Wie war der Weg vom Manuskript zum Buch?

cover_wvDiese und ein paar weitere Fragen stellte mir Birgit Böllinger, die den wunderbaren Blog „Sätze und Schätze“ unterhält, nachdem sie zuletzt dem Literaturagenten Gerald Drews die Frage gestellt hatte: „Sag mal an, was macht eigentlich so ein Literaturagent?“ Hier geht es zum Interview mit mir: Sag mal an, wie war der Weg vom Manuskript zum Verlag?

Habt ihr weitere Frage, Anmerkungen oder Kommentare zum Thema Verlagssuche? Ich freue mich darüber – auch wenn ich vielleicht nicht jede Frage oder Anmerkung umgehend beantworten kann.

Welche Rolle spielen die Marketingabteilungen der Verlage?

Obwohl mich nicht allzuviel Geschichten aus dem „Betrieb“ erreichen, habe auch ich schon davon gehört: von Autor:innen, die sich angesichts der Begeisterung, die ihr Manuskript beim zuständigen Lektor geweckt hatte, schon mit dem Verlag einig wähnten – und dann vom Veto der „Marketingabteilung“ erfuhren. „Wer soll denn da die Zielgruppe sein?“, habe der konsternierte Lektor ihm die entscheidende Frage weitergereicht, erzählte mir ein Autor, den ich vor Jahren bei einem Autorentreffen kennengelernt habe, der sich seither zahlreicher Auszeichnungen erfreuen durfte und bei dem ich immer sicher war, dass er sich um einen guten Verlag würde keine Sorgen machen müssen – wenn er einmal „sein Zeug zusammenbringt“ …

Ich hätte gerne schon früher einmal darüber geschrieben, aber mein Eindruck war, dass weiten Teilen der „literarischen Öffentlichkeit“ dieser Sachverhalt so abwegig, so unglaubwürdig vorkommt, wie es ja eigentlich auch der Fall sein sollte. Dazu passend hatte ich den Eindruck, dass da, wo diese Enwicklung von Autor:innen beklagt wird, schnell der Vorwurf im Raum steht, da wolle jemand ausbleibenden Erfolg (oder das Ausbleiben des „ganz großen Erfolgs“) mit verschwörungstheoretischen Behauptungen erklären.

Und nun lese ich in der FAZ ein Interview mit der Agentin des aktuellen Buchpreisgewinners Frank Witzel (und langjährigen Verlegerin des Berlin Verlags) Elisabeth Ruge, an deren Sachverstand niemand auch nur den leisesten Zweifel haben kann, was sie zu dem Stichwort sagt „für eine Marketingabteilung muss das (Anm.: Witzels Text „Die Erfindung der RAF-Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1968″) der Horror sein“:

„Grundsätzlich halte ich es für fatal, dass in manchen Häusern die Marketingabteilungen mittlerweile mehr zu sagen haben als die Lektoren – das war, als ich anfing und das Büro mit dem legendären Günther Busch teilte, einfach undenkbar. Auf diese Weise werden viele interessante Bücher abgelehnt, weil man vor allem more of the same möchte. Den Verlagen würde es richtig guttun, wenn es ab und zu eine einsame Entscheidung geben könnte, wenn man einfach mal einem engagierten, erfahrenen Lektor traute.“

Das Interview ist insgesamt sehr lesenswert, es enthält den  wunderbaren Satz, dass guter Stil eine gerade tröstliche Qualität hat (unter diesem Titel ist das Interview auch in der FAZ erschienen) und der von mir nun herausgestellte Aspekt steht keineswegs im Mittelpunkt des Gesprächs. Aber ich bin nun froh, auf diesen beklagenswerten Umstand einmal hinweisen zu können – und darauf, dass also leider keine Rede davon sein kann, dass „sich das Gute auf die Dauer“ immer durchsetzt. War das nicht immer schon so? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Was meint ihr?

Nachtrag (19.11.2015): Erst durch die Kommentare (vielen Dank dafür einmal mehr!) ist mir deutlich geworden, dass ich den Titel dieses Beitrags zu allgemein formuliert hatte – denn das, was ich als „falsche Entwicklung“ empfinde, betrifft ja allein die sog. Literaturverlage – dass es sich bei „Mainstream“-Verlagen so verhält, ist auch für mich weder überraschend noch beklagenswert.

„Handbuch für Autoren“: Informativer als ein Messebesuch!

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Informativer als ein Messebesuch könnte dieses von Sandra Uschtrin herausgegebene „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ (8. Auflage, 2015) für all diejenigen sein, die von einer Buchveröffentlichung oder einer Autorenkarriere träumen, denn es enthält auf ca. 700 Seiten eine unglaubliche Fülle an Informationen zu Verlagen und der Verlagssuche, Literaturzeitschriften, Agenturen, literarischen Netzwerken und Infobörsen und zu allem, was gemeinhin unter „Selfpublishing“ zusammengefasst wird.

Das ist viel, könnte man denken, aber es ist noch längst nicht alles. Weitere (umfangreiche) Kapitel widmen sich den Themen „Aus- und Fortbildung für SchriftstellerInnen“, „Der Heftroman und wie man ihn verkauft“, „Schreiben fürs Theater“, „Hörspiele schreiben und produzieren“, Drehbuchschreiben“, „Geld verdienen mit literarischen Dienstleistungen“ und „Recht und Soziales“.

