Machen Sie es sich so leicht wie möglich – es wird noch schwer genug

Wer Geschichten schreiben möchte, muss zunächst vor allem eines tun: Schreiben! Das ist für viele eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Die gute ist: Wir haben es selbst in der Hand, es kommt viel weniger, als die meisten denken auf so etwas wie „Talent“ an. Die schlechte ist: Wir haben es selbst in der Hand … Es gibt kein „Geheimwissen“, keine „Tricks“, es ist, wie bei allen anderen Betätigungen auch: Wir müssen es machen! Wir brauchen Praxis, um Kochen zu lernen oder ein Instrument zu spielen, wir müssen laufen, wenn wir von einem Marathon träumen – und zwar ziemlich oft und ausdauernd.

Angeblich brauchen wir 10000 Stunden, um es in einem Bereich zu einer gewissen „Könnerschaft“ zu bringen – und selbst wenn wir nicht (und noch nicht einmal insgeheim) auf Könnerschaft oder Erfolg schielen – wir werden „gute“ Geschichten nur schreiben können, wenn wir in eine regelmäßige Schreibpraxis finden und wir werden die Zeit dafür nur aufbringen, wenn das Schreiben uns (zumindest auch) Freude bereitet. Warum ich das so betone? Weil ich immer wieder die irritierende Erfahrung mache, wie eng die Vorstellung vom gelungenen Text mit der Vorstellung einer Anstrengung verbunden ist. Das, was uns leicht aus der „Feder fließt“, ist fast immer ein besserer Ausgangspunkt, als dasjenige, was wir uns unter Mühen abringen. Wenn es uns ernst ist mit dem Versuch des Schreibens, dann sollten wir es uns überall dort, wo es nur möglich ist, leicht machen – es wird auch dann noch schwer genug;-)

Das ist also das erste große Zwischenziel: Herauszufinden welche Texte, welche Geschichten in uns eine Schreiblust auslösen. Offen dafür zu werden, dass wir „im Grunde unseres Herzens“ vielleicht eine  Liebesgeschichte mit Happy End schreiben wollen – obwohl wir doch viel lieber die Verfasserin eines blutigen Thrillers wären. Vielleicht erwarten wir avancierte Literatur von uns und lesen doch mit größter Begeisterung historische Romane. Zumindest beginnen sollten wir dort, wohin der Stift uns drängt (oder die auf der Tastatur eilenden Finger).

Und wenn wir das nicht wissen? Dann bleibt nur eins:

Ausprobieren. Experimentieren. Erste Sätze schreiben. Vielleicht einen Absatz. Oder eine Schlüsselszene. Den entscheidenden Dialog. Die Beschreibung des Ortes, an dem „es“ beginnt oder endet oder seinen Höhepunkt erreicht. Und abbrechen, wenn es mühsam wird – aber sofort an einer anderen Stelle die Suche nach der Schreibfreude wieder aufnehmen!

Wem das zu allgemein ist: Erfinden Sie eine Figur, die in Schwierigkeiten steckt! (Und weil Geschichten fast immer von Menschen erzählen, die in Schwierigkeiten stecken, schadet es nicht, wenn Sie sich direkt einen kleinen Vorrat anlegen.) Was ist das für jemand, wie lebt er oder sie? Aussehen? Wer wohnt in der Nachbarschaft? Beruf? Was für Schwierigkeiten sind das? Sie müssen nicht die erstbeste nehmen, suchen Sie sich etwas aus, das sich „ergiebig“ anfühlt. Versuchen Sie die Frage im Hinterkopf zu behalten und schreiben Sie jede neue Schwierigkeit auf, die Ihnen einfällt.

Erfinden Sie ein Ekelpaket oder eine schüchterne Schülerin, einen gewalttätigen Anwalt oder einen Fußballer, der einen Schiri umbringt. Schreiben Sie einfach los. Kümmern Sie sich nicht um Rechtschreibung oder Grammatik, um Stil oder guten Ausdruck. Vergessen Sie bitte den Deutschunterricht (oder versuchen Sie es wenigstens!). Wir werden uns später auch um diese Dinge kümmern – aber jetzt tun Sie erst einmal etwas für Ihre Phantasie: Spielen Sie!

3 Comments

  1. Hallo Jutta, Du hast so recht…Ich bin wieder in dem alten Trott…arbeiten, essen, schlafen. Und ich vermisse den Kurs und ich bewundere Thomas, wie er neben der Arbeit Zeit findet, zu schreiben. Aber natuerlich habe ich es selbst in der Hand und habe es mir für den anstehenden Winter auch fest vorgenommen. Oder vielleicht meinen Blog wieder aufleben lassen? Mal sehen. Aber sehr schoen, dass man von Dir lesen kann. Liebe Gruesse aus Holland, Katrin

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    1. Hi Katrin, wie schön von dir zu lesen! Und ehrlich gesagt: ab und zu gibt es eben Unternehmungen, die sind noch wichtiger, als zu schreiben. Mein Gefühl sagt mir, dass du im Herbst wieder „einsteigst“ – und es würde mich freuen, wenn du hier vielleicht die ein oder andere Anregungen fändest … Herzliche Grüße! Jutta

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