(35) Der einzige Schreibtipp, von dem ich wirklich überzeugt bin …

… ist wie alle Schreibtipps nichts für jede/n. Aber diejenigen, die immer wieder mit sich selbst im Allgemeinen oder ihrer mangelnden „Disziplin“ im Besonderen hadern oder die gerne regelmäßiger schreiben würden, könnten einmal folgendes ausprobieren:

Beginne damit eine Stunde in der Woche zu schreiben. Schreib dir diese Schreibzeit als Termin in deinen Kalender. Wenn es möglich ist, wähle einen festen Termin, aber das ist nicht entscheidend. Es ist auch nicht entscheidend, wieviel du in dieser Stunde schreibst oder ob es gut ist. Wenn dir nichts einfällt, ist es vollkommen in Ordnung, wenn du „nur“ versuchst ein bisschen zu Ruhe zu kommen oder dich umsiehst, da wo du sitzt.
Das einzige, das wirklich entscheidend ist: Dass du nichts anderes machst. Nichts liest. Kein Internet, keine WhatsApp, kein Handy. Stell dir einen Wecker und wenn du eine Stunde vor deinem leeren Papier gesessen hast, hast du deine Aufgabe erfüllt. Wichtig ist, dass du diese eine Stunde pro Woche durchhältst.
Du kannst du dir vorher irgendeine Schreibanregung (hier auf dem Blog oder sonstwo) aussuchen, ganz wie du willst.
Du darfst, wenn du möchtest, auch länger als eine Stunde schreiben, aber selbst wenn du drei oder vier Stunden schreiben solltest (was schon sehr viel ist, wenn man nicht regelmäßig schreibt), „musst“ du in der nächsten Woche wieder die eine Stunde dasitzen. Du darfst weder vor- noch nacharbeiten. Und du solltest dir so wenig Gedanken wie möglich über die Qualität des Geschriebenen machen. Dein einzige Aufgabe ist: Eine Stunde pro Woche nichts anderes zu machen als zu schreiben.

Dieser Schreibtipp ist mein absoluter Lieblingsschreibtipp. Ich bin absolut überzeugt, dass es unmöglich ist, das 8-10 mal zu machen, ohne dass es eine gravierende positive Veränderung im Schreiben bewirkt. Ich kenne mehrere Menschen, denen es so gelungen ist, in eine regelmäßige Schreibpraxis zu finden. Aber es gibt einen Haken: Obwohl es sich relativ leicht anhört, fällt es vielen doch schwerer, als sie anfangs dachten. Ich bin mir nicht sicher, warum.

Vielleicht hat jemand von Euch Lust, es mal auszuprobieren? Habt Ihr feste Schreibroutinen? Ich freue mich auf Eure Erfahrungsberichte, Fragen oder Hinweise!

9 Kommentare

  1. Liebe Jutta, das beantwortet eine Frage an dich, bevor ich sie gestellt habe – ich werde es ausprobieren. Viele Grüße!

  2. Seitdem ich angefangen habe mir in einer Memo-App zwischendurch Impulse, Ideen und Gedanken zu notieren, zu denen ich gerne schreiben möchte, habe ich nicht mehr das Problem, dass ich nicht weiß, worüber ich schreiben könnte. Aber tatsächlich hapert es an der Umsetzung – dem Zeit nehmen für das, was einem doch eigentlich Freude macht und bereichert. Ich brauche wohl auch einen festen Schreibtermin, danke für den Tipp!

    1. Sehr gerne! Und ja, das Sammeln von Ideen oder losen Sätzen hat sich bei mir auch sehr bewährt (nachdem ich festgestellt habe, dass ich doch auch vieles von dem vergesse, von dem ich dachte, ich würde es niemals vergessen 😉 Und durch das gelegentliche Aufschreiben, durch das Aufmerksamwerden rückt das Schreiben als ein selbstverständlicher Teil der eigenen Existenz auch stärker ins Bewusstsein, auch das kann helfen.

  3. eine stunde pro woche schreiben, das ist ja nichts! hört sich für mich wirklich sehr wenig an. ich werde das mal ausprobieren. obwohl ich jeden tag schreibe (tagebuch, meist auch lyrik), will ich es mal mit diesem gezielten hinsetzen probieren. ich würde gern mal wieder prosa schreiben. das soll mein unterliegendes ziel sein. ich hoffe, eine zielrichtung ist nicht schädlich für diese übung. danke für die empfehlung. besonders das: nicht überarbeiten, nichts dran machen und wenn nichts entsteht, ist es auch gut, das gefällt mir sehr. danke dir. und eine gute woche für dich weiterhin. liebe grüße aus berlin

    1. Nein, eine Zielrichtung ist überhaupt nicht schädlich! Und ja, es ist genau wie du sagst: „nicht überarbeiten, nichts dran machen und wenn nichts entsteht, ist es auch gut“ – darauf kommt es an. Manchmal vergleiche ich es mit dem Joggen, wo es auch am Anfang auf nichts anderes ankommt, als dass man es macht. Dasitzen und warten, was geschieht, ob etwas geschieht, welche Sätze, Stimmungen, Ideen mir in den Sinn kommen, ist eine Praxis, in die wir erst allmählich hineinfinden und die auch eine unbehagliche Seite hat (s. auch https://juttareichelt.com/2020/03/26/tag-5-jeder-text-ist-ein-neues-wagnis/).
      Liebe Grüße auch von mir

Ich freue mich über Kommentare!

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