(10) Geschichtengenerator in Aktion

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Relativ oft begegne ich der Vorstellung, die gute Schriftstellerin, der gute Schriftsteller könne aus allem etwas machen. Und zwar auf Anhieb. Die das (vielleicht auch nur insgeheim) denken, merken vielleicht schon, wenn sie diese Zeilen lesen, dass das so nicht stimmen kann …

Ideen entstehen aus einem nicht zu prognostizierenden Ineinander von inneren und äußeren Einflüssen und Impulsen und daher zielen der Geschichtengenerator und sämtliche andere meiner Schreibanregungen „nur“ darauf ab, diesen Prozess ein wenig zu erleichtern. Egal, wie sehr man sich anstrengt, es ist absolut unmöglich, das „Thema“ zu verfehlen. Es gibt hier kein Thema – im Unterschied z. B. zu manchen Wettbewerben.

Heute gibt es mal wieder eine „klassische“ Generator-Anregung und das bedeutet immer: Alles ist erlaubt!

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Ninas charakterisierenden Zusatz „schwer bepackt“ schimmert nur noch durch, Ihr könnt ihn verwenden, müsst es aber nicht! Und das Hotelzimmer?

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Auch das ist eine Möglichkeit, aber vielleicht spielt es keine Rolle, vielleicht reichen schon die beiden anderen Karte oder auch nur eine davon schon aus, damit eine Idee Form annimmt? (Die Karten heute sind also: „Wie stellst du dir das vor?“, „Hotelzimmer“ und „Nina“, die eventuell „schwer bepackt“ ist oder früher einmal war?)

Ich freue mich auf Eure Skizzen und Anfänge, auf kleine Geschichten oder Gedichte – und nicht vergessen: Alles ist erlaubt!

57 Comments

  1. Reales Gebäude, Situation aus der Realität entlehnt (das meiste an Fakten stimmt), fiktiver Brief wie ihn Unmengen Leute, die ich damals kannte hätten nach Hause schreiben können. Ich gebe zu, die erste Hälfte „fehlt“, ich begann mittendrin.

    Wie stellst du dir das vor? Glaubst du so wie ich, es wäre eine Art Hotelzimmer, weil sie das „Appartment“ nennen und von „Vollverpflegung“ in der Mensa schreiben? Sie versprechen den Neuen Leihbettwäsche und Fernsehgeräte, aber alle die bleiben, werden bald enttäuscht. Die in der Berufsfindung bekommen die guten Zimmer, so eins wie ich hatte, denn sie müssen die Leute halten, damit das Geld hinein kommt, aber auf dem Campus erfährt man schnell die Gerüchte. Es gibt gute Zimmer und davon etliche, aber die werden nicht geputzt, weil kein Personal da ist. Daran wird als erstes gespart. Das BFW nähme jeden noch so aussichtslosen Fall um das Geld rein zu kriegen und wer es nicht packt, der ist selber schuld. Ich habe etliche Frauen um die 40 oder älter mit Rollatoren gesehen, die wahrhaftig glauben, sie hätten nach der Umschulung eine Chance, aber ich selbst bin ernüchtert. Wer stellt so jemanden ein? Zwölf Wochen Praktikum sind keine Berufserfahrung und dieses Praktikum ist nicht leicht zu finden. Vierzig Bewerbungen und trotzdem ohne Chance. Und dann die Gespräche… Du schreibst offen rein, weil alles erwähnt werden muss und dann kommst du hin und das Gebäude ist nicht barrierefrei oder sie schauen dich an „Wie, Sie brauchen…“ Da sollst du nicht merken, dass die einen Briefeintüter suchen?! Sagen darfst du es nicht.

