Schreiben ist immer auch Austausch

Mit dem Schreiben ist das Lesen untrennbar verbunden – und wenn wir es selbst sind, die das von uns Geschriebene lesen. Wiederlesen. Austausch und Auseinandersetzung können also auch ganz ohne eine weitere Person stattfinden. Wenn es eine andere Person ist, die das von uns Geschriebene liest, wird es oft prekär. Zumindest könnte es das werden und deswegen bebt mancher die Stimme, die (vielleicht erstmals) in einer Schreibwerkstatt einen eigenen Text vorliest. Wir sind empfindlich, wenn es um unsere Texte geht und werden manchmal mit ganz widersprüchlichen Reaktionen konfontriert.

Darüber möchte ich schon lange hier einmal schreiben, aber nicht heute! Heute möchte ich schreiben, wie froh mich der Austausch macht, der hier auf dem Blog während meines Urlaubs stattgefunden hat! Wieviel Freude ich an all den Generator-Geschichten habe und dass ich ein bisschen Zeit brauchen werde, um nachzulesen, was sich alles getan hat … Ach ja, und vor allem wollte ich mich bedanken bei allen, die durch ihre Schreibfreude, ihr Interesse, ihre Offenheit und ihren Humor dazu beigetragen haben! (Am liebsten würde ich jetzt mit so einem richtig pathetischen Satz enden, aber dafür müsste ich wohl als Amerikanerin auf die Welt gekommen sein – aber wer mag kann sich ja den Satz denken …)

(5) Geschichtengenerator in Aktion

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Auf Geschichten, in denen ein (glücklich oder unglücklich?) verliebter Erkan auftritt, freue ich mich schon sehr! Und da ich auf keinen Fall Eure Phantasie einengen möchte, seht Ihr Erkan hier schön und – ja, wie denn eigentlich? Seht ihr ihn stolz oder bekümmert, allein oder mit anderen stehen? Oder ist er gerade von seiner wunderbaren Verliebtheit abgelenkt – gibt es das überhaupt?

Wer möchte, kann zwei weitere „Geschichten-Generator„-Karten berücksichtigen, aber dabei auf keinen Fall die wichtigste Generator-Regel vergessen: Alles ist erlaubt! Es geht nur darum, eine Idee, einen Einstieg, einen Anfang oder einen Satz zu finden. Gezogen habe ich diesmal also die Karten: Erkan (ziemlich verliebt), Kantine und „Natürlich kann ich das!“)

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In dieser Woche (und in der nächsten) hat der Geschichten-Generator eine erste kleine Bewährungsprobe zu bestehen: Er muss ohne mich auskommen! Aber genau dafür habe ich ihn ja erfunden. Damit Menschen, die ich in Werkstätten als fröhliche GeschichtenschreiberInnen kennengelernt habe, auch zu Hause den kleinen Impuls finden, der oftmals fehlt, um in eine regelmäßige Schreibpraxis zu finden.

Nun hat sich mit der Online-Variante (bei der ja niemand allein mit seiner Geschichte bleiben muss) bereits ein so reger Austausch hier wie auf anderen Seiten ergeben, dass ich doppelt zuversichtlich bin, dass die Geschichten-Produktion auch ohne mich wie geschmiert weiterläuft – es wäre mir eine große Freude!

‚“Show Your Work“ (Austin Kleon) oder: Der Blog als Arbeitsjournal

51JJmS22OcL._SY494_BO1,204,203,200_Gekauft hatte ich dieses Buch um Anregungen für einen Workshop zu erhalten, also in gewisser Weise „für andere“, aber schon beim Durchblättern brachte es mich auf neue Ideen – für mich selbst. Und das hatte vor allem mit dem 3. Kapitel zu tun: „Share something small every day!“

Dabei fiel meine erste Reaktion auf diesen Vorschlag keineswegs positiv aus. Wann soll ich das denn noch machen?, dachte ich. Um dann zu grummeln: Woher soll ich denn um Gottes Willen jeden Tag etwas nehmen, das ich „teilen“, das ich „verbreiten“ kann? Dann fiel mir Susanne Haun ein und ihr toller Blog und dass ich sie in der Vergangenheit manchmal beneidet hatte, weil bildnerische Prozesse und Produkte sich „natürlich“ leichter darstellen, abbilden, zeigen lassen. Zudem hatte Susanne erwähnt, dass sie ihren Blog als Archiv nutzt, um ihre Arbeit zu dokumentieren und auch darum hatte ich sie beneidet – vollkommen sicher, dass das für mich als Autorin nicht in einer halbwegs vergleichbaren Weise möglich wäre.

