Text-Puzzle-Stau, der Pingpong-Text und die Verlängerung der Blogpause

Gerade bin ich ein bisschen im Verzug hier auf dem Blog und weil es dafür ganz harmlose Gründe gibt und das aber in diesen Zeiten nicht so selbstverständlich ist, dachte ich, dass ich mich wenigstens mal kurz melde und berichte, was gerade so los ist und warum ich die Blogpause und vor allem auch die „Abschluss-Präsentation“ des Pingpong-Textes nochmal verschieben muss.

Wie ich den Pingpong-Text hier am besten präsentieren kann (ob mit einem Foto, auf dem alle Beiträge zu sehen sind oder in einem Beitrag, in dem ich sie untereinander aufliste oder vielleicht auch nochmals ganz anders), weiß ich noch immer nicht genau. Auf jeden Fall werde ich alle Beiträge einmal ausdrucken und vor mir auf dem Schreibtisch ausbreiten – wie bei einem Puzzle.
Das mache ich oft bei Texten, bei denen die Reihenfolge sich nicht „von selbst“ ergibt. Ich finde es sehr hilfreich (ich kann dann viel größere Textblöcke übersehen als am Bildschirm) und es macht mir einfach auch Spaß, den Text mit der „echten“, dreidimensionalen Schere zu bearbeiten.

Nun ist der Platz auf meinem Schreibtisch (s. Beweisfoto) allerdings gerade noch von einem anderen Textpuzzle belegt und zwar mit Textpassagen aus meinem „großen Text“ über Lebensgeschichtslosigkeit, den ich gerade letztmals überarbeite. (Engere Freund:innen lächeln bei dieser Ankündigung milde, aber ich bin absolut sicher, dass ich danach nichts Größeres mehr daran ändern werde – oder jedenfalls nicht vor dem Lektoratsprozess).

Wer sich für diesen Text oder überhaupt für mein Schreiben interessiert, kann in der Zwischenzeit in dem Gespräch, das ich mit Katharina Mild für den neuen Podcast Schreibgespräche geführt habe (Dauer 30 Min.), einiges erfahren. Wir reden darin über Schreibroutinen, über das, was ich mache, wenn ich gerade nicht schreibe, aber eben auch, warum es an dem Punkt, an dem ich jetzt mit dem Text bin, so wichtig ist, nochmal wirklich tief in ihn einzusteigen.

Da stecke ich also gerade – aber zu den ersten Dingen, die ich tun werde, wenn ich wieder aufgetaucht bin, gehört es, den Pingpong-Text zu puzzeln. Ich freue mich darauf und wünsche allen, die das lesen, dass sie so gut als möglich durch diese schwierige Zeit kommen – seid großzügig und nachsichtig mit Euch und mit anderen und passt gut auf Euch auf!

(31) Aufgreifen, was gerade da ist

„Good writers are monotonous, like good composers. They keep trying to perfect the one problem they were born to understand“ (Alberto Moravia). Ich weiß nicht, ob ich das bin, was Alberto Moravia sich unter einer „guten Autorin“ vorgestellt hat, aber ich bin mir sehr sicher dass es in meinem Leben das eine Problem gibt, das zu verstehen offenbar meine Lebensaufgabe ist: Lebensgeschichtslosigkeit. Seit vielen Jahren beschäftigt mich die Frage nach den Gründen, die das Erzählen, ja schon das Konstruieren von Lebensgeschichten erschweren oder sogar unmöglich machen auf eine sehr bewusste, sogar seit Jahrzehnten auf eher unklare, diffuse Weise. Es erleichtert mich sehr, dass der Text, den ich diesem Thema gewidmet habe nach vielen Jahren der Arbeit bald so weit sein wird, dass ich ihn aus der Hand geben kann.
Manchmal trifft man im Leben auf so einen Stein, den man wälzen muss (und es ist vermutlich meistens Last und Geschenk zugleich), aber für die meisten kreativen Prozesse in meinem Alltag stehen in meiner Vorstellung nicht Steine (ob groß oder klein) – sondern ein Kühlschrank. Oder richtiger, die Frage, was sich in ihm befindet. Was sich aus den Lebensmitteln, die schon da sind, kochen lässt. Das gilt nicht nur für das Schreiben selbst, es gilt für diesen Blog und natürlich für die Schreibwerkstätten, die ich anbiete. Immer versuche ich möglichst viel von dem aufzugreifen, von dem zu nutzen, was schon „da“ ist an Fragen und Themen, an Wünschen und Ideen, aber auch an Stimmungen. Das ist bei dieser sehr offenen Virtuellen Schreibwerkstatt natürlich eine besondere Herausforderung. Im Moment habe ich den Eindruck, dass es ganz gut wäre, wenn hier (wieder) ein bisschen mehr Austausch stattfände – einfach so über das Schreiben und vielleicht auch über das Lesen, jenseits der ganz konkreten Schreibanregungen oder -probleme, die aber natürlich auch weiterhin ihren Raum bekommen werden.
Ich werde also in den nächsten Wochen hier ab und zu etwas etwas tun, was ich normalerweise in Werkstätten nicht so oft mache: Von mir erzählen. Von den Texten, die mich beschäftigen. Von den Fragen, die sich für mich geklärt haben oder vielleicht auch noch immer offen sind. Beginnen werde ich mit einer für mich wirklich wichtigen Erkenntnis der letzten Jahre im Hinblick auf mein eigenes autobiographisches Schreiben: Es geht ja gar nicht (nur) um mich!