    Verstehst du nun warum ich so wütend bin? In dem anderen Haus, in dem ich zuerst war, konnte ich auf das große Gebäude mit dem Emblem sehen und wenn ich im Flur am Fenster stand dachte ich mir „Das ist die Zukunft“ und lief über für Aufbruch. Ich hörte nur abends unter dem offenen Fenster die Leute schwatzen, aber nicht was sie sagten. Vielleicht hätte ich darauf hinaus hören sollen, aber ich wollte die große Chance. Und jetzt sitze ich im großen weißen Sprungturm, in dem wirklich alles weiß ist außer den dunklen, engen Gängen, die Wände dünn, die Badezimmer nicht privat, sondern geteilt (wenn die andere Seite vergisst wieder aufzuschließen, kannst du die ganze Nacht nicht aufs Klo oder morgens duschen) und in dem keiner wirklich bleiben will. Das Haus trägt nicht ohne Grund seinen Namen und wer will der kommt durch die schmalen Fenster, die so schmal sind, weil…

    Ich bat Tante Ute mir Nina zu schicken. Weißt du noch, meine Stoffpuppe von früher, die Rosemarie mir wegnahm, weil sie irgendwann fand, dass ich zu groß sei? Tante Ute hat sie in irgendeiner Schublade gefunden als sie Rosemaries Wohnung auflösen musste und wollte sie mir länger geben. Jetzt kann ich sie mir hier auf das Bett setzen, dann ist das ganze etwas realer. Weiß alles hier, ich bekomme Sehstörungen, weil ich nicht unterscheiden kann was wo beginnt und was wo aufhört. Ich bin ein paar Mal gegen die Möbel gelaufen.

    Und jetzt sag nicht mehr, du verstehst mich nicht!

    Deine Emma

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    1. Du hast das mit den femto-Geschichten so drauf 🙂 (Ich habe das Wort „femto“ gerade entdeckt.. ist hier vielleicht etwas übertrieben, aber ich mag es so :)).
      Ich musste so grinsen, weil ich gleich mein eigenes kleines Kopfkino hatte! 🙂

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        1. Haha, nein nur den Begriff „femto“ finde ich so schön. Als mini-mini Einheit (10 hoch -15). Pauline macht das wirklich extrem gut in wenigen Worten so viel zu verpacken. (Ist mir schon mehrmals aufgefallen, und nun sag ich es endlich mal :))

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          1. Ich danke ebenfalls für die Aufklärung, Colleen. Ich las das gestern schon und war sehr verwirrt, was das genau sein soll. Recherchierte den Begriff zwar setzte ihn aber nicht in Bezug zu dem hier und blieb dann weiterhin ratlos.

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  2. Die Reise war voll in die Hose gegangen. Eine kleine Pause, bevor die Babies kamen, hatte Nina gedacht. Ein bisschen Zeit für sie, frische Luft am Strand, in „ihr“ Café gehen und „Leute analysieren“, wie Erkan das immer nannte. Statt dessen hockten sie in dem Hotelzimmer und wussten nichts mit sich anzufangen. Und im Café war ihnen auch nichts eingefallen, außer stumm in ihren Tassen zu rühren.

    In der letzten Monaten, seit sie in das alte Fachwerkhaus auf dem Land gezogen waren, hatte sich ihr Leben komplett geändert. Erkan musste morgens schon um sechs den Zug erwischen und kam abends spät nach Hause und schlief dann erschöpft vor dem Fernseher ein. Am Wochenende verputzte er Wände, tapezierte, strich, verlegte Dielen – alles Arbeiten, bei denen Nina keine große Hilfe war. Wie auch, mit ihrem dicken Bauch, der überall im Weg war, der ihr die Luft zum Atmen nahm. Und abends im Bett lagen sie wortlos nebeneinander, jeder für sich. Manchmal telephonierte Erkan, wenn er dachte, dass sie sich hingelegt hatte, um dann schnell aufzulegen und hektisch nach Kelle und Farbeimer zu greifen.

    Ich habe es satt, das verdammte Haus mit den alten Obstbäumen und den wurmstichigen Äpfeln, den dicken Bauch, die halbfertigen Kinderzimmer, grollte Nina vor sich hin. Morgens hatte sie ihre Tasche geschnappt und „Will mal schauen, ob ich ein paar Mützchen für die Kleinen finde.“ gemurmelt und dass sie keine Lust hätte, nur vor dem Fenster aus den Schiffen zu winken.

