Das ist nichts für mich, habe ich immer wieder gedacht, wenn mir eine Schriftsteller-Freundin von ihrer Begeisterung für Alphabete erzählte. Ich vermute, es klang für mich einfach zu sehr nach Schule, nach Hausaufgaben, nach begrenzter kreativer oder literarischer Freiheit. Dabei kannte ich zu der Zeit schon Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe, dieses wundersame Alphabet, das in Frankreich über hunderttausend Mal verkauft wurde und das für mich eines der erstaunlichsten (vielleicht auch der wichtigsten) Bücher ist, die ich gelesen habe.

Und nun freue ich mich schon seit Tagen darauf, Euch diese wunderbare Möglichkeit eines Schreibprojektes vorzustellen. Mittlerweile ist aus mir nämlich eine begeisterte „Alphabetistin“ geworden und ich freue mich über zahlreiche Alphabete, die in meinen Werkstätten entstanden sind. Alphabete, die ein ganzes Leben in den Blick nehmen mit all den Personen, den Orten, den Berufen, den Themen, die darin eine Rolle gespielt haben – so wie es bei Ilma Rakusas  Mein Alphabet (Droschl  2019) der Fall ist oder Alphabete, die sich auf einen Aspekt konzentrieren: auf wichtige Menschen oder Reisen, auf Tiere oder ein Thema wie das Essen. Solch ein Alphabet haben auch die Zürcher Autor:innen Axmed Cabdullahi und Ulrike Ulrich gemeinsam geschrieben Ein Alphabet vom Schreiben und Unterwegssein (www.essaisagites.ch).

Ich selbst habe gerade mehrere Alphabete in Arbeit. Eines zum Autobiographischen Schreiben (daraus ist das „f wie fiktiv“), aus dem vielleicht eines Tages eines Veröffentlichung werden könnte, ein privates, das ich „nur so“ für mich schreibe und dann gibt es eines, das mal ein Geschenk werden soll.

Mit den Alphabeten ist es wie mit allen anderen Schreibanregungen auch: Sie passen nicht für jede und jeden und man muss ein bisschen rumprobieren, bis man „seins“ gefunden hat. Aber dann ist es eine wunderbare Möglichkeit, längere Zeit, mit einem Text beschäftigt zu sein, ohne sich mit der Komplexität eines längeren Textes herumschlagen zu müssen.

Ach ja, und weil die Frage immer wieder auftaucht: Diese einzelnen Schreib-Anregungen sind natürlich nicht so gedacht, dass sie jeden Tag „abgearbeitet“ werden sollen oder gar müssen. Ihr macht einfach das, was für Euch gerade passt und „sammelt“ die Anregungen oder Tipps, für die Ihr jetzt vielleicht keine Zeit habt für einen späteren Zeitpunkt.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen!