Mission „Geheimtipp“ – jetzt gehts erst richtig los!

Viele Jahre habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, woher meine Leser:innen kommen könnten, wenn ich sie denn eines Tages einmal bräuchte. Meine besorgten Gedanken galten nicht dem (Selbst)-Marketing, sondern dem lesenswerten Text. Welche Geschichte sollte es sein? Aus wessen Perspektive und in welcher Tonlage? Wo sollte sie einsetzen und welche Leerstellen durfte sie, musste sie enthalten? Das alles war schon schwierig genug – und es war vielleicht noch nicht einmal die größte Herausforderung.

„Manchmal ist es nötig, erst zu dem Menschen zu werden, der das Buch schreiben kann, das man schreiben muss“, sagt Jonathan Franzen und treffender könnte ich nicht beschreiben, womit ich in den vergangenen Jahren „dann auch noch“ beschäftigt war. Angesichts der Brocken, die ich zu wälzen hatte, fehlten mir die Zeit und auch die Bereitschaft, mich mit noch sehr ungelegten Eiern zu beschäftigen.

Sollte ich tatsächlich eines Tages erfolgreich sein auf der Suche nach dem „Text, der darauf wartete, von mir erzählt zu werden“, dann würde sich der Rest schon finden, dachte ich. Vielleicht würde manches etwas länger dauern als bei anderen, vielleicht auch etwas bescheidener ausfallen, aber im großen und ganzen würde dieser Text dann doch irgendwie seine Leser:innen finden. Manchmal denke ich das heute auch noch …

Aber die meiste Zeit kommt mir meine frühere Zuversicht doch ein wenig naiv vor, zumal ich auch bei Autoren-Freund:innen bereits in der Vergangenheit ja nachdrücklich erlebt hatte, dass Texte, die mich begeistert hatten, in der Öffentlichkeit fast unbemerkt blieben. Und nun registriere ich erstaunt, wie wenig Auswirkungen die (sehr) positive Resonanz hat, die mein Roman „Wiederholte Verdächtigungen“ bei denjenigen, die ihn gelesen haben, erzielt (wer sich hinsichtlich „professioneller Reaktionen“ davon überzeugen möchte, werfe einen Blick auf diesen Überblick … – wer sich für Leserreaktionen interessiert, könnte sich die Rezensionen bei Amazon ansehen, die überwiegend aus der Leserunde hervorgegangen sind, die ich bei lovelybooks durchgeführt habe).

Kann ich selbst etwas daran ändern, dass ich ständig gegen die Gummiwand meiner mangelnden Bekanntheit zu laufen scheine, wenn es z. B. um Einladungen zu Lesungen, Festivals, in Literaturhäuser oder Buchhandlungen geht? Und das, owohl mein Verlag Klöpfer & Meyer engagiert und ideenreich die (natürlich überschaubaren) Ressourcen einsetzt. Und wo könnte ich vielleicht Rat und Unterstützung finden?

Ein Freund empfahl mir eine Beratung bei den Ideenlotsen und ich hatte schnell das Gefühl, dass das passen könnte: Niemand zerrt an mir herum oder gibt mir das Gefühl, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, solange ich auf meinen albernen facebook-Widerstand nicht verzichten will. Stattdessen bin ich von Menschen umgeben, die selbst zumindest über ein künstlerisches Spielbein verfügen und jahrelange Erfahrung in der Beratung von „Kreativen“ besitzen.

Und allmählich bewegt sich etwas in meinem Kopf: Es geht vielleicht gar nicht darum, ein feststehendes „Marketing-Programm“ pflichtschuldig abzuspulen. Es geht vielleicht auch anders. Gut gelaunt und auf Wegen und an Orten, an denen ich mich wohl fühle. Die zu meinen Texten und zu mir passen. Zugegeben, da ist manches auch in meiner Vorstellung noch ein bisschen vage, noch im Entstehen begriffen. Auf jeden Fall werde ich versuchen, einen Teil der Energie, der Hingabe und Kreativität, die ich in das Schreiben der „Wiederholten Verdächtigungen“ gesteckt habe, nun auch in Möglichkeiten ihrer Verbreitung zu stecken.