    Jetzt war sie schwer bepackt ins Hotelzimmer zurück gekehrt. Erkan schaute erschreckt hoch. In der Hand hielt er einen Brief, den er ihr nach kurzem Zögern hinhielt. Absender war eine türkisches Firma aus Istanbul. Sein alter Traum, einmal dort zu arbeiten. Die Chancen für junge Türken aus Deutschland, in der Heimat ihrer Väter etwas Neues aufzubauen, waren enorm.

    „Wie stellst du dir das vor? Soll ich mit Sack und Pack und dickem Bauch hier alles stehen und liegen lassen?“, Ninas Stimme wurde immer schriller.

    „Wir müssen reden, Nina.“, sagte Erkan.

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        1. Das sind mir auch in Werkstätten die „liebsten Kandidaten“, die tolle Texte schreiben und dann mit großer Ernsthaftigkeit behaupten, sie hätten damit nichts zu tun, das läge nur an der guten Küche, der netten Atmosphäre usw. 😉

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  3. Beflügelt von ihrem Entschluss, alles, ihr ganzes bisheriges Leben, an dieser Käsetheke hinter sich zu lassen, war Nina beinahe beflügelt durch den Hintereingang des Supermarktes gerauscht. Sie hatte sich für eine kurze Zeitspanne lang so leicht gefühlt, so leicht. Und nun saß sie in diesem Hotelzimmer mit seinem spießigen 50er-Jahre-Pensio-Garni-Charme und sah dem Tiefkühlgemüse beim Auftauen zu. „Da meint man, man lässt allen Ballast hinter sich und schleppt die Einkaufstüte mit“, schimpfte sie mit sich selbst. Die Entenbrust, die Kroketten, der Salat: Alles lag da und entwickelte bereits den Hauch des Verderblichen. Schwerbepackt war sie bis zum Hotel förmlich gejoggt, als sei sie auf der Flucht. Und nun saß sie hier, gefangen in der Wankelmütigkeit ihrer Gedanken. „Wie stellst du dir das überhaupt vor, einfach so zu verschwinden?“, fragte sie sich selbst. Gestern hatte Jutta noch etwas naseweis zu ihr gesagt: „Alles ist erlaubt.“ Wenn alles erlaubt war, dann auch die Umkehrung plötzlicher Entschlüsse. Dann würden auch solche kleine Fluchten erlaubt sein. Nina packte entschlossen die Einkaufstüte am Griff. Sie war sich plötzlich sicher – die anderen würden sie lachend und mit offenen Armen empfangen und einfach nur sagen: „Gut, dass du wieder da bist.“

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    1. eine wunderbare Kurzgeschichte, obwohl ich hoffe, dass Nina auch diesen Entschluss rückgängig macht und doch noch ein neues Leben fern der Käsetheke beginnt, weil auch das ist erlaubt 🙂
      in meinem wirklichen Leben habe ich vor nicht allzulanger Zeit genau diese Nina-Kehrtwende gemacht, mein Stolz hat mich gerügt aber der Restbestand an gesundem Menschenverstand hat sich gefreut, ich mich dann auch 🙂

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    2. Gefällt mir wirklich sehr, die Vorstellung, dass eine im Hotelzimmer landet und selbst nicht weiß, ob das nun idiotisch oder großartig ist. Ich vermute, dass es in (fast) jedem Leben solche Augenblicke gibt, in denen wir das nicht wissen können. Später sind wir natürlich klüger 😉 Na gut und zugegeben: über naseweise Juttas in fiktiven Texten freue ich mich schon auch … Beste Grüße!

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  4. Nina sass auf dem Bett im zugegebenermassen schäbigem Hotel. Endlich konnte sie ihren schweren Rucksack ablegen. Durch das Fenster drang nur schwach gedämpft das Hupen der Autos und Sirenen. Im Gang Wortfetzen in einer Sprache, derer sie nicht mächtig war.
    Sie hörte noch die Stimme ihrer Mutter, „Wie stellst du dir das nur vor?“. Aber es war nicht wie, sondern was sie sich vorstellte und was wusste sie genau.
    Sie öffnete den Reissverschluss ihres Rucksacks und sah ein Päckchen. Wie war das in ihre Tasche gekommen? Langsam wickelte sie es auf und glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Jemand klopfte energisch an die Tür. Wie ertappt zuckte sie zusammen und stopfte das Paket in Windeseile unter ihre Sachen. Mit schweren Schritten ging Nina zur Tür und öffnete sie einen Spalt.

