Kein Talent zum Schreiben? Sicher?

Screenshot 2016-01-05 09.55.26Gerade in der letzten Zeit treten sie in meiner Umgebung wieder gehäuft auf: Menschen, die gerne schreiben würden, wenn sie nicht bedauerlicherweise untalentiert wären. Manche würden sogar SEHR gerne schreiben, wenn sie nicht so VOLLKOMMEN untalentiert wären. Ich will nicht so weit gehen zu behaupten, dass die Menschen, die sich für untalentiert halten, in Wahrheit die talentier-testen sind (ich glaube weder an „Wahrheit“ noch an „Talent“) – aber ich weiß mittlerweile, dass die Überzeugungen, die Menschen über ihr Talent und über die Qualität, der von ihnen gerade angefertigten Texte hegen, kein prognostisches Kriterium für irgendetwas sind. An dieser Stelle würde ich vermutlich aufhören, wenn ich nicht selbst so lange von meiner „Talentlosigkeit“ überzeugt gewesen wäre und daher wüsste, wie schwerwiegend und hemmend diese vermutete Eigenschaft auf jemandem lasten kann. Ich habe daher fünf Fragen notiert, die mich früher eventuell nachdenklich gemacht hätten (jedenfalls zu manchen Zeitpunkten):

1. Bist du dir sicher, dass du das beurteilen kannst?
Anders gesagt: Woher weiß du, ob du nicht zu den oben beschriebenen Menschen gehörst, die keine guten (im Sinne von zutreffenden) „Bewerter“ ihrer eigenen Texte, ihre „Talents“ sind? Wieviele „große Künstler“ haben bis an ihr Lebensende an sich, an der Qualität ihrer Arbeit gezweifelt?

2. Hast du es ausprobiert? Richtig?
Ich meine damit nicht, ob du schon einmal ein teures Notizbuch gekauft hast, die Teilnahme an einem Schreibkurs erwogen oder vielleicht auch mal ein paar Geschichten angefangen hast. Ich meine auch nicht, die ganzen Geschichten, die du vielleicht in deinem Kopf gesammelt hast, ohne sie jemals aufzuschreiben. Ich meine damit, dass du mindestens ein Jahr lang einmal in der Woche 90 Minuten investiert hast, um zu schreiben. Ohne Handy, ohne Internet.

3. Bist du „beim richtigen Sport“ gelandet?
Jemand, der Sport machen möchte, wird sich überlegen, was ihm Spaß machen, was zu ihm passen könnte und nicht vollkommen blindlings auswählen, ob es Gewichtheben, Badminton oder Geräteturnen wird. Aber genau so verhalten sich viele Schreib-Novizen. Während Schreib-Experten sorgfältig den für sie geeigneten Stoff auswählen und Ideen auf ihre Eignung prüfen, stürzen sich viele Novizen auf die erstbeste Idee und sind dann von ihrer mangelnden Begabung überzeugt – wenn nichts daraus wird.

4. Ist dir klar, dass Schreiben ein Prozess ist?
Oft vergleichen Novizen ihre ersten Versuche mit den zigmal überarbeiteten Versionen von Profis. Was kann bei diesem Vergleich herauskommen?

5. Könntest du dir vorstellen, dass die Qualität deiner Texte viel weniger durch ein ominöses „Talent“ limitiert ist, als durch das Ausmaß deiner Übung und Praxis, durch die Qualität der Anregung und Unterstützung, die du erhältst?

PS: Die fünf bis elf Personen, die jetzt glauben, ich würde (nur) sie damit meinen, grüße ich herzlich: Ich habe auch an Euch gedacht – aber (s.o.) vor allem an die verzagte Person, die ich einmal war …

PPS: Auf seinem Blog hat George R.R. Martin (Autor von „Game of Thrones“) vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass er den angekündigten Veröffentlichungstermin der nächsten Folge nicht einhalten kann. Martin schreibt:

„Unfortunately, the writing did not go as fast or as well as I would have liked. You can blame my travels or my blog posts or the distractions of other projects and the Cocteau and whatever, but maybe all that had an impact… you can blame my age, and maybe that had an impact too …but if truth be told, sometimes the writing goes well and sometimes it doesn’t, and that was true for me even when I was in my 20s. And as spring turned to summer, I was having more bad days than good ones.“ (Hervorh. von mir)

So ist es und daher sollten wir nachsichtig mit uns sein – und uns an die Arbeit machen!