Ist es vielleicht auch nicht. Aber ausprobieren und experimentieren möchte ich mit dieser Idee. Es gibt im Moment so viele unterschiedliche Projekte und Ideen, denen ich nachgehe. Oft stoße ich bei Recherchen auf einzelne Sätze oder Gedanken, von denen ich überzeugt bin, dass sie auch andere interessieren. Und schon lange reizt mich der Gedanke, diesen Blog als eine Art“Arbeitsjournal“ zu nutzen. Ich glaube, was mir gefehlt hat, war das Wort „small“. „Jeden Tag“ werde ich nicht so ernst nehmen, aber „small“! Einen Gedanken, eine Idee, ein Zitat. Und vielleicht ergibt sich daraus ja auch etwas Neues. Ein Austausch, eine Resonanz. Wenn ich es richtig sehe, wäre das ganz im Sinne von Austin Kleon.

Und was meint ihr dazu?

Einen Roman in einem Monat schreiben?! Der nächste NaNoWriMo startet in wenigen Tagen

Bald geht es wieder los! Am 01. November fällt wie jedes Jahr der Startschuss für eines der ungewöhnlichsten und erfolgreichsten Schreibprojekte weltweit: der „National Novel Writing Month“ (NaNoWriMo) beginnt. Es wäre leicht, sich über das erklärte Ziel dieser Aktion (die mit den Jahren eine veritable Bewegung geworden ist) lustig zu machen. Einen Roman in einem Monat schreiben? Wie vermessen ist das denn?

Aber ich denke gar nicht daran! Schon vor zwei Jahren habe ich hier gerne für diese Kampagne sympathisiert, die keinerlei kommerziellen  Hintergrund hat. Weil ich Menschen kenne, die daran teilnehmen und ganz offensichtlich daraus eine große (Schreib)-Energie beziehen. Weil  ich bei TeilnehmerInnen meiner Kurse erlebt habe, dass es ihnen  unter diesen Umständen eher gelingt, mal richtig „drauflos“ zu schreiben. Weil es für manchen auch einfacher wird, mit dem NaNoWriMo im Rücken dem Schreiben den Raum einzuräumen, der so oft durch Routinen, Familie oder PartnerInnen  gefährdet ist. Und schließlich gefällt mir die Mischung aus Sportsgeist und gegenseitiger Unterstützung, die dieses Projekt durch eine Vielzahl an Möglichkeiten des Austauschs (Foren, lokale Treffen in vielen Städten) bietet. Wer sich davon einen Eindruck verschaffen oder vielleicht auch mitmachen möchte: Hier geht es zur deutschen Seite und hier zur englischsprachigen Originalseite.

Und dann? Was hat man dann davon? Wer es geschafft hat, das Ziel von 50000 Wörtern zu erreichen, der hat sicherlich kein Manuskript, mit dem man auf erfolgreiche Verlagssuche gehen kann, aber die- oder derjenige hat eine erste Version. Und genau die herzustellen, fällt vielen Menschen sehr schwer – auch wenn sie „eigentlich“ wissen, dass ein erster Entwurf nur sehr unvollkommen und unfertig geraten kann und darf, wenn man am Anfang steht. Oft ist es leichter mit einem „unvollkommenen“ Entwurf zu arbeiten, als „nur“ im Kopf daran zu feilen, bzw. das erste Kapitel wieder und wieder zu überarbeiten und mit der Zeit die Lust an der ganzen Sache zu verlieren.

Ist das also für jeden etwas? Nein! Sicherlich nicht! Aber denjenigen, die mitmachen, wünsche ich einen tollen NaNoWriMo!

6 AutorInnen, 2 Städte, 1 Plattform: bremenwriteskampala – ein großartiges digitales Literatur-Projekt!

Was ist Heimat und wie wirkt sich unser jeweiliger Aufenthaltsort auf unser Schreiben aus? Wie finden wir einen Anfang und welche Gegenstände benötigen wir, um Schreiben zu können?

Nur drei Fragen aus einer viel größeren Anzahl, die einen Monat lang auf einer eigens dafür vom Bremer Virtuellen Literaturhaus eingerichteten Plattform diskutiert werden. Von AutorInnen (nicht nur) aus Bremen und Kampala (Uganda). Was mich daran wirklich sehr begeistert (und manchmal berührt) sind die Ernsthaftigkeit und Offenheit mit der sich die beteiligten AutorInnen über die Bedingungen ihres Schreibens austauschen. Hier gehts weiter!