Und ich werde hier darüber berichten. Über die vielen kleinen Ideen und Erlebnisse, die mit der „Mission Geheimtipp“ zu tun haben. Ich hoffe dabei auf Eure kritischen Vorschläge und Anmerkungen. Vielleicht werde ich auch mal darüber schreiben, dass manches so, wie es im Literaturbetrieb läuft, nicht gut ist – aber es scheint mir die Situation so vieler Menschen so viel schwieriger als meine, dass ich wild entschlosen bin, auf jegliche Jammerei zu verzichten. Was mir auch die allermeiste Zeit nicht schwer fällt. Allein schon, weil meine Mission schon jetzt eine ganze Reihe sehr erfreulicher Überraschungen für mich bereit gehalten hat.

 

18 Comments

  1. Das Zitat von J. Franzen ist wirklich eine perfekte Beschreibung dessen, was ich auch empfinde. Danke dafür!
    Nach einer 17 jährigen Ehe mit einem bildenden Künstler, – Penck Meisterschüler und Absolvent der Universitäten Wien und Düsseldorf, also eigentlich bestens gerüstet – kann ich nur sagen, dass die Vermarktung von Kunst generell auch mit viel Glück verbunden ist. Da ich auch eigene Erfahrungen im Musikbusiness habe, bin ich völlig desillusioniert. Es scheint in allen Kunstbetrieben, egal ob Literarur, Kunst oder Musik, ähnlich zu laufen.DIe Qualität ist gar kein Maßstab, leider. Auch hier geht es nur um eines, nämlich Profit, und da wirken die Gesetze der Marktwirtschaft. Entweder man passt zum vermeintlich angesagten Trend oder eben nicht. Wenn man das Glück hat, jemanden zu finden, der Zeit und Geld und Netzwerk hat und bereit ist, das zu investieren, dann kann es vorangehen. Allerdings ist es in allen Bereichen so, dass man jung genug sein muss, damit auch noch genug Zeit bleibt, um „die Kuh zu melken“. Vor allem im Land der Dichter und Denker ist kaum noch Bereitschaft da, ein Risiko einzugehen. Lieber verlegt man Bestseller aus dem Ausland als in einen Autor aus dem eigenen Land zu investieren. Trends werden auch gemacht, allein der Hype um das unsägliche „shades of grey“ hat das mehr als deutlich gezeigt. Trptzdem sollte man seine Träume nicht begraben. Ich finde es gut, dass du weiterkämpfst und nach anderen Möglichkeiten suchst und wünsche dir viel Erfolg! Die Zukunft liegt im networking, da bin ich mir sicher. Das geht natürlich via facebook und twitter einfacher als ohne 🙂
    Dein blog ist jedenfalls eine wahre Fundgrube und ich bin froh, ihn entdeckt zu haben.
    Liebe Grüße
    Carmen

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    1. Liebe Carmen, vielen Dank für deinen Kommentar! Der Franzen-Satz stammt aus einem insgesamt lesenswerten Aufsatz über „Autobiografische Literatur“ und enthält noch mehr wirklich erhellende Überlegungen. Und natürlich freue ich mich sehr über die „Fundgrube“.
      Was die „großen“ Themen betrifft, kommt es mir so vor, als wenn die bildenden Künstler:innen, auch die Musiker:innen schon viel länger dieser Lotterie ausgesetzt sind. Denn auf eine paradoxe Weise geht es ja oft eben nicht um „Leistung“, um „Qualität“. Mittlerweile wissen wir, welche Rolle Herkunft in der Schule und am Arbeitsplatz spielt und auch wenn das nicht 1:1 übetragbar iat, scheint es mir doch ein ähnliches Phänomen zu sein. So, dass ich, als eine die überhaupt keine Sympathien für die Leistungsgesellschaft hat, mittlerweile fast bedauert, nicht in einer solchen zu leben … Herzliche Grüße!