47 Comments

  1. Liebe Jutta,
    für mich ist Punkt fünf der entscheidende. Wenn du etwas gut machen möchtest, dann musst du Zeit investieren. Gute Arbeiten fallen nicht vom Himmel sondern es steckt viel Zeit dahinter. Ich finde sogar 90 Minuten pro Woche wenig. Als Zeichnerin kann ich nur sagen, dass täglich mindestens 30 Minuten zum Zeichnen investiert werden sollten. Es ist ein Beruf. Und üben wir alle unsere Berufe nicht 8 Stunden am Tag aus?
    LG von Susanne

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    1. Liebe Susanne, ich stimme dir zu, gar keine Frage! Aber es ist ja nicht für alle ein Beruf. Und bei mir hat die Aufforderung zum täglichen Schreiben früher vor allem eins bewirkt: Verdruss, weil ich es nicht „geschafft“ habe. Ich glaube, dass man auch in eine solche Praxis erst allmählich hineinfinden kann, so wie man langsam sein Pensum steigert, wenn man z. B. mit dem Laufen beginnt. Und in Kursen begegne ich öfter Menschen, die glauben, das Schreiben sei ganz sinnlos, wenn man es nicht täglich betriebe. Was ihnen nicht gelingt. Weswegen sie noch nicht einmal 90 Minuten in der Woche schreiben 🙂 Sehr herzliche Grüße und ein guten Tag!

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      1. Liebe Jutta, ich sehe das ähnlich, obwohl es mein Beruf ist! Es tut gut, sehr gut, täglich zu schreiben, aber es ist nicht immer möglich. Ich schreibe schon lange und ich weiss, dass es Phasen gibt, in denen ich problemlos täglich schreiben kann, will, muss, irgendwie finde ich die Zeit, selbst wenn die Umstände nicht perfekt sind, und dann gibt es auch die anderen Phasen. Und manchmal schreibt man ja auch im Kopf, man liest, man bereitet sich vor, man sammelt. Was ich immer sehr einleuchtend fand: Dass man dieses Notizbuch dabei haben sollte, kein teures, besser ein leichtes, damit man immer schreiben kann, wenn man will, wenn es etwas zu notieren und festzuhalten gibt. Und vielleicht auch noch wichtig: Dass (zumindest für manche) auch das suchende Schreiben zum Schreiben gehört, dasjenige, von dem man schon genau weiss, dass es (so) kein Text wird,das fragende und umkreisende Schreiben.
        Und dann soll es ja auch noch Quartals-Schreibende geben;)

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        1. Liebe Ulrike, ich danke dir sehr für diese zahlreichen schönen und wichtigen Hinweise! Meine Erfahrungen sind sehr ähnlich – und zugleich haben mich die Erfahrungen in den Werkstätten, aber auch die zahlreichen Selbstauskünfte von schreibenden KollegInnen gelehrt, dass die Menschen sich auch in sämtlichen Details des Schreibens, der Organisation ihres Schreibens unterscheiden. Was für mich selbst das Wichtigste ist: immer mit wenigstens einem Text gedanklich verbunden zu sein, ihn mit mir herum tragen. Und das Notizbuch. Aber selbst da hat es bei mir viele lange Jahre gebraucht, bis daraus eine übliche Praxis wurde – lange Zeit kam ich mir eher albern damit vor …

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      2. Liebe Jutta, ich vergesse ab und an die Vielfältigkeit des Menschen. Was für mich gut ist, muß für andere noch lange nicht gut sein.
        Du wolltest Menschen Mut zum Schreiben machen und das ist auch gut so.
        Liebe Grüße sendet dir Susanne
        P.S. Ich habe auch immer ein Thema im Kopf, dass ich von Links nach Rechts schiebe und dann zeichne.

