Tag 8: F wie fiktiv! Alphabete als Schreibanregung

Das ist nichts für mich, habe ich immer wieder gedacht, wenn mir eine Schriftsteller-Freundin von ihrer Begeisterung für Alphabete erzählte. Ich vermute, es klang für mich einfach zu sehr nach Schule, nach Hausaufgaben, nach begrenzter kreativer oder literarischer Freiheit. Dabei kannte ich zu der Zeit schon Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe, dieses wundersame Alphabet, das in Frankreich über hunderttausend Mal verkauft wurde und das für mich eines der erstaunlichsten (vielleicht auch der wichtigsten) Bücher ist, die ich gelesen habe.

Und nun freue ich mich schon seit Tagen darauf, Euch diese wunderbare Möglichkeit eines Schreibprojektes vorzustellen. Mittlerweile ist aus mir nämlich eine begeisterte „Alphabetistin“ geworden und ich freue mich über zahlreiche Alphabete, die in meinen Werkstätten entstanden sind. Alphabete, die ein ganzes Leben in den Blick nehmen mit all den Personen, den Orten, den Berufen, den Themen, die darin eine Rolle gespielt haben – so wie es bei Ilma Rakusas  Mein Alphabet (Droschl  2019) der Fall ist oder Alphabete, die sich auf einen Aspekt konzentrieren: auf wichtige Menschen oder Reisen, auf Tiere oder ein Thema wie das Essen. Solch ein Alphabet haben auch die Zürcher Autor:innen Axmed Cabdullahi und Ulrike Ulrich gemeinsam geschrieben Ein Alphabet vom Schreiben und Unterwegssein (www.essaisagites.ch).

Ich selbst habe gerade mehrere Alphabete in Arbeit. Eines zum Autobiographischen Schreiben (daraus ist das „f wie fiktiv“), aus dem vielleicht eines Tages eines Veröffentlichung werden könnte, ein privates, das ich „nur so“ für mich schreibe und dann gibt es eines, das mal ein Geschenk werden soll.

Mit den Alphabeten ist es wie mit allen anderen Schreibanregungen auch: Sie passen nicht für jede und jeden und man muss ein bisschen rumprobieren, bis man „seins“ gefunden hat. Aber dann ist es eine wunderbare Möglichkeit, längere Zeit, mit einem Text beschäftigt zu sein, ohne sich mit der Komplexität eines längeren Textes herumschlagen zu müssen.

Ach ja, und weil die Frage immer wieder auftaucht: Diese einzelnen Schreib-Anregungen sind natürlich nicht so gedacht, dass sie jeden Tag „abgearbeitet“ werden sollen oder gar müssen. Ihr macht einfach das, was für Euch gerade passt und „sammelt“ die Anregungen oder Tipps, für die Ihr jetzt vielleicht keine Zeit habt für einen späteren Zeitpunkt.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen!

21 Kommentare

  1. Guten Morgen Jutta, leider verstehe ich das Prinzip hier nicht ganz. … soll zu dem Buchstaben des Alphabets ein Wort gefunden werden? Zu einem bestimmten Thema? Daraus dann einen Text? Ich wäre dankbar für ein bisschen mehr Erklärung 😗😊🌞lieben Dank und herzliche Grüße. Sabine

    1. Guten Morgen, Sabine, gut, dass du direkt nachfragst. Ja, genau: Du schreibst das ganze Alphabet auf und suchst dann für jeden Buchstaben nach einem oder mehreren Wörtern, die dir zu dem „Oberthema“, das du dir wählst, passen: Zu deinem gesamten Leben oder zu dem Thema „Menschen/Reisen/Behausungen in meinem Leben“ – oder was immer du dir auswählst …

  2. Hallo,
    eine wirklich gute Idee, der virtuelle Workshop – so etwas suche ich schon lange, nicht nur fürCorona-Zeiten. Ich habe die Seite erst gestern entdeckt, den Blog abonniert und gleich heute das Buch von Roland Barthes bei der Buchhandlung im Ort bestellt. Viele Grüße Eva

    1. Hallo Eva, das freut mich natürlich, dass ich bei dir mit diesem Angebot gewissermaßen „offene Türen“ einrenne. Was den Barthes betrifft, freue ich mich auf jeden Fall für die Buchhandlung am Ort und hoffe, dass du etwas mit ihm anfangen kannst (in meiner Umgebung halten sich die Barthes-„Fans“ und diejenigen, die ihn vehement ablehnen ziemlich die Waage …

      1. Ich bin gespannt – auch auf die Schreibanregung heute. Leider habe ich das Buch gestern noch nicht bekommen … Und vielleicht ist es mit dem Buch von Barthes so mit dem Buch von Francoises Heritier (Das ist das Leben), das ich ungefähr ein Dutzend Mal verschenkt habe: die einen waren begeistert, die anderen konnten nichts damit anfangen. LG
        Eva

      1. Liebe Jutta, ohne es vorher gelesen zu haben, habe ich mich ebenso für solches entschieden, wie z.B.
        Aber Amsterdamer arbeiten artig alle anfallenden Aufgaben an Aschermittwoch ab….
        Bei blauen Badezimmern baden burschikose, bahnbrechende Betthäschen blütenrein …
        Dichtende Dachdecker dämmen dunkle Dachböden durch die Dämmerung……
        Große Gärten geben gute grüne Gurken, grossartige Gänseblümchen, genauso garen Glückspilze goldene Gedankenspiele….
        Jeder Jeveraner jodelt jauchzend Ja-Worte …
        Rasende Raumschiffe retten rosarota, rührselige Radfahrer …
        Wir wagen wundervolle Winterreisen, wimmeln wegen Wuppertalern wie Witzfiguren …
        Und obwohl ich mich vorher innerlich etwas sträubte, hat das wirklich Spaß gemacht. Danke dir 🙂

  3. Hallo Jutta, auf deinen Blog bin ich über Christiane gestoßen und ich schaue immer mal wieder rein. Vielen Dank für deine tollen Tipps. Das Alphabet hatte ich bereits in anderen Schreibkursen, aber bisher hatte es nie so richtig gezündet. Bis jetzt, aber vielleicht brauchte ich auch das „richtige“ Thema:
    http://annuschkasnorthernstar.blog/2020/08/19/a-b-c/
    ist meine erste komplette Alphabet-Übung. Basierend auf einigen Dingen, die mir in der Beschäftigung mit meiner Kindheit in das ABC hineingeraten sind, erstelle ich inzwischen Folge-Alphabete (z. B. zum Thema „Frühstückspension“).
    Mit macht es Spaß und es löst Gedankenketten aus.
    Liebe Grüße, Anja von Annuschkas Northern Star

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