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  2. Kommt mir vage bekannt vor, was du da schreibst, liebe Jutta. 😉
    Werde deine Mission „Geheimtipp“ mit großem Interesse verfolgen und wünsche schon jetzt neben Erfolg (!) auch viel Spaß beim Finden und Beschreiten neuer Marketing-Wege.

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    1. Liebe Maren, ja, das kann ich mir vorstellen, dass das für dich viel weniger Neuland ist, als für mich! Freue mich sehr über deine guten Wünsche und bin selbst gespannt, wie sich die Dinge entwickeln. Dass ich bei den „Ideenlotsen“ gelandet bin und an deren „Jahresprogramm“ teilnehme, macht es mir jedenfalls sehr viel leichter, die entsprechende innere Haltung zu entwickeln – und einen gewissen Sportsgeist 😉

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      1. Liebe Jutta, das glaube ich ja nun nicht, dass das Thema für mich weniger Neuland ist als für dich. Die Bücher (Biografien, Firmengeschichten etc.), die ich schreibe, sind ja ganz überwiegend Privatdrucke, also Auftragsarbeiten. Das hat schon auch Gründe. 😉 Sehr toll finde ich, das vergaß ich gestern zu schreiben, dass dein Verlag offenbar rührig ist (ist ja keine Selbstverständlichkeit mehr) und auch, dass du dir (moralische) Unterstützung bei den „Ideenlotsen“ gesucht hast. Herzliche Grüße!

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        1. Liebe Maren, aber gerade weil du es mit direkten Aufträgen zu tun hast auf einem, wie mir scheint, schwierigen Markt, hast du dir doch sicherlich schon mal ein paar Gedanken darüber gemacht, wie und wo du deine Kunden finden und ansprechen kannst?
          Und ja: Ich bin auch wirklich sehr froh, dass das ein tolles Team ist bei Klöpfer & Meyer, das engagiert und zuverlässig und dann auch noch ganz überwiegend gutgelaunt einen richtig guten Job macht! Herzliche Grüße!

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  3. Ich kann mich gingerpoetry nur anschließen.
    Allerdings bin ich nicht überzeugt davon, dass Facebook einen Nutzen (für mich) hat. Vielleicht bin ich dort aber auch nicht in den richtigen ‚Clubs‘, nehme nach einem Dreivierteljahr nur sehr wenig mit. Das Vernetzen mit anderen Autoren funktioniert dort zwar gut, aber Kontakte bekomme ich auch und angenehmer über Schreibgruppen und Ähnliches.
    Bisher habe ich Lesungen als erolgreich erlebt, auch wenn ich lange nicht die Besucherzahlen aufweise wie du, Jutta. Deine Premierenlesung war so gut! Und hat hoffentlich den Verkauf merklich beeinflusst. Willst du das nicht wiederholen? Wichtig dabei ist sicher die Aufmerksamkeit der Presse. Unser Weserkurier ist etwas zögerlich geworden, wenn es um Literatur geht. An deiner Stelle würde ich aber die Kontakte nutzen, die du hast. Schamlos! Gnadenlos! Dein Buch und auch deine Kurzgeschichten, die ich gerade gelesen habe, sollten unbedingt unters Volk!
    Hier ein paar weiter Ideen: Wie ist es mit einem eigens gelesenen Hörbuch? Mein Verleger macht tasächlich gerade Aufnahmen. Sehr überzeugt von der Qualität bin ich noch nicht, habe aber auch noch nicht reingehört. Ich weiß nicht, ob dein Verlag die Möglichkeiten und das Interesse hat.
    Dann wird gemunkelt, dass Autoren sich über Videos gut präsentieren lassen.
    Angeblich haben auch Blogger einen großen Einfluss auf die Verkaufszahlen. Oder auch nicht, wenn das Buch schlecht bewertet wird.
    Noch etwas zu den Lesungen: Ich kümmere mich selbst darum, habe mir jede Menge Adressen zusammengesucht, die ich nach und nach anschreibe. Lieber wäre es mir allerdings, wenn sich der Verlag darum kümmern könnte. Will er auch, ist mir aber zu langsam. Die Professionalität eines Verlags bringt bei den Anfragen größere Erfolge, nehme ich zumindest an.
    Ja, es ist ein mühseliges Geschäft, aber das wusste ich vorher. Solange ich Lust habe zu investieren, tue ich das. Facebook allerdings raubt mir mehr Energie, als das es mir nützt. Vielleicht ist es wichtig zu gucken, für welches Medium der Aufwand lohnt.