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  2. Nun gerade aufs Schreiben bezogen will ich mich dazu – siehe das was wie bei mir diskutiert haben – nicht so äußern, aber ich kenne ja durch meine Künstlergesprächsgruppe diverse andere in anderen Sparten für die das auch gilt. Es passt gewiss nicht für jeden, und ich würde auch keinen überreden wollen das zu machen, wenn die Person das nicht testen mag, aber wenn jemand wirklich zweifelt an seinem Talent, dann könnte es sein, dass Der Weg des Künstlers von Julia Cameron was für ihn/sie ist – weiß nicht ob dir das bekannt ist, da es an die 12 Schritte angelehnt ist, ist es explizit nicht für jeden, man muss das mögen -, haben wir festgestellt. Es hat bei uns schon fast jeder mal damit gearbeitet. Oder den Inventurfragen, an die musste ich beim Lesen deines Textes denken, denn sie sind ähnlich, von A.R.T.S. Anonymous. Das ist allerdings auch 12 Schritte, aber speziell für Künstler. Da lernt man viiiieeel über den Prozess und wie man den zulässt, da habe ich viel mitnehmen können. Gerade in der Zeit nach dem Kollaps.

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    1. Vielen Dank für den Hinweis! Ich kenne Julia Cameron „Der Weg des Künstlers“ insofern, weil ich ziemlich viele Leute kenne, die das für sich sehr hilfreich fanden, manche noch mehr als das. Aber ich kann bestätigen, was du sagst „man muss das mögen“, für mich hat es nicht so recht gepasst. Die Inventurfragen kenne ich nicht, habe ich gerade mal gegoogelt, aber zumindest nicht auf Anhieb gefunden. Hättest du dazu vielleicht einen Link?

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      1. A.R.T.S. hat seine deutsche Seite leider offline genommen (es ist kaum bekannt, es gab zwei reguläre Gruppen in ganz Deutschland und ein über Jahre totes yahoogroups-Meeting, mehr nicht). Auf der amerikanischen Seite findest du diese Fragen als „Facing Avoidance“: http://www.artsanonymous.org/literature/

        Die Kölner Gruppe (ob noch existent ist mir nicht bekannt) hat unter dem Punkt Download die Deutsche Fassung mit dem Titel „Fragen“: http://www.arts-koeln.culturebase.org/

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    2. Mir hat Julia Cameron’s Buch sehr geholfen, vor allem mit dem Leben selbst und mit mir ins Reine zu kommen (soweit es geht). Mir gefiel auch, dass sie als Ex-Alkoholikerin das Buch den AA 12 Steps angepasst hat. Seitdem habe ich es immer wieder Freunden geschenkt, die es aber leider nur anfangen… Ich glaub, man muss wirklich schürfen und entdecken wollen und vor nichts zurück schrecken.
      Sich mithilfe von Kunst auszudrücken, zu kommunizieren und Sinn zu schaffen sind hervorragende Dinge, aber manchmal glaube ich, dass wir es anstelle des anderen tun. Anstelle von wirklich zu leben, wirklich zu lieben und uns wirklich auf alles,uns selbst und andere einzulassen. Wie ein Geschenk anstelle einer Liebkosung…
      Best Grüsse,
      Dagmar

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      1. Liebe Dagmar, ich mag es sehr, wenn wir hier über die „großen Dinge“ miteinander ins Gespräch kommen und danke dir daher sehr für deinen Kommentar!
        Bei „man muss wirklich schürfen und vor nichts zurück-schrecken“ habe ich daran gedacht, dass es auch Menschen gibt, die ziemlich gute Gründe haben, nicht zu tief schürfen zu wollen – und dass man es ihnen oft nicht ansehen kann … Und was „das Andere“ betrifft: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass es das gibt. Aber es ist nicht immer so, oder? Und die Kunst, die Literatur ist auch nicht per se „das Andere“, das nicht zum Leben gehört – denke ich, obwohl ich schon weiß, was du meinst …

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  3. Liebe Jutta,
    zählt man zu den oben beschriebenen verzagten Leuten, wenn man zwar an sein Talent jedoch nicht an die nötige Disziplin glaubt? Der Spruch Talent sind 10 Prozent, der Rest ist mühevolle Arbeit! hat mich schon immer desillusioniert. Was du in einem Punkt über Novizen und Novizinnen schreibst, lässt mich an echte Novizen im Kloster denken, die glauben ja auch nicht, dass sie gleich in der ersten Woche zu Visionen einer Mutter Oberin fähig sind. Sorry, schweife grad in religiöse Gefilde. Danke für diese erfrischenden Anregungen für meine Kreativität, die zarte Pflanze! frohes Neues…