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    1. Noch so ein schönes Szenario, vielen Dank! (Ich vermute ja, dass in dem Päckchen Schinken oder Holunderblüten-Gelee oder irgendeine andere regionale Spezialität ist, die die Mutter ins Gepäck geschmuggelt hat, damit die Tochter ganz schnell ganz schlimmes Heimweh bekommt und einsieht, dass sie unmöglich auswandern kann …)

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  5. Nina verliert.

    Tag 1:
    Vielleicht sollte es so sein. Weil der Mond voll war, oder das Thermometer über 10 Grad zeigte. Oder, weil sie gerade mutig war. Die Augen leuchtend, der Kopf zu träge für ihr Herz.
    Letzteres machte von all dem noch am meisten Sinn.

    Tag 17:
    Sie war nie ein Kind vieler Worte. Hörte zu, lächelte hier und da, selten war ein breites Grinsen zu erkennen. Heute aber war ihr ernster Tag.
    Ihr Kopf, schwer bepackt mit seinen Worten, drehte sich wieder und wieder im Kreis. „Er hat mir den Kopf verdreht.“ Schon beim Beenden des Gedankens verdrehten ihre Augen sich gleich mit. Sie wollte nicht eine „von denen“ sein.
    Sie hatte Angst, alles zu verlieren. Erst das linke Auge, dann das rechte; dann den ganzen Kopf, vor allem aber bangte sie um ihr Herz.
    Aber: Vielleicht wäre die Last dann weniger. Nein; sicher wäre die Last dann weniger. Wann war sie das letzte Mal leicht gewesen?
    Sie erinnerte sich nicht, dachte an all ihre Ängste und verlor in ihnen nun erstmal den Faden.

    Tag 374:
    Die Gedanken rammten wieder und wieder gegen ihre Schädelwand und sie fragte sich, wie es sein konnte, neben Menschen einzuschlafen, neben ihnen aufzuwachen. Neben ihnen zu sitzen, sie zu hören, sie zu spüren. Und sich trotzdem allein zu fühlen.
    „Wir müssen was ändern.“
    Das Hotelzimmer noch stiriler als zuvor. Alles war weiß, stechend. Egal, wohin Nina schaute, ihre Augen brannten. Die Leere ließ seine Worte zu einem Echo verdünnen. „Ändern. Ändern. Ändern.“ Sie hatte so viel verändert. Immer wieder veränderte sie sich. Ihre Rastlosigkeit ließ gar nichts anderes zu.
    „Wie stellst du dir das vor??“ Las man in ihren panischen Augen. Ihre Lippen blieben versiegelt.
    „Es geht so nicht, Nina. Ich kann das nicht mehr.“
    Ihre Augen brannten weiter. Starrten ins Weiß.
    Sie hatte darauf gewartet, auf diesen Verlust, hatte schon längst beide Augen verloren.
    „Siehst du denn nicht, dass dir das nicht gut tut?“ meinten die Menschen und sie erwiderte stur: „Aber nein, aber nein.“
    Und schaute in den richtigen Momenten weg.
    Dann folgte der Kopf. „Ich denke an gar nichts mehr. Ich bin den ganzen Tag auf den Beinen und kann dir nicht sagen, woran ich gedacht habe. Ans Wetter vielleicht, und ans Einkaufen. Ans Atmen sogar.“ Und eigentlich wussten es alle: sie dachte ständig nur an ihn!

    Und nun nahm er es also doch. Ihr Herz. Ihre letzte Last.
    Ließ sie lastlos zurück im weißen Raum.

    Die Uhr tickte. Die Zeit blieb trotzdem stehen.
    „Was wäre wenn?“ dachte sie. Und verlor somit auch das:
    ihr zerbrechliches Herz.

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      1. Danke. Und dir danke für die Anregungen. Manchmal möchte ich nämlich genau das: on einem Anstupser los schreiben. Das wird dann nicht perfekt, weil ich das einfach runterrausche. Aber das gefällt mir manchmal auch ganz gut so 🙂

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  6. Wie stellst du dir das vor, Nina, Hotelzimmer.