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    1. Liebe Sylvia, herzlichen Dank für die Schilderungen deiner Erfahrungen und Ideen – und natürlich für die Zustimmung zu meiner Lesung und den Texten, das freut mich wirklich sehr! Videos stehen tatsächlich relativ weit oben auf meiner Liste und sicherlich wird es auch im Herbst noch mal ein paar Lesungen geben und vielleicht gelingt es mir tatsächlich noch etwas mehr Wind zu machen 😉 Herzliche Grüße und für dich und dein Buch natürlich auch alles Gute!

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  4. Liebe Jutta,
    ich wünsche Dir sehr, dass die Wiederholten Verdächtigungen noch (un)heimlicher bekannt werden – als das sehr gute Buch, das es ist. Und ich hoffe, Deine Mission wird noch erfolgreicher als irgendeine von 007 – Dein Name sei Reichelt, Jutta Reichelt (bei Filmstars heißt es ja immer, die haben es geschafft, wenn man nur noch von „der Kidman“, „der Loren“ etc. spricht). Ja, und Trommeln gehört zum Geschäft – ich verstehe wiederum die Autoren, Kunstschaffenden etc. nicht, die meinen, ihr Werk müsse an sich überzeugen und jede Form von Marketing ablehnen. Das ist halt nicht mehr so in dieser Welt. Aber: Werbung muss authentisch sein – und beim Blick auf die Ideenlotsen habe ich ein gutes Gefühl!
    Und sage nur noch: Weiter so!!!

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  5. Liebe Birgit, dein Zuspruch und vor allem deine Einschätzung der „Wiederholten Verdächtigungen“ bedeuten mir viel – das hatte ich ja gelegentlich schon mal erwähnt 😉 Und dass du jetzt aber auch Sehr konkrete Marketing-Ideen beisteuerst (incl. Slogan) ist natürlich richtig große Klasse!
    Was die großen Fragen betrifft, da bin ich ja fast immer zwiespältig, also stimme ich dir einerseits zu: ja, raus gehen, den Text unter die Leute bringen und auf halbwegs vernünftige Fragen Antworten geben, das gehört dazu und finde ich (für mich) absolut zumutbar. Und nein: Um wieviel tolle Texte wäre die Literatur ärmer, wenn die ganzen Stubenhocker:innen und Einzelgänger:innen und all die, die Zähne nicht auseinander bekommen und störrisch und eigensinnig ihre einsamen Wege gehen, wenn nicht zumindest manche von denen zu Verlagen, Preisen usw. gekommen wären?
    Allerbeste Grüße!

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  6. Liebe Jutta, die Idee mit den Lotsen ist genial! Ich habe sie gleich ausgeklammert, weil ich dachte, sie seien unbezahlbar. Wer weiß, vielleicht sind sie das. Vielen Dank für den Tipp!

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    1. Liebe Sylvia, da freue ich mich sehr, dass ich eine gute Nachricht für dich habe: die Veratung bei den Ideenlotsen ist kostenlos! Anrufen, Termin vereinbaren, sagen, was anliegt. Gilt für alle, die in Bremen „kreativ unterwegs“ sind. Kann ich sehr empfehlen – ich war auch zu zwei Beratungsterminen, bevor ich mich dann für das „Jahresprogramm“ beworben habe …

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      1. Liebe Jutta, ja, ich habe mir gestern die Seite der Lotsen angesehen und gleich eine Mail geschickt, bin gespannt. „Unbezahlbar“ im Sinne von wirklich wertvoll finde ich diesen Service, von dem ich gestern festgestellt habe, dass er kostenlos ist. Was mir gerade sehr entgegen kommt!

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