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    1. Ich bin über die Begriffe Schreibnovizen und -experten vor kurzem in einem pädagogischen Aufsatz gestolpert und fand sie viel schöner und auch treffender als z. B. Anfänger. Weil einerseits die Notwendigkeit der Unterweisung darin enthalten ist und aber auch, dass (in aller Regel) aus jeder Novizin, jedem Novizen auch ein Experte, eine Expertin werden kann …
      Und was die Disziplin betrifft? Auch da ist das alles vielleicht ein bisschen komplizierter, als viele Menschen denken … Ich habe mich selbst sehr lange für einen sehr wenig disziplinierten Menschen gehalten und hatte dafür auch auf der Ebene meines Verhaltens auch triftige Gründe. Und nun ist mein Verhalten seit vielen Jahren ein ganz anderes und ich glaube, dass meine „Disziplin“ dabei keine maßgebliche Rolle gespielt hat. Aber vieles ist eben leicht geworden, was früher schwer war – und da ist es dann kein großes Kunststück, es zu machen … Oder anders gesagt: Ich glaube der Weg zu intensiverer Praxis führt über mehr Freude und nicht über mehr Zwang. In diesem Sinne wünsche ich dir ein besonders fröhliches Schaffen!

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        1. Ich bin immer wieder überrascht, dass nur weniges die TN von Schreibkursen so aufmuntert und motiviert, wie Berichte über die ernsten und langwierigen Schwierigkeiten, in die auch professionelle, auch „erfolgreiche“ AutorInnen geraten. Das ist vielen ganz unbekannt, dass das Überarbeiten, Suchen, Verzweifeln usw. nie aufhört …

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  4. Liebe Jutta,
    das Jahr fängt gut mit deinen (Denk)-Anstoessen an! Ich glaube, man muss es einfach machen, egal ob der Kopf sagt, ist eine dumme Idee, oder gerade gar keine Zeit, oder will doch sowieso keiner wissen oder ist kalt draussen. Und wenn man dran bleibt, wie ein Hund an seinem Knochen, passieren manchmal magische Dinge oder gewoehnliche Dinge, aber sie passieren. Und darauf kommt es an.
    Gut dich an der Seite des Kreativen zu wissen und so die Welt ein bischen schoener machst!
    Herzliche Grüsse,
    Dagmar

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    1. Yes! Das ist eine wunderbare Version meiner Lieblingsaufforderungen: Anfangen. Machen. Loslegen. Ausprobieren. Und das kenne ich auch gut, dass man dann manchmal mit „magischen Momenten“ oder einem schönen „Flow“ oder was auch immer belohnt wird ,-) In diesem Sinne!

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  5. Liebe Jutta,
    ich grübel noch über die Romanenden, da kommst Du schon wieder mit einer Idee, nämlich sich wenigstens einmal die Woche 90 Minuten zum Schreiben zu gönnen. Die Idee finde ich richtig toll. Wenn wir Sport machen, ins Fitness-Studio gehen, zum Musikmachen oder in den Strickkreis ist das ja auch so ein feststehender Termin. Und es ist auf jeden Fall schon einmal ein „niedrigschwelliger“ Einstieg; wenn ich das Joggen anfangen möchte, dann ist mir auch dias Ziel, für einen Marathon zu trainieren, zu weit entfernt.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia, ich entwickle gerade einen Schreibratgeber und ich habe mir diese 90 Minuten-Geschichte aus genau dem Grund ausgedacht, den du aufgegriffen hast: Es ist das Zeitintervall, das wir selbstverständlich akzeptieren, wenn es um Sport oder irgendwelche anderen Hobbys geht. Freut mich wirklich sehr, dass dir das spontan einleuchtet! Und in wenigen Tagen verrate ich dir dann auch noch, was du in den 90 Minuten machen könntest 😉

