(26) Luise, der heimliche Star meiner Schreibwerkstätten …

Wenn ich den Geschichten-Generator in meinen Schreibwerkstätten nutze, dann lasse ich die Teilnehmer:innen meist einfach drei Karten ziehen: eine Figur, einen Ort und einen Satz. Und normalerweise ist es mir vollkommen egal, welche Karten gezogen werden. Das ist ja die Grundidee des Generators: dass alle Kombinationen irgendwie zusammenpassen – aber auch nicht zu sehr, so dass eine Art „Vorstellungsraum“ entsteht.

Aber manchmal, wenn die Teilnehmer:innen z. B. in der Vorstellungsrunde große Zweifel an ihren kreativen Fähigkeiten geäußert haben oder wenn sich gerade die große Mittagsmüdigkeit ausgebreitet hat, dann wünsche ich mir, dass die Karte mit „Luise“ gezogen wird. Luise, die „ältere Dame mit Hut“ ist der Star meines Generator-Personals. Ob die Teilnehmer:innen ebenfalls als „ältere Damen“ (oder Herren) in Frage kommen oder ob es sich um eine Schulklasse handelt, ob wir uns am Anfang oder eher am Ende eine Schreibworkshops befinden: Luise sorgt immer für Trubel. Und was natürlich viel wichtiger ist: für Ideen. Es spielt keine Rolle, wo sie auftaucht, was sie sagt oder wem sie begegnet: Aus Gründen, die vermutlich ihr Geheimnis bleiben werden, ist sie immer für eine kleine (und manchmal auch für eine richtig „große“) Geschichte gut.

Heute ist sie auf einem Schulhof unterwegs und fragt: „Wo sind die anderen?“ Oder fragt sie das gar nicht selbst – wird sie das gefragt? Vielleicht ist sie auch gar nicht auf dem Schulhof unterwegs, sondern spaziert  an einem vorbei, auf dem gerade …? Oder wäre es vielleicht auch möglich, dass sich selbst Luise (allen Starqualitäten zum Trotz) einmal in die zweite Reihe begibt, dass sie eine Figur im Hintergrund bleibt, eine, die vielleicht nur mal durchs Bild läuft? Oder auf einem Bild zu sehen ist, auf dem … Alles ist möglich, alles ist erlaubt!

Gerade ist es für viele schwierig zu schreiben und ich habe nun schon öfter erwähnt, dass ich das in diesen Zeiten vollkommen naheliegend finde. Ich bin keine Freundin vorn irgendwelchen „Wer schreiben will, muss xy Stunden oder Seiten oder was auch immer schreiben“-Regeln. Aber ich bin  eine große Freundin davon, sich immer wieder auf die Suche nach der Schreibfreude zu machen. Zu überlegen, wie man es sich vielleicht etwas leichter machen kann. Wie man, vielleicht ja auch ganz anders als sonst, dem Schreiben verbunden bleiben könnte. Vielleicht durch kleine Tagebuchnotizen, vielleicht durch das Sammeln von Einfällen (oder vielleicht nur Namen?) für Figuren, vielleicht durch das Abschreiben von Anfängen gelesener Bücher. Und vielleicht kann ja auch Luise einen kleinen Schwung Schreib- oder Erfindungsfreude auslösen. Es muss ja nicht gleich eine ganze Geschichte werden!

Ich freue mich auf Eure Einfälle, Ideen, Erfahrungen!

6 Kommentare

  1. Ich bin mal gespannt, ob es jetzt klappt mit einem Kommentar.. Luise hat auch mich gerettet 😉

    Luise steht auf dem leeren Schulhof und blickt sich verwirrt um. Wo sind die anderen Kinder? Gerade hatte es auf zum Ende der Stunde geläutet und alle sind hinaus gerannt zur großen Pause. Luise rannte Hand in Hand mit ihrer Freundin Lotte die Stufen hinunter und hinaus auf den Hof. Wie jeden Tag wollten sie sich schnell und vor den anderen den Platz auf dem tiefhängenden breiten Baumast der alten Eiche sichern, auf dem man so schön im Schatten sitzen konnte und den Blick über den ganzen Schulhof hatte. Hier war man auch sicher vor dem Gedränge und Geschupse oder Attacken von unangenehmen Schulkameraden, die sich gern aufplusterten, in dem sie Jüngere drangsalierten. Hier oben konnte man kleine Geheimnisse teilen oder auch einfach zusammen schweigen. Es war eine kleine Welt für sich und der Lieblingsplatz von Lotte und Luise.

    Nun stand Luise auf dem Schulhof und sie konnte weder Lotte entdecken noch jemand anderen. Auch der Baum war plötzlich weg. Luise fing an zu weinen. Es machte ihr Angst, was gerade passierte und sie fühlte sich so alleine. Da spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Jemand sagte sanft ihren Namen: „Luise!“ Sie drehte sich herum. Vor ihr stand eine alte Frau, sie lächelte sie liebevoll an. „Ich bin’s, Luise! Ich bin’s! Lotte!“ Sie griff nach Luises Hand. „Komm, lass uns nach Hause gehen.“

  2. Ich habe die Rückmeldung bekommen, dass der eigentliche Plot gar nicht verstanden wurde.. Hier also noch mal korrigiert: (mit der neugierigen Frage, ob du das denn gleich so verstanden hattest?)

    Luise, eine ältere Dame mit Hut, stand auf dem leeren Schulhof und blickte sich verwirrt um. Wo waren die anderen Kinder? Sie erinnerte sich, dass es gerade zur großen Pause geläutet hatte und alle hinaus gerannt waren. Luise war Hand in Hand mit ihrer Freundin Lotte die Stufen hinunter gerannt, hinaus auf den Hof.

    Wie jeden Tag wollten sie sich schnell und vor den anderen den Platz auf dem tiefhängenden breiten Baumast der alten Eiche sichern, auf dem man so schön im Schatten sitzen konnte und den Blick über den ganzen Schulhof hatte. Hier war man auch sicher vor dem Gedränge und Geschupse oder Attacken von unangenehmen Schulkameraden, die sich gern aufplusterten, in dem sie Jüngere drangsalierten. Hier oben konnte man kleine Geheimnisse teilen oder auch einfach zusammen schweigen. Es war eine kleine Welt für sich und der Lieblingsplatz von Lotte und Luise.

    Nun stand Luise auf dem Schulhof und sie konnte weder Lotte entdecken noch jemand anderen. Auch der Baum war plötzlich weg. Luise fing an zu weinen. Es machte ihr Angst, was gerade passierte und sie fühlte sich so alleine. Da spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Jemand sagte sanft ihren Namen: „Luise!“ Sie drehte sich herum. Vor ihr stand eine alte Frau, sie lächelte sie liebevoll an. „Ich bin’s, Luise! Ich bin’s! Lotte!“ Sie griff nach Luises Hand. „Komm, lass uns nach Hause gehen.“

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