Welchen Geschichten hören wir zu? Wem glauben wir? Ein Versuch zur aktuellen politischen Situation

I. Wir alle sind umgeben von ganz unterschiedlichen Geschichten:

Geschichten, die wir hören. Weitergeben. Geschichten, die wir erzählen. Für die wir Gehör zu finden hoffen. „Wahre“ Geschichten, und solche, die wir nicht glauben, von deren Unwahrheit wir überzeugt sind. Lügen.

Geschichten kursieren. Von verschwundenen Kindern. Von vergewaltigten Frauen. Von Pferden auf Weiden, die geschlachtet, dann gegessen werden. Je grotesker, desto schneller scheinen sie sich zu verbreiten. Immer mehr Menschen glauben diese Lügen-Geschichten, die zu einer Waffe werden. Propaganda.

Viele kämpfen dagegen an. Erzählen andere Geschichten. Geschichten des Gelingens. Bestreiten die Wahrheit dieser Geschichten.

II. Jemand erzählt die Geschichte eines Unrecht, das ihr oder ihm widerfahren ist – und erwartet unser Mitgefühl. Zu Recht! Zu Recht? Und wenn die Geschichte nicht stimmt? Schon wieder eine dieser Lügengeschichten? Oder stimmt sie doch? Woher sollen wir das wissen?

III. Mich bestürzt, welche absurd-gefährlichen Geschichten erzählt werden, um die Stimmung gegen Migrant_innen anzuheizen und wieviel Gewalt dadurch entstanden ist und weiter entsteht. Was für eine hemmungslose Wut sich immer mehr ausbreitet. Wieviele Menschen kaum noch für Argumente erreichbar zu sein scheinen.

IV. Mich bestürzt, wenn Menschen für das Unrecht, das ihnen widerfährt, kein Gehör finden. Wenn sie angehalten werden, ihre Geschichte nicht oder anders zu erzählen.

V. Und nun? Vielleicht sollten wir anerkennen, dass wir es mit einem Dilemma zu tun haben. Dass es keine einfachen Lösungen gibt. Und dass wir unseren Sinn für Zwischentöne, für Ambivalenzen in dem großen Gebrüll, das uns gerade umgibt, nicht aufgeben, sondern ausbauen sollten.

Anmerkung:
In den letzten Monaten gab es im Internet (insbesondere auf Facebook) immer wieder Gerüchte, dass Flüchtlinge Frauen vergewaltigt, Kinder entführt und Pferde auf Weiden geschlachtet hätten, die sich als ganz offenkundig unwahr erwiesen haben. Hier geht es zur Stoppt Hass-Propaganda-Initiative.

Bitte weitersagen: „welcomegrooves“, der kostenlose Sprachkurs ist jetzt online

„Mit den welcomegrooves lernen Sie erste Wörter, Sätze, Redewendungen und ein wenig über die deutsche Kultur. Der kostenlose Einstiegskurs vermittelt Sprache durch Musik. So geht das Lernen einfacher.

Hören Sie die Lektionen an und lesen Sie dazu die Übersetzung in Ihrer Muttersprache oder in einer Sprache Ihrer Wahl. Sie finden die Sprachlektionen als MP3-Dateien und die Übersetzungen als PDF-Dokument zum Download hier.

Wir freuen uns über das Teilen und Weitersagen, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können :). Danke“

So steht es auf der Homepage www.welcomegrooves.de und ich bin absolut begeistert von dem Angebot, vielleicht auch weil ich selbst einige der „groovenden“ Sprachkurse besitze.

Und hier noch ein informativer Bericht des wdr: http://www1.wdr.de/themen/politik/fluechtlinge/infos/welcome-grooves-102.html

Also: Tolle Aktion, bitte weitersagen!

Nachtrag: Auf dieser Seite von Pro Asyl finden sich weitere (Sprach)Angebote – auch zu anderen Themen und Problemlagen!

Und hier geht es zu Sprachkursen der Flüchtlingshilfe München, die extra für die Arbeit mit Flüchtlingen entwickelt wurden und die es dort mit englischer, arabischer, tigrinischer und französischer Übersetzung gibt – oder „nur auf Deutsch“. Die Texte können als pdf-Datei heruntergeladen oder auch bestellt werden.