimmung gegen Migrant_innen anzuheizen und wieviel Gewalt dadurch entstanden ist und weiter entsteht. Was für eine hemmungslose Wut sich immer mehr ausbreitet. Wieviele Menschen kaum noch für Argumente erreichbar zu sein scheinen.

IV. Mich bestürzt, wenn Menschen für das Unrecht, das ihnen widerfährt, kein Gehör finden. Wenn sie angehalten werden, ihre Geschichte nicht oder anders zu erzählen.

V. Und nun? Vielleicht sollten wir anerkennen, dass wir es mit einem Dilemma zu tun haben. Dass es keine einfachen Lösungen gibt. Und dass wir unseren Sinn für Zwischentöne, für Ambivalenzen in dem großen Gebrüll, das uns gerade umgibt, nicht aufgeben, sondern ausbauen sollten.

Anmerkung:
In den letzten Monaten gab es im Internet (insbesondere auf Facebook) immer wieder Gerüchte, dass Flüchtlinge Frauen vergewaltigt, Kinder entführt und Pferde auf Weiden geschlachtet hätten, die sich als ganz offenkundig unwahr erwiesen haben. Hier geht es zur Stoppt Hass-Propaganda-Initiative.

Sehr geehrte Frau Merkel,

als Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland und der EU fordern wir Sie dazu auf, das Spardiktat für Griechenland nicht mehr voranzutreiben und stattdessen eine Konferenz zum Umstrukturierung und Reduzierung der griechischen Schulden abzuhalten. Die erbarmungslose Sparpolitik hat das Schuldenproblem nicht beheben können und hat die schwächsten Bevölkerungsgruppen am härtesten getroffen. Wir fordern Sie jetzt dazu auf, einen anderen Kurs einzuschlagen und dafür zu sorgen, dass Menschen und nicht Banken an erster Stelle stehen.

Wer sich diesem Aufruf des avaaz-Netzwerks anschließen möchte, findet hier die Möglichkeit dazu. Noch 5000 – dann sind wir 500000!

Was treibt dich an im kreativen Prozess?

„Ich stolpere, bin verdutzt – da war doch was? Ich beginne zu schreiben, mache Notizen. Experimentiere mit ersten und abwegigen Ideen.  Suche weiter. Nähere mich. Erkenne verärgert, dass ich mich doch wieder entfernt habe. Verzweifele kurz. Tausche mich aus. Suche weiter. Finde „meins“ schließlich und mache es dann mit aller Energie und Hingabe. Überarbeite. Überarbeite mehrfach. Und fange wieder an …“

Eingeladen für eine Broschüre kurz (ich fürchte, es ist noch zu lang) zu notieren, was mich antreibt (umtreibt?), kaue ich seit gestern auf dieser Antwort herum und würde mich nun noch mehr als sonst über Reaktionen freuen:

Ist das alles „eh klar“ – und somit eigentlich nicht erwähnenswert? Zu pathetisch? Mir ist ja immer sehr daran gelegen, das Prozesshafte zum Ausdruck zu bringen – und wie wichtig es ist, die Augen offen zu halten, sich auf die Suche nach dem zu machen, was uns jeweils wirklich umtreibt – sogar darüber kann man sich irren … Also: Was meint Ihr?

Nachtrag (30.05.2015): Aufgrund der wirklich sehr hilfreichen Reaktionen, die mich (zum Teil auch per E-Mail) erreicht haben, habe ich den Anfang meiner Antwort nochmals verändert und dies auch im Beitrag nachträglich aktualisiert.

#indiebookday

Created with Nokia Smart Cam

Die Frau und ein Buchhändler meines Vertrauens (Harlekin in der Bremer Neustadt) und „Unsere Namen“ von Dinar Mengest,  erschienen bei einem der „klassischen“ Indiebook-Verlage Kein & Aber, die meine Sympathien schon allein deswegen besitzen, weil sie die immer noch oft unterschätzte amerikanische Autorin Anne Tyler neuerdings verlegen.

Interessante Rezensionen zum Buch habe ich auf den Blogs Drittgedanke und „Bibliophilin“ entdeckt – und wünsche ein schönes Wochenende!

Der Bankier, der BILD-Leser, der Asylant und die Kekse

Seit ich sie gestern gelesen habe, begeistert mich die Geschichte „Der Bankier, der BILD-Leser, der Asylant und die Kekse“ sehr – und ich möchte gerne zu ihrer Verbreitung beitragen (versehen mit dem Zusatz, dass es sich bei „der Asylant“ vermutlich um so etwas wie „Rollenprosa“ handelt, da es ansonsten ja gute Gründe gäbe, die Formulierung „der Asylbewerber“ zu bevorzugen 😉

mindBytes

1907563_10153840689535094_854304624_nSLEAZE – Facebook-Chronik-Fotos.

Die Geschichte geht aber noch weiter:


Nachdem also der Bankier zum BILD-Leser gesagt hat: „Pass auf, der Asylant will deinen Keks!“ fügt er hinzu: „Also gib ihn lieber mir, ich pass`auf ihn auf, und morgen, wenn der Asylant weg ist, kriegst du den Keks zurück und noch einen dazu.“ (Frag mich jetzt nicht, wo der Asylant morgen hin ist. Er ist halt „weg“.)
Der BILD-Leser lässt sich das nicht zweimal sagen und gibt dem Bankier auch noch den letzten Keks. (Der hat doch einen an der Waffel!).


Kurze Zeit später kriegt der BILD-Leser Hunger. In seiner Not geht er zum Bankier und sagt: „Weisst du, ich hab`s mir anders überlegt: gib mir doch meinen Keks jetzt gleich wieder, damit ich was zu essen habe.“
Der Bankier sagt: „Natürlich kann`ich dir sofort einen Keks geben. Aber weil ich dann heute auf meinen Keks verzichten…

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Noch ein Rübenkohl. Der ist für Jutta R. :-)

Dieser „Kohlrabi für mich“ scheint mir ein guter Anlass zu sein, um einmal fröhlich angesichts dieses unerwarteten Geschenks auszuprobieren, wie das „Rebloggen“ eigentlich funktioniert … Und wer wissen möchte, wie es dazu kommen konnte, schaut auf dem schönen Blog von Martina Wald nach („Gefährlicher Kohlrabi“).

zeichnen mit Martina Wald

Kohlrabi 1P.S.: Jutta R. ist übrigens die Autorin und Würth-Literaturpreis-Trägerin Jutta Reichelt.  Sie schreibt auf ihrem Blog „Über das Schreiben von Geschichten“ über das Schreiben von Geschichten. Ihr Autoren-Portrait kann man sich Hier auf youtube anschauen.

Jutta Reichelt leitet in Bremen Schreib-Werkstätten und bietet Schreibkurse an. Sie schreibt dazu:

„Ich bin davon überzeugt, dass die erste große Herausforderung darin besteht,  in eine (überwiegend) mühelose Schreibpraxis hineinzufinden. Dafür ist es wichtig, dass wir uns den Texten/Geschichten nähern, die “darauf warten, von uns erzählt zu werden”. Wenn uns das gelingt, verfügen wir über “Material”, das wir – sofern wir das wollen – literarisch weiterbearbeiten können.“

Mein Lieblingswort in diesem Zitat ist „mühelos“. Mühelos schreiben, mühelos zeichnen, mühelos gestalten und erschaffen. Leider ist der Glaube, nur etwas mit Mühe Erreichtes kann wertvoll sein, weit verbreitet, und viele Künstler bemühen sich und mühen sich ab und wundern sich, dass sie das, was sie so sehr…

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