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen, Fragen oder Gedanken!

Zusatzinformation zum Beitragsbild: Es handelt sich um das Gemälde Bosch (die Kälte des Weltalls) von Norbert Schwontkowski, das Teil der großartigen Ausstellung Some of My Secrets ist, die aktuell in der Bremer Kunsthalle ganz real besichtigt werden kann

„Wie ich Schriftstellerin wurde“ – ein Corona-Sonderdruck

„Die Frage, wie ich Schriftstellerin geworden bin, hat mich schon häufig in Verlegenheit gebracht. Ich habe sie und verwandte Fragen (ob ich es immer schon werden wollte, woher ich wusste, dass ich das erforderliche Talent besitze, wie meine Eltern es aufgenommen haben, ob das nicht sehr mutig/tollkühn/riskant gewesen sei) daher meist ausweichend beantwortet. Oder mit einem Scherz. Dass ich keines dieser Kinder gewesen wäre, die im Sandkasten schon Haikus schreiben, habe ich öfter gesagt. Manchmal habe ich darauf hingewiesen, dass in meinem schriftstellerischen Werdegang weder Mut noch Talent eine besondere Rolle gespielt hätten. Aber das hat eigentlich nie jemand richtig ernst genommen. Und ein bisschen seltsam kommt es mir ja bis heute selbst vor, dass aus der bemerkenswert phantasielosen Person, die ich den größten Teil meines Lebens war, eine Schriftstellerin hat werden können.“

So beginnt mein Text „Wie ich Schriftstellerin wurde. Geschichte einer Hochstapelei“, der ein Stück Faden aus dem Stoff ist, aus dem mein Buch über Lebensgeschichtslosigkeit bestehen wird. Seit fünf Jahren schreibe ich an diesem Text, der von Menschen handelt, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht so wie andere über eine Lebensgeschichte verfügen. Dass ich diesen Faden nun in die Hand nehme, hat einen recht prosaischen Hintergrund: Wie so viele andere bin auch ich von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Und weil ich für den einen Fördertopf nicht genug fixe Kosten habe und für den anderen meine Lage noch nicht schwierig genug ist, habe ich mich entschlossen, diesen „Corona-Sonderdruck“ zu veröffentlichen. „Weil es eigentlich eine schöne Geschichte ist und ich diese Rumdruckserei auch leid bin, erzähle ich jetzt also, wie es wirklich war.“

Ich bin in den letzten Wochen immer mal von ganz unterschiedlichen Menschen (auch von Leser:innen dieses Blogs) gefragt worden, wie sie mich unterstützen können. Und nun habe ich eine Antwort: Kauft mir dieses Heft ab. Empfehlt es weiter. Verschenkt es. Auf Wunsch versehe ich es gerne auch mit einer persönlichen Widmung, handsigniert ist jedes Exemplar. Das Heft (16 S.) kostet regulär 12 Euro (plus 2 Euro Versand), bei größeren Bestellungen und für den Buchhandel gibt es natürlich Rabatt. Bestellungen, Fragen, Hinweise bitte an juttareichelt@aol.com.

Und natürlich freue ich mich auch hier im Kommentarfeld über Eure Fragen, Reaktionen oder Eindrücke!

Nachtrag: Das Heft bekommt Ihr in Bremen im Logbuchladen (Walle) in den Buchläden Neustadt, Buntentor und Ostertor und in Zürich im Material (Raum für Buchkultur) und im Buchladen Duplikat.