Nun lässt sich ein Inhaltsverzeichnis rasch mit interessanten Themen füllen, was mich bei jeder neuen Ausgabe verblüfft, ist die hohe Qualität und Vielfalt der Beiträge zu den einzelnen Themen. Denn in diesem Handbuch findet man nicht nur zahlreiche informative Auflistungen (von Verlagen, nach Genre unterteilt, oder Agenturen oder Fortbildungseinrichtungen oder oder oder), sondern auch Intervies mit oder Beiträge von ExpertInnen zu den jeweiligen Themen. Allein die Auswahl dieser ExpertInnen zeigt, welchen Erfahrungsschatz Sandra Uschtrin in 30 Jahren „Handbuchmachens“ angehäuft hat. Einer meiner Lieblingsartikel: „Warum so viele Lyrikmanuskripte abgelehnt werden“.

Gibt es denn gar nichts zu kritisieren? Doch. Als Bloggerin kommt mir gerade dieses Thema etwas kurz und die Liste der „Rezensionsblogs“ ist reichlich „mainstreamlastig“. Auch bei den (allgemeinen) Exposé-Empfehlungen fehlt mir ein Hinweis, dass bei „literarischer Prosa“ manche Selbstverständlichkeit aus dem Mainstream- oder Genre-Bereich bei den EmpfängerInnen u. U. für Befremden sorgen könnte („Hauptfigur, Gegenspieler, Konflikt“).

Dennoch: Obwohl ich, wenn es ums Schreiben geht, allgemeine Aussagen oder Regeln vermeide, wo ich nur kann, mache ich hier eine Ausnahme: Dieses „Handbuch für AutorInnen und Autoren“ gehört in jedes AutorInnen-Regal! Und wen die Ausgabe von 54,90 Euro schreckt, dem sei versichert, dass es auch diesen Preis nicht nur wert ist, sondern oft vermutlich locker wieder „einspielt“, weil es viel Lebenszeit erspart. Lebenszeit, die wir sonst mit aufwändigen Recherchen verbrächten oder auch vergeblichen Schritten oder Bemühungen auf dem Weg zur (erfolgreicheren) Autorin, zum erfolgreichen Autor. Dieses Handbuch vermittelt einen realistischen Eindruck, wie weit und mühsam der Weg zum Buch in aller Regel ist und gibt gleichzeitig eine Orientierung, wie er zum Ziel führen kann. Wer nun gerade aber richtig klamm ist, könnte sich einen gemütlichen Nachmittag in der Stadtbibliothek machen. Die haben es nicht? Dann gilt auch für dieses Buch: unbedingt einen Kaufantrag stellen (alle Bibliotheken sehen diese Möglichkeit vor und reagieren oft verblüffend schnell auf solche Vorschläge)!

Sandra Uschtrin (Hg.): Handbuch für Autorinnen und Autoren. (8. Auflage) 2015

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten: www.handbuch-fuer-autoren.de

Vom Text zum Buch: Die Verlags-Vorschau

Wenn ich mir aussuchen könnte, wie mein Arbeitstag aussähe, dann würde ich gerne alleine am Schreibtisch sitzen – jeden Tag. Manchmal halte ich für möglich, dass das meine Hauptmotivation für den Wunsch war, Schriftstellerin zu werden – die Vorstellung, dass ich dann in aller Regel meine Ruhe hätte. Ich glaube niemand strebt eine Existenz als Schriftsteller*in an, die oder der nicht gerne alleine arbeitet. Wem diese Vorstellung unangenehm ist, wird Schauspieler*in oder Veranstaltungskaufmann oder Erzieher oder Fußballerin. Nun gibt es sicherlich Schriftsteller*innen, die jedwede Form von Zusammenarbeit oder Kooperation mit anderen gerne vermeiden würden  – aber so bin ich nicht. Ab und zu arbeite ich gerne mit anderen zusammen und freue mich, wenn daraus eine Aufführung oder Lesung oder eben auch ein Buch entsteht.

Denn so sehr der Text, an dem ich jahrelang gearbeitet habe „meiner“ war (ich lasse jetzt einmal unberücksichtigt, wie sich natürlich auch in diesen Text andere Autor*innen „eingeschrieben“ haben), so sehr ist ein Buch immer das Ergebnis der Arbeit vieler. Die ihrem Beruf als Lektor*in, Hersteller*in, Gestalter*in, Verleger*in, Vertreter*in im Idealfall mit genau soviel Hingabe nachgehen, wie ich meinem. Und die dann, wenn die Arbeit getan ist, wenn es „gut geworden“ ist, ebenso Grund und Anlass haben, sich zu freuen, stolz zu sein.

Es ist wie mit der Küche in einem Restaurant: Niemand kommt wieder, wenn das Essen nichts taugt – aber ebenso wird kaum jemand das Lokal betreten, wenn es nicht ansprechend gestaltet ist. Wenn der Service nicht stimmt. Wenn es zieht. Wenn die Stühle unbequem, die Preise überzogen, die Toiletten dreckig sind. Sehr viel muss stimmen, muss zusammenkommen, damit ein „gutes Buch“ entsteht. Vieles muss abgestimmt werden – und nicht immer können alle einer Meinung sein. Und warum erzähle ich das alles? Weil seit kurzem die Verlags-Vorschau „meines“ Verlags Klöpfer & Meyer online ist – und ich mich freue, wie viele Leute dabei einen richtig guten Job gemacht haben …