Der Geschichten-Generator in (Weihnachts)-Aktion

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Ich wollte eigentlich nicht verraten, dass ich immer noch gelegentlich an dem Generator rumbastele (hier gibt es mehr Infos für diejenigen, die ihn noch nicht kennen). Kleine Änderungen vornehme. Ich wollte eigentlich erst davon berichten, wenn er „da“ ist. So richtig. Schön gestaltet. Gedruckt. Wenn man ihn kaufen kann. Aber eigentlich sollte es ja auch schon so weit sein. Nun plaudere ich es also doch aus – und vielleicht weckt das hier und da auch Vorfreude … Aber vor allem gefällt mir der Gedanke, mit einem kleinen Geschenk allen, denen ich über diesen Blog verbunden bin (und die mir meine geringe Aktivität in den vergangenen Monaten nachgesehen haben ;-), sehr herzlich schöne Feiertage und einen guten Übergang ins neue Jahr zu wünschen!

Es wird, wenn es mit dem Generator dann so weit ist, einige wenige neue Karten geben und zwei davon (Schiffsdeck und die Frage „Butterkuchen?“) habe ich ausgewählt und mit einer meiner Lieblingsfiguren kombiniert: Luise, der älteren Dame mit Hut.

Alle sind herzlich eingeladen kleine Texte oder Geschichten zu verfassen, in denen diese drei Wörter Verwendung finden. Wie immer freue ich mich auf Ideen, Anfänge, kleine oder größere Skizzen, Bilder. Das wichtigste: Alles ist erlaubt – es muss nichts „Großes“ sein!

Ich freue mich auf Eure Ideen und Kommentare!

29 Comments

  1. Liebe Jutta, als ich deinen Edit las, wusste ich sofort, auf welchem Schiffsdeck Luise steht und wer „Butterkuchen?“ fragt und was die Antwort ist … Das wird die dritte Geschichte mit dieser Luise, wie toll ist das denn?
    Jetzt muss ich nur noch Zeit finden, das aufzuschreiben … 🙂
    Frohe Feiertage dir!
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Liebe Jutta, meine Tafel-Luise feiert Bescherung. Das kam mir jetzt ad-hoc. Die Generation ist noch so, dass sie abgibt und Luise ist ein netter Mensch.

    ***

    „Wirklich?“ – „Ach, geben Sie das doch dem Kind, ja?“ – „Guck mal, Kleiner, darf ich dir den Teddy schenken? Schokolade magst du doch bestimmt. Sagen Sie, darf er das annehmen?“ – „Vielen Dank, das ist lieb. Und du sag auch Danke, Gustav.“ – „Dankeschön und frohe Weihnachten.“ – „Dir auch und ihnen auch. Sind Sie mit dem Jungen alleine?“ – „Ja.“ – „Mein Papa ist Soldat.“

    Luise wusste nicht mehr wer was gesagt hatte und die Gesichter der Frau und des Jungen bei der Tafel waren verschwommen, aber eins hörte sie immer wieder: Das Wort SOLDAT.

    Es ist nie gut wenn Kinder Soldaten zum Vater haben, dachte Luise. Soldaten heißt Krieg und Krieg macht alles nur kaputt. Das kannte sie selber. Viele Kinder mit denen sie gespielt hatte als sie in dem Alter von dem Jungen gewesen war, hatten ihre Väter nicht gekannt. Alles was ihr Alfred von seinem Vater hatte war ein Foto vom Feldurlaub. Der Vater in Uniform, mit der Mutter, Sieglinde, Maria, Herbert und Alfred und dem ganz kleinen Dieter. Der wusste gar nicht, dass es den Papa überhaupt gegeben hatte. Der hatte immer nur die Mutter arbeiten gesehen.

    Luise hörte eine Stimme. Maikäfer flieg, wir wollen nie wieder Krieg sang die und Luise merkte auf, weil dieser Text falsch war. Das Lied ging doch anders. Dann merkte sie, dass diese Stimme ihre eigene war. Und sie fragte sich woher sie den Text so kannte.

    Es wurde windig. Als sie an der Straßenecke ihren Hut festhalten musste, damit er nicht weggeweht wurde, fiel ihr etwas ein. Da vorne, da wo früher Hans Kramer gewohnt hatte, da wohnte doch jetzt diese arabische Familie. Dieser Doktor aus Damast… nein, Damaskus mit seiner Frau und der kleinen Tochter, die diesen modernen deutschen Namen hatte. Das hatte Luise erst gewundert, aber dann hatte der Doktor erklärt, dass es den Namen auch auf Arabisch gäbe, da bedeutete er nur etwas anderes. Das hatte er sogar auf Deutsch gesagt und manchmal auf sein Telefon geguckt. Übersetzen, hatte er dann gemeint und dann hatte er Luise Fotos gezeigt. Von früher wo der Krieg noch fern war. Vom Haus und von dem Krankenhaus, von der Stadt und der Familie. Als letztes eins von Soldaten, auf genommen kurz vor der Flucht.

    Soldaten heißt Krieg und Krieg macht alles nur kaputt. In den Fenstern gingen die beleuchteten Schwippbögen an.

    Luise fühlte in ihre Tasche. Eigentlich war das zu viel für sie alleine. Sie hatte doch das Brot und Frau Czieslewski hatte ihr letztens einen ganzen geräuchterten Fisch geschenkt.

    Es stand nur ein fremder Name auf der Klingel.

    An der Tür standen das Mädchen mit dem Namen, den es auch auf Deutsch gab und die Frau. Sie trug kein Kopftuch.

