(50) Eine Kreuzung im Bremer Westen – oder wo auch immer

Eine Kreuzung. Geschäfte, Autos, Straßenbahnen, Menschen. Menschen, die unterwegs sind: auf dem Weg zur Arbeit, zu einer Verabredung, einem Vorstellungsgespräch. Menschen, die noch schnell etwas einkaufen wollen. Die hoffen, jemanden zu treffen – oder die Angst davor haben. Menschen, die warten. Auf ihren Friseurtermin, eine Untersuchung oder ihren Castingtermin …
Stell dir einen dieser Menschen vor und beschreibe, was ihr oder ihm widerfährt – und wenn du dir das Schreiben leichter machen möchtest, dann bringe deine Figur ordentlich in Schwierigkeiten!

Beim Aufräumen ist mir diese Schreibanregung in die Hände gefallen. Sie ist fast zehn Jahre alt und ich hatte sie mir ursprünglich für eine größere Gruppe Schüler:innen ausgedacht. Aber wie alle Schreibanregungen, die sich gut für kollaboratives Schreiben eignen, ist sie auch eine schöne Anregung für alle, die eine kleine Serie schreiben möchten.
Eine solche Serie könnte aus einer Reihe kürzerer Texte bestehen, die „nur“ durch die Einheit von Ort und Zeit zusammengehalten werden (Was passiert alles gleichzeitig an dieser Kreuzung?) oder nur durch den Ort, was die schöne Möglichkeit eröffnet, dass Figuren, die in dem einen Text eine Hauptfigur sind, in einem andern zur Nebenfigur werden oder auch nur „einmal durchs Bild laufen.“
Für diejenigen von Euch, die normalerweise eher dazu neigen, „drauflos zu schreiben“ bietet eine solche Szenerie auch die Möglichkeit, das eher reißbrettartige Planen von Geschichten einmal spielerisch auszuprobieren.

Ich freue mich über Eure Text(anfäng)e, Fragen, Erfahrungsberichte!


10 Kommentare

  1. Liebe Jutta, so eine schöne Anregung. Mit der Kreuzung. Und dem Bild von der Kreuzung. Mir ist dabei ein älterer (veröffentlichter) Kreuzungstext in den Sinn gekommen. Den schreib/kopier ich einfach mal hier rein, auch wenn dort die Figuren alle schon vor längerem „durchs Bild gelaufen sind“. Mehr so im Sinne von: Wie inspirierend ich Kreuzungen finde:)

    Gestern gedacht, dass ich nirgendwo leben möchte, wo es nicht schneit. Rausgeschaut. In das Nachtgestöber. Auf die Kreuzung, die plötzlich Gemälde ist. Breite Spuren von langsam rollenden Pneus, und die dünnen schlingernden Linien der Velos. Spuren von Festbeschuhten und Überraschten. Dazwischen das nicht betretene Weiss. Gestern auf meiner Fensterbank gesessen und das Bedürfnis gehabt, in den Schnee zu schreiben. Professionelle Verformung.

    1. Vielen Dank für diese ganz andere Kreuzung! Ich habe immerzu dieses Gewimmel und Gewusel vor Augen. Es ist laut und hektisch und ständig droht jemand angefahren zu werden. Und wie schön, sich auf deiner Kreuzung davon ein bisschen ausruhen zu können. Wie schön das Nachtgestöber und auch das in den Schnee schreiben …

    1. Vielen Dank! Manchmal setzen sich solche Ideen ja auch erstmal nur ein bisschen im Kopf fest oder sie bleiben irgendwo haften und eigentlich denkt eine/r gar nicht mehr bewusst daran – aber in einer versteckten Region des Gehirns dann offenbar doch, denn plötzlich ist da eine Idee. Jedenfalls geht es mir manchmal so …

  2. Herzlichen Dank für diese inspirierende Schreibanregung, die ich gleich aufgegriffen habe:

    Eine Kreuzung.
    Verschiedene Wege kreuzen sich, oder besser
    gesagt begegnen sich.
    Verkehrswege, aber auch
    Lebenswege.
    Menschen, wie sie unterschiedlicher
    nicht sein können, kommen
    hier zusammen und treffen
    aufeinander.
    Welche Eindrücke diese Begegnungen wohl
    bei den einzelnen Menschen hinterlassen?
    Verwischen sie gleich, geraten sie bald schon
    in Vergessenheit?
    Oder bleiben sie in Erinnerung? Bieten sie
    Anknüpfungspunkte? Wer weiß
    das schon.

    1. Vielen Dank für diesen schönen, kleinen Kreuzungstext! Mir gefällt mir deine Frage nach den Eindrücken sehr, die wir, die andere bei uns hinterlassen – und dass wir das nie wissen können. Vielleicht beobachten wir einen Menschen nur für einen kleinen Moment und irgendetwas geschieht in uns, ohne dass wir selbst es so recht verstehen. Wäre ich gerade auf der Suche nach einer Schreibanregung, dann würde ich dieser Frage nachgehen: Was könnte eine/r beobachten, das dann … Viele Grüße!

      1. Herzlichen Dank für deine Rückmeldung! Es stimmt, manche auch noch so kurze Begegnung kann schon etwas in einem auslösen. Ich finde es spannend, wie du aus so einem Text gleich eine Schreibanregung herauskitzeln kannst.
        Liebe Grüße zurück!

        1. Berufskrankheit 😉 Im Ernst: Ich glaube, dass das wirklich ganz viel mit Praxis zu tun hat und dass ich meine Sinne mit der Zeit für das geschult habe, was ich auch für mich selbst als gute Schreibanregung empfinde: Alles, was ein bisschen rätselhaft ist, worüber ich „stolpere“ … Schönen Sonntag!

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