Sagen Sie – bitte in einem Satz – wovon handelt Ihr Roman?

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Ich habe mich jahrelang geweigert. Unmöglich, habe ich gesagt. Was wäre das für ein Roman, der sich in einem Satz wiedergeben ließe? Warum ihn dann noch schreiben?

Es muss ja nicht EIN Satz sein. Aber sagen Sie doch einfach, um was es geht? Wovon handelt ihr Roman? Auch darauf hatte ich keine Antwort. Natürlich wusste ich, wovon der Roman handelte – jedenfalls nach ein paar Jahren. Aber das ist doch nur der Plot, entgegnete ich dann ein wenig gequält. Der Plot, die Handlung – das ist, als würde ich statt eines sorgfältig gekochten Essens das Rezept herzeigen sollen … Es ist doch der Ton, der Rhythmus der Sprache, die Atmosphäre die einen literarischen Text erst ausmachen.

Das stimmt – und ist doch zugleich nur „die halbe Wahrheit“. Denn jetzt, wo die Arbeit am Roman beendet ist, wo sein Erscheinen unmittelbar bevorsteht, da merke ich, dass ich so nicht weiterkomme. Dass es nicht nur unklug ist, sondern auch naseweis. Und dass es ja vielleicht auch der fragenden Person gar nicht unbedingt um die Handlung geht, sondern darum, etwas über den Text zu erfahren. Was daran besonders sein könnte. Was für mich besonders daran sein könnte.

Ich habe darüber nachgedacht und über einige andere Fragen die „Wiederholten Verdächtigungen“ betreffend und ich habe einmal mehr festgestellt, dass sich vieles erst klärt, wenn die Arbeit an einem Text beendet ist. Wenn nicht mehr die Frage im Vordergrund steht: Was könnte auch anders, was könnte noch besser/klarer/genauer sein.

Ich bilde mir ein, den Text und seine spezifischen Herausforderungen jetzt viel besser zu verstehen: Wie sehr die Erzähllogik der Geschichte und die innere Logik der Figuren in einem Spannungsverhältnis stehen. Und dass die Herausforderung nicht darin bestand, den Text spannend werden zu lassen, sondern spannend und glaubwürdig zugleich.

So denke ich also gerade viel vor mich hin und da ich Schwierigkeiten habe, zu denken ohne zu schreiben, kritzele ich dabei ein bisschen herum (s. o.). Und suche nach Sätzen, die etwas verraten über den Text. Natürlich nicht alles, noch nicht einmal sehr viel, die aber einen ersten Hinweis geben können. Hier kommt nun also mein aktueller Favorit: „Der Roman erzählt die Geschichte von Christoph, dessen Leben innerhalb weniger Monate ins Wanken gerät – und der noch nicht einmal weiß, warum.“

Am 09.02.2015 kommen die „Wiederholten Verdächtigungen“ in den Handel, ab dann freue ich mich sehr auch über Eure/Ihre Vorschläge für einen vielsagenden Satz – und bevor es jetzt also bald so weit ist, verabschiede ich mich erst noch Mal für ein paar Tage ans Meer …

12 Comments

  1. Ich glaube, ich würde, wenn ich denn Romane schriebe, auch an dieser Anforderung erst einmal scheitern – ein Satz! Aber wenn es nicht um die Handlung geht, dann muss sich denke ich, schon ein Satz finden lassen können, der die Stimmung/Philosophie/den Rahmen beschreibt – das birgt aber auch die Gefahr in sich, platt oder phrasenhaft zu werden…Ihr armen Autoren – da schreibt ihr euch die Seele aus dem Leib, und müsst dann über solche Fragen grübeln! Die Erholung hast Du Dir verdient – ich wünsch Dir eine gute Meerzeit! Und dein Mindmap würde ich gerne mal in eine Serie integrieren: „Autoren und ihre Handschriften im Vergleich zu Rezeptblöcken von Ärzten“.
    herzlichst, Birgit

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    1. Liebe Birgit, ich halte für gut möglich, dass dir auch diese Herausforderung gelingen würde – für den Moment freue ich mich, dass du dich dem Romanschreiben zumindest konjunktivisch näherst!
      Für die neue Kategorie würde ich dann aber lieber ein Exemplar beisteuern, bei dem ich mir nicht so viel Mühe gegeben habe, dass es lesbar und über sichtlich ist 😉
      Herzliche Grüße!

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      1. Liebe Jutta,
        die Annäherung wird eine rein konjunktivistische bleiben. Schusterin kennt ihre Leisten. Auf ein handschriftliches unlesbares Muster würde ich mich freuen – dann starte ich die Kategorie 🙂 Viel Freude am Meer!

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        1. Liebe Birgit, ich bin ja die einzige Person, die ich kenne, die meine Handschrift für sehr gut lesbar hält – aber ich könnte dir schon gelegentlich eine Skizze schicken, deren Sinn sich nicht auf den allerersten Blick offenbart 😉

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  2. Ich finde das Beispiel mit dem Rezept und dem sorgfältig gekochten Essen sehr nachdenkenswert. Ein paar dürre Zutaten hier, das Zusammenspiel der Gewürze, die genau kalkulierte Zubereitung auf der anderen Seite – das ist ein schöner Vergleich zu einem Roman. Und macht ganz deutlich, dass jede Zusmmenfassung in einem Satz, ja jede Romanbesprechung,nie das Erlebnis des Selber-Lesens ersetzen kann. Denn das Rezept ist ja auch nur die Verheißung, erst das Essen auf dem Tisch lässt die Geschmacksknopsen jubilieren.
    Eine gute Erholung wünscht Claudia

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    1. Liebe Claudia, freut mich sehr, dass dir der Vergleich einleuchtet! Ich finde das Kochen sowieso recht ergiebig, was einige Aspekte des Schreibens betrifft, wie z. B., dass wir es nur durch eigenes Tun, durch Praxis lernen können. Und uns dann vielleicht auf neue Weise interessiert, was es überhaupt alles so gibt – an Geschmacksmöglichkeiten, an „Traditionen“ usw. Beim Kochen leuchtet das so unmittelbar ein, während beim Schreiben viele die Vorstellung haben, es gäbe vor allem (theoretische) „Regeln“, die es zu lernen gilt. Aber jetzt schweife ich ab – dabei wollte ich doch eigentlich packen 😉 Herzlichen Dank auch für deine guten Wünsche!

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  3. Das mit dem einen Satz ist gerade der Trend „Elevator-Pitching“ in immer kürzerer Zeit, weil niemand mehr Lust und Muße hat, etwas länger und genauer zuzuhören. Ich finde nicht, dass die Essenz oder der Inhalt eines Buches in einem Satz wiedergegeben werden muss. Manchmal/meistens handelt es ja von vielen DIngen. Die Autorin ist auch kein Zusammenfassautomat – das machen dann die Klappentexter, mehr oder weniger gut. LG und viel Erfolg mit dem neuen Buch.

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    1. Das gefällt mir sehr: Die Autorin ist kein Zusammenfassungsautomat! Und gleichzeitig empfinde ich eine Ambivalenz, die vermutlich damit zu tun hat, dass ich in der Zumutung darin auch die „allgemeinere“, die „größere“ sehe, die ja eben nicht „nur“ AutorInnen, FilmemacherInnen, Künstlerinnen usw. betrifft – sondern eben jede und jeden. Jede und jeder ist gezwungen sich und seine Arbeit bestmöglich zu „verkaufen“. Und wir haben uns daran so gewöhnt, es kommt uns oft schon so selbstverständlich vor, dass wir gar nicht mehr darüber „stolpern“, wie armselig das doch eigentlich ist, in einer Welt zu Leben, in der nur gute „VerkäuferInnen“ ihrer selbst eine Chance auf ein halbwegs auskömmliches Leben haben …

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  4. 9.2., also heute? Na dann herzlichen Glückwunsch zum Erscheinen. Diese 1-Satz-Sache hilft schon. Es ist wie das Seelen-Foto des Romans, welches man während der ganzen Monate vor der Tastatur nicht aus dem inneren Auge verlieren sollte. Dann bleibt die Geschichte homogen und sich selbst treu. Finde ich. Ich mag Seelen-Fotos!

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