    Die Tür schlug so heftig zu, dass die Zarge sie beinahe nicht halten konnte. So viel Kraft hatte Nina von Sarah nicht erwartet. Zu ist Zu. Endgültig, ausgeschlossen. Nina blickte auf den Türgriff, es bewegte sich nichts. Der Ersatzschlüssel lag auf der Ablage im Flur. Sie hatte Sarah einen Schlüssel zu ihrem Haus gegeben, damit im Falle irgendwelcher Aktivitäten, oder Notsituationen, sie Zugriff hatte, um ins Haus zu kommen, wenn Nina nicht anwesend, oder sich selbst ausgeschlossen hätte.

    Vor langer Zeit, eigentlich, solange wie Nina verheiratet ist dies der Dreh und Angelpunkt, für alle Leute aus dem Theater. Sarah war von Anfang an immer gegenwärtig. Nina hatte nichts dagegen, denn sie kannten sich schon von klein auf. In der Schule fing es an. Ihre Mütter hatten einen gemeinsamen Nachhauseweg. Da wuchs die Freundschaft, bedingt durch die gleichen Interessen die die Mädchen entwickelten. Es kam kein Neid auf, zumindest hat Nina nichts bemerkt. Sie sind nicht nur Freundinnen, sondern, mit den Jahren festigte beide eine Verbundenheit die der Bedeutsamkeit von Schwestern glich. Nina verspürte Glücksmomente, die sie ihre Vorgeschichte vergessen ließ.

    Sie taumelte und griff um sich suchend nach Halt. Die obere Sesselkante weich und stützend gab nach, dann versagten ihre Beine ihren Dienst. Sie glitt mehr, als das sie gezielt in ihm Platz nehmen konnte. Stumm und zitternd, rannen erst langsam, dann unaufhörlich Tränen über ihre Wangen. Was für ein Tag. Heute war ihr Geburtstag und sie wollte doch feiern.

    Alles hatte sie verdrängt, bis auf den Moment, als Sarah vor ihrer Haustür mit einem Blumenstrauß stand. Manni war unten im Arbeitszimmer. „ Machst du die Tür auf“? „Natürlich“, immerhin erwartete sie noch die Einkäufe, die sie an der Käsetheke und in den anderen Delikatessabteilungen getätigt hatte. Ein paar teure Kleinigkeiten, aber unabdingbar. Nicht zu vergessen den Wein. Ansgar, der Freund von John, kam ihr zur Hilfe.

    Die Ereignisse überrollten sich und wen sie dort nicht alles getroffen hatte! Fast unglaublich, so viele Zufälle an einem einzigen Tag. Zuletzt, musste sie noch zum Bahnhof „Luise“ abholen. Was sie auch tat. Nachdem sie sie auf dem Bahnsteig begrüßte, fuhren sie mit einem Taxi in das nahegelegene Hotel, in ihrer Wohngegend. Sie wollte ihr keinen weiten Fußweg zumuten, also nahm sie ihr Lieblingshotel.
    Manni und sie genossen, immer mal eine kleine Pause, wie er sagte: „Liebespause“. Vielleicht meinte er auch Lebenspause, oder Alltagspause. Immerhin, diese Nächte waren die schönsten, die er ihr schenkte, wenn er von Reisen zurück kam. Sie dachte sich nichts weiter dabei, damals.

    Luise mit ihrem lustigen Hut, der Nina nach wie vor an „Mary Poppins“ erinnerte, wollte es sich nicht nehmen lassen, ihren Koffer selbst zu ziehen. So hatte Nina nur die schwere Reisetasche. Sie ging zur Rezeption mit Luise. Alle Formalitäten wurden erledigt, dabei stellte der Hotelangestellte die Frage:“ Möchten sie, dass wir ihren Mann ihre Anwesenheit mitteilen“. Geistesgewärtig sagte sie: „Nein danke“, ich gehe gleich auf sein Zimmer. Wie war noch einmal die Nummer. Ach das liegt gleich neben deinem Luise, mit einem Balkon. Danke. Bitte lassen sie meinen Mann nicht wissen, dass ich schon im Haus bin. Es soll eine Überraschung sein.

