Man muss nicht jeden Tag schreiben – und schon gar nicht am Anfang!

Ich war auch in diesem Sommer in Bassum und habe im Rahmen der Sommerakademie der VHS Diepholz zwei Schreibkurse angeboten. Auch dieses Jahr hat sich sowohl mit den Teilnehmer.innen als auch mit den anderen Kursleitenden ein sehr anregender, sehr inspirierender Austausch ergeben. Auch dieses Jahr kam gegen Ende des Kurses die Frage auf: Wie lassen sich die guten Vorsätze auch „zu Hause“ den „Faden nicht zu verlieren“ umsetzen? Gibt es Tricks? Wem es gelingt es auf welche Weise? Wer kann was empfehlen?

Diese Frage taucht in Schreibwerkstätten regelmäßig auf – kaum jemand, der oder die schreibt und diesem Problem noch nie begegnet ist. Mich hat es sehr viele Jahre begleitet und unglücklich gemacht und dass es sich bei der Schwierigkeit, in einen regelmäßigen, halbwegs mühelosen Schreibprozess zu finden, nicht um die Charakter- oder Disziplinschwäche handelt, die ich lange darin gesehen habe, weiß ich erst, seit sich dieses Problem für mich aufgelöst hat: mittlerweile schreibe ich in jeder freien Minute und habe doch vermutlich noch immer den selben Charakter …

Die Frage nach Ursachen und Lösungen überschreitet den Rahmen dieses Beitrags bei weitem, aber ich möchte von einem Tipp berichten, den ich für wirklich sinnvoll halte – jedenfalls für den Anfang: Jede Woche eine Stunde pro Woche im Kontakt bleiben (oder kommen) mit dem Schreiben durch: Drauflos schreiben, Notizen machen, übers Schreiben nachdenken, Ideen notieren, „richtig“ am Text selbst schreiben oder auch „nur“ dasitzen und vor sich hin schauen – alles ist erlaubt, es muss nicht geschrieben werden, aber es darf auch nichts anderes gemacht werden!

Wichtig ist: Auch wer in der einen Woche viel mehr geschrieben hat, „muss“ in der folgenden Woche wieder „ran“. Die eine Stunde ist Pflicht und manchen hilft es, sie sich in den Kalender einzutragen. Und manchen hilft es vielleicht, eine Challenge daraus zu machen, habe ich gedacht und mich an das lustige „Formular“ erinnert, das Austin Kleon, den ich ungemein schätze und dessen Newsletter ich schon viele Anregungen zum kreativen Prozess entnommen habe, auf seiner Homepage zum Download zur Verfügung stellt.

Deswegen habe ich für die Teilnehmer.innen der Sommerakademie nach dem Motto „Wie überbrücke ich das Jahr, das zwischen zwei Sommerakademie-Kursen liegt“, den auf dem Foto abgebildeten Zettel verteilt – zum Häkchen machen. Eine Stunde pro Woche – das könnte vielleicht ein Anfang sein …

Viele scheitern nämlich gerade zu Beginn an viel zu „großen“ Vorsätzen, die sich leider auch in vielen Schreibratgebern befinden, Wer nicht mindestens eine Stunde am Tag schreibe, könne alle Hoffnung fahren lassen, habe ich schon öfter gelesen. Aber das ist Quatsch! Auch wer eines Tages einen Marathon laufen möchte, fängt mit kleinen Umfängen an, wenn er untrainiert ist – und sollte alles dransetzen als erstes die Lust am Laufen zu finden. Beim Schreiben ist es nicht anders. Wir tun gut daran, erstmal herauszufinden, wie und wo und wann uns das Schreiben Freude macht, wie wir uns den Einstig erleichtern können (zum Beispiel durch Austausch und Resonanz). Und wir sollten die „Umfänge“ (wenn überhaupt) erst steigen, wenn wir die eine Stunde pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Wochen gut hinbekommen haben.

Vielleicht könnte diese oder eine ähnliche Challenge auch etwas für die Leser.innen meines Blogs sein, habe ich gedacht und würde mich freuen, wenn Ihr von euren Erfahrungen berichtet oder davon, was euch den Einstieg oder das „Dranbleiben“ erleichtert!

7 Kommentare

  1. Was für eine gute Idee. Ich habe bisher auch immer von diesem „du musst jeden Tag“ gehört oder gelesen. Ich denke, dass 1x pro Woche tatsächlich viel realistischer und auch besser einzuplanen ist. Zunächst 🙂 Ich baue das ein und werde versuchen, zu berichten. Danke dir (und ich habe die tiefe Hoffnung, dass ich es nächstes Jahr schaffe, mich zu einem Seminar bei dir anzumelden. Hast du evtl schon Termine, dann könnte ich das jetzt schon einplanen 🙂 Danke dir und liebe Grüße. Sabine

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    1. Freut mich sehr, dass die Idee dich anspricht und ich bin gespannt, welche Erfahrungen du damit machst! Meine Kurse in der zweiten Jahreshälfte habe ich gerade hier auf dem Blog aktualisiert und du findest sie unter https://juttareichelt.com/werkstatten-und-kurse/ Und ich spiele mal wieder mit dem Gedanken, im kommenden Jahr mal auszoprobieren, was passiert, wenn ich einen Wochenendkurs in Bonn anbieten würde 😉 Das würde die Sache für dich ja vermutlich vereinfachen 😉 Beste Grüße!

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      1. Über meine Erfahrungen werde ich auf jeden Fall berichten und Bonn klingt super!!!!! Da wäre ich auf jeden Fall dabei (und wahrscheinlich auch noch so ein oder zwei andere Menschen, die ich kenne). Ansonsten schaue ich mir dein Programm mal an – hoffe aber auf Sommer 2020 🙂 Liebe Grüße nach Bremen

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    1. Solange ich geraucht habe, habe ich das auch so empfunden. Seit ich nicht mehr rauche, habe ich das Gefühl, dass ich mich insgesamt besser und länger konzentrieren und auf das Schreiben einlassen kann – aber das hat bei mir sicherlich auch noch andere Gründe …

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