    „Guten Tag“, sagte die. „Frohes Wennachten.“

    Luise nickte und hielt ihr das eingewickelte Quadrat aus ihrer Tasche hin. „Butterkuchen?“

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  3. O, da bist du ja wieder aus der Versenkung aufgetaucht, liebe Jutta! Und gleich mit Butterkuchen (?). Wie schade, dass meine Luise tot ist. Vielleicht kommt mir eine Geschichte von vorher – also bevor sie umgebracht wurde. Das Schiffsdeck (?!) bietet da Möglichkeiten.
    Noch angenehme Feiertage und einen feinen Start ins Jahr 2017 wünsche ich dir. .Gerda

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    1. Liebe Gerda, vielen Dank für die guten Wünsche, die ich sehr herzlich erwidern möchte: Komm auch du gut ins neue Jahr!
      Und was die verstorbene Luise betrifft, da fiel mir ein Roman von Philip Roth ein (mir fällt der Titel leider gerade nicht ein), da erfährt ein Schriftsteller, der Philip Roth heißt, dass in Jerusalem sich ein Mann als Philip Roth ausgibt und ungeheure Meldungen in die Welt setzt. Anders gesagt: Vielleicht hat ja auch deine Luise eine Doppelgängerin?!
      Allerbeste Grüße!

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  4. Liebe Jutta, wie schön und danke für die guten Wünsche. Ich gebe sie gern zurück, mögen deine Wünsche dich ebenso gut begleiten. Die Idee, einem neuen, sogar käuflichen Geschichten-Generator anzubieten, macht Freude. Ich bin gespannt.
    LG. Monika

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      1. Vielen Dank für den Himweis – und natürlich freue ich mich auch, dass die Luise sich nun auch auf deinem „Zweitblog“ findet! Und auch bei diesem Text gefällt es mir sehr, wie sich die Gedanken der Figur in Assoziations-Schleifen durch den Text bewegen. Ich grüße dich herzlich und wünsche dir und denen, die dir am Herzen liegen einen guten Übergang und vor allem ein gutes neues Jahr!

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        1. Ich glaube nicht an Besonderheiten von Jahreswechseln, will heißen für mich ist morgen einfach ein anderes Datum und ich tue heute Abend genau das, was ich jeden Abend tue. Es wäre also unfair, da nur so dahin gesagt, wenn ich sagen würde guten Rutsch. gutes Neues etc. Ich will aber was Ehrliches sagen und deshalb einfach Gute Zeit! Das ist ein aufrichtiger Wunsch (ich wünsche auch, es sei denn eine soziale Situation zwingt mich absolut, keine frohen Weihnachten, Hannukka, Ostern, Ramadan, Purim, Sukkot, Rosh Hashana, was weiß ich).

          Deine Neujahrskarten (hab ich bei Twitter gesehen) gefallen mir aber gut. Ich mag den Beckett-Text (wer mag den nicht?!).

          Die Morgentexte auf den Tintenklecksen sind reiner Strom, aber ich merke tatsächlich beim zweiten Lesen oft selbst, dass die Figur assoziativ reagiert. Sagen wir mal so: Gutes Training, vielleicht brauche ich das noch wozu.

          Ich habe übrigens seit Neuestem ein eigenes Exemplar, der Wiederholten Verdächtigungen. (Seltsamer Zufall: Ich habe es an dem Tag bekommen, an dem mein Bruder zum ersten Mal erfuhr, dass es in unserer Familie mit dem Zwillingsbruder meines Vaters auch einen „Matthias“ gibt.)

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          1. … das ist wirklich ein erstaunlicher Zufall … Und was du über die guten Wünsche schreibst, kann ich absolut nachvollziehen. Eigentlich geht es mir sehr ähnlich. Aber einerseits habe ich zumindest eine ganz leichte Affinität zu Zahlen(magie) und dann ist es auch so, dass ich es mag und wichtig finde, dass es solche Pausen und Unterbrechungen im Alltag gibt. Obwohl ich weiß, dass gerade die Pausen und Unterbrechungen für viele Menschen schwierig sind – z. B. für diejenigen, die einsam sind.
            Dieses Jahr habe ich es auch mehr als sonst genossen, dass mir viele Menschen geschrieben haben (gerade auch solche, mit denen der Kontakt übers Jahr zu kurz kam) und ich habe selbst ein paar Leuten mit einer unerwarteten Post eine Freude machen können. Dieses ganze Drumherum, das zunächst gar nichts oder nicht viel mit dem Anlass zu tun hat, möchte ich nicht missen …

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    1. Liebe Pauline, da freue ich mich aber sehr! Wie schön, von dir und von der fiesen Luise wieder mal zu lesen und wie wunderbar der „Duft nach frisch gewehtem Mut“ – den wünsche ich gleich uns allen fürs neue Jahr sehr! Viele, sehr herzliche Grüße und einen guten Rutsch!

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    1. Das gefällt mir wirklich sehr, sowohl im Detail als auch als Ganzes, als Ode an die Phantasie … Und es passt dann auch noch wunderbar zu meinem gestrigen Tag, der mich nach Bremerhaven führte. Nachdem ich dort einen Workshop im Rahmen des „Schulhaus“-Romans geleitet hatte, stieg ich nach kurzem Zaudern (eigentlich ja „keine Zeit“) aus dem Bus wieder aus und lief zuerst bei sehr kaltem, sonnigen Wetter am Wasser entlang und verbrachte schließlich meine Mittagspause ganz unwahrscheinlich an einem Cafétisch sitzend draussen … Sehr herzliche Grüße!

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