    Sie öffnete die Haustür, ließ sich widerwillig von Sarah umarmen und sagte: „ Wie schön, dass du gekommen bist. Du kannst mir gleich beim Koffer packen helfen“. Gern, hörte Nina ihre eigene Stimme und ging voraus, ins Schlafzimmer. „Du fährst weg“, wurde Nina von Sarah gefragt. Sie überspielte elegant die Frage, indem sie eine Armbewegung machte, die keinen Widerspruch duldete.
    „Wir packen zuerst Manni´s Kleidung“. „ Schau einmal diesen Anzug hatte Manni an meinem Geburtstag an, weißt du noch. Beim zuprosten ergoss sich das Glas Sekt, dass er in seiner Hand hielt, über sein Hemd und er musste es wechseln“, teilte ihr Sarah bedenkenlos mit.

    Nina fiel es wie Schuppen von ihren Augen, für einen Moment stand die Situation realistisch vor ihr. Sieh sah, wie Sarah mit Manni im Badezimmer verschwand und nach geraumer Zeit, mit leicht desolatem Erscheinungsbild, zuerst aus dem Badezimmer kam. Sie zupfte an ihrem Kleid und schritt gleich zum Büfett. Goss sich ein Getränk ein und wendete sich den Anwesenden zu. Nina hätte es merken müssen, – hätte -, aber sie war ihre Freundin. Sie vertraute ihr. Zutiefst.

    Sie griff hinter sich und spürte etwas kühles Rundes in ihrer Hand. Sie umschloss es und plötzlich entwickelte sich ein Drang wie ein Kugelstoßer den Arm zu heben. Schwung zu nehmen und die Kugel abzustoßen, auf das Ziel gerichtet. Dieser kühle, glasartige Gegenstand, ein Briefbeschwerer, verlieh ihr Kraft und Macht. Ein so starkes überdimensionales Gefühl des Zwanges hatte sie noch nie bei sich erlebt. Sie befand sich, wie im Rausch. Keine Aktionen, oder Reaktionen drangen aus ihrem Umfeld zu ihr. Sie schluckte, verschluckte ihren Atem und hustete.“ Hier“, sagte sie zu Sarah, den Beschwerer platzieren wir oben auf, neben den Nessessärs. Sie nahm ihn entgegen, mit einer angespannten Körperhaltung. Was ging hier vor. Nina war doch sonst nicht so. Die plötzliche Abreise von Manni, war ihr neu. Sie hätte davon gewusst, noch heute bedrängte sie ihn im Hotel, Nina zu verlassen. Beinahe kam es zum Streit, daher merkte keiner der beiden, dass neben an, auf dem Balkon eine Frau mit einen sonderbaren Hut stand. Immer wieder forderte diese, die noch im Zimmer anwesende Person auf, komm doch hinaus. Es ist wunderschön hier. Aber die Person kam nicht auf den Balkon.

    Betrügt er sie, mit seiner Frau. Ein hämisches Lachen, mehr wie ein qualvoller, unterdrückter Schrei zwängte aus ihrer Brust. Sie blickte in die Augen von Nina. Deren Blick war unverwandt. Mit leeren Augen, schob sie die Koffer an die Tür. Du bist sicherlich mit dem Auto hier. In dieser Sekunde kam Manni aus seinem Arbeitszimmer. Unaufgefordert und ohne Wissen ob der dramatischen Situation, sprach er:“ Moment, ich trage deine Koffer, Sarah“.
    Nina nahm unterdessen, den Mantel von Manni vom Garderobenhaken, reichte ihn Sarah und forderte:“ Den Schlüssel bitte“. Zwei Frauen sahen sich feindlich einander an: „Wie stellst du dir das vor“. Nina?

    Es hat sich vorgestellt, Zimmer 238 mit Balkon.

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  7. Liebe Jutta ,
    Danke. Wohlauf, davon bin ich noch weit entfernt. Schreiben ist für mich eine Leidenschaft, die mir Leiden schafft.
    Herzlichst und eine gute Osterwoche
    Monika

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