(13) Geschichtengenerator in Aktion

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Ich habe mir nie vorgestellt, dass ich als Autorin so etwas wie das „letzte Wort“ hätte, was die Interpretation der von mir verfassten Texte betrifft, dass ich besser wüsste als andere, „was in ihnen steht“. In Texte wandern oft auch Inhalte und Verbindungen, die dort nicht strategisch von der Autorin platziert wurden. „Texte sind oft klüger als ihre Autoren“, sagte der großartige Autor Jurek Becker dazu.

Auch Schreibanregungen sind Texte und auch Schreibanregungen können Möglichkeiten enthalten, die die Autorin zunächst nicht gesehen hat, so wie es mir in der letzten Woche geschah: Das beigefügte Foto enthielt das vollständige „Generator-Personal“ und eine leere Karte aus der Idee heraus: Es kommt auf die Namen, die Figuren gar nicht an – allein die vorgeschlagene Textsorte „Beichte“ zählt.

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Aber das Bild war offenbar stärker als der Text:  Alle Figuren an einem Ort – was für eine Freude! Da müsste sich doch etwas mit anfangen lassen, dachten gleich mehrere und so sind wunderbare und auch wunderbar komische Texte entstanden, in denen sie alle ihren Auftritt hatten: Hier sind sie (bzw. die Links zu ihnen) versammelt.

Und Gerda (die ja schon so viele herrliche Generator-Geschichten verfasst hat), beschenkte mich darüberhinaus in ihrem Beitrag als Einstieg mit diesem Zitat, das wie geschaffen scheint als Motto für die Idee des Geschichten-Generators:

„Luigi Pirandello behauptet (in seinem Vorwort zu dem Theaterstück Sechs Personen suchen einen Autor von 1926), dass er eine Magd habe, Fantasia mit Namen, und “die macht sich einen Spaß daraus, mir Leute ins Haus zu schleppen, damit ich Novellen, Romane und Theaterstücke aus ihnen mache; es sind die unzufriedensten Leute der Welt, Männer, Frauen, Kinder, die in Geschehnisse verwickelt sind, aus denen sie keinen Ausweg mehr finden, die gescheitert sind in ihren Plänen, betrogen in ihren Hoffnungen, und der Umgang mit ihnen kostet natürlich oft große Mühe. – Nun kam meiner Magd Phantasie (…) der unglückliche Gedanke oder, sagen wir, der verhängnisvolle Einfall, mir eine ganze Familie ins Haus zu führen. Ich könnte nicht sagen, wo oder wie sie sie aufgegabelt hatte. Ihrer Ansicht nach hätte ich jedenfalls den Stoff für einen wunderbaren Roman aus ihr herausholen können.” Mir ging es wie Pirandello, mit dem Unterschied, dass ich weiß, wer mir die Figuren ins Haus geschleppt hat: Jutta Reichelt mit ihrem Geschichtengenerator …“

Und heute? Heute haben wir es mit Viktor zu tun, den ich mir als einen jüngeren Mann vorstelle. Aber könnte er nicht auch schon älter sein? Früher stand er im Ruf, Schwierigkeiten mit dem „Nein-Sagen“ zu haben, aber das ist schon länger her. Ein bisschen kopflos ist vielleicht er noch immer. Oder ist auch das nur ein Gerücht? Hat er „die anderen“ vielleicht im Gedränge verloren oder befindet er sich in echter Gefahr?

Wie immer freue ich mich auf Ideen, Anfänge, kleine oder größere Skizzen, Bilder oder was auch immer euch (ganz entgegen meinen ursprünglichen Absichten) alles einfallen mag!