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      1. Ich bin gespannt… Dein erster Satz mit dem Blick aus dem Fenster geht mir ja auch gar nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe da so eine ganz konkrete Situaion vor Augen – nur das Füllen des weißen Blattes fällt mir doch sehr schwer. Ich habe ja keine Probleme, ein Ausbildungskonzept für die Betreuung der Referendare zu schreiben, eine Beureilung von Kollegen im Zuge der Verbeamtung oder eine Masterarbeit, aber schon bei den Buchbesprechungen läuft es nicht immer so rund – und einen literarischen Text zu schreiben… puh. Aber ich vermute, Du hast da wieder einmal eine tolle Idee, die mich ordentlich begeistert und schon sitze ich da und bekomme ein paar Sätze aufs Papier. Ich freue mich drauf!
        Viele Grüße, Claudia

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        1. Liebe Claudia, also was demnächst (ich hoffe Freitag ,-) an den Start gehen soll, ist mein inzwischen serienreifer „Geschichten-Generator“, der ja vor allem ein „Ideen-für-Geschichten-Erfindungs“-Generator ist. Aber nun hast du ja schon etwas, das zwar noch keine richtige Idee ist – aber dem du vielleicht gerne nachgehen würdest? Dann würde ich an deiner Stelle so vorgehen: Alles aufschreiben, was du „weißt“ über die Situation. Über die Figur, die schaut; über die Umgebung. Wer könnte sich in der Nähe befinden? Und ganz wichtig: Das, was du da aufschreibst, ist noch nicht der „literarische“ Texte, der vielleicht daraus irgendwann einmal entsteht. Und deswegen schreibst du auch gut sichtbar darüber: Skizze oder Materialsammlung oder Notiz – was immer dich anspricht. (Und vielleicht sind 90 Minuten ganz am Anfang sogar zuviel – dann startest du mit 60 😉

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  6. Du bist eine prima Motivatorin, liebe Jutta. Das zeigt dieser Text wieder einmal sehr schön. Mir gefällt besonders auch die Frage nach „dem richtigen Sport“. Der kann sich ja im Laufe der Zeit auch immer mal ändern. Und wenn es passt, da stimme ich einem deiner Kommentare zu, klappt es auch mit der Disziplin.

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    1. Liebe Maren, das freut mich wirklich sehr – weniges macht mir so viel Freude, wie andere zum (Geschichten)-Schreiben anzustiften 😉 Und ja: „die Geschichten (er)finden, die darauf warten, von uns erzählt zu werden“, das ist mir ein rechtes Motto geworden … Ich grüße dich herzlich!

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  7. Liebe Jutta,

    Fast über den Dächern von, nein nicht Nizza – Bremen – ziemlich hoch oben. Eigentlich die letzte Etage, ein verschlossener Raum. Da standen wir. Wir, die wartenden. Ein junger Mann tuschelte mit einer Frau mittleren Alters. Na, ja müssen sich wohl kennen, resümierte ich. Fast belanglos beobachtete ich das Gehabe. Schnell mal eben einschätzen. Die werden meine Mitstreiter sein. Konkurrenten.
    Was sind das bloß für Gedanken. Vielleicht sind sie bloß „neugierig“. Wer weiß es schon. – Ich nicht –
    So fing ich an zu spinnen. Ein Netz von klebrigen Fäden. Das war nichts Neues für mich. Ein langes Leben tat ich es schon, diese Spinnerei.
    Blicke trafen auch mich. Eher wehmütige, so mehr die des Bedauerns. Die Augenbrauen wurden hochgezogen und die Mundwinkel hingen schlaff herunter. Ach du meine Güte, ein schlechter Start, sie können alle etwas und du, wirst es nie können.
    Schweigen, so eine Art von Totenstille. Wer wird denn hier beerdigt. Die Idee, der Mut, die Kreativität.
    Warum reden wir nicht miteinander. Wir könnten miteinander reden. Es würde die Zeit verkürzen. Die Zeit des Wartens.
    Dahinten in der Ecke, etwas abseits, war eine zierliche, junge Frau mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht und längerem Haar. Nicht groß, aber sichtbar. Sie war der Situation zugewandt, dennoch kam sie mir geheimnisvoll vor. Plötzlich fühlte ich mich geborgener. Wenn es nur einen einzigen unter ihnen gibt, dachte ich bei mir, dann lohnt es sich zu bleiben.
    Plötzlich erreichte mich ein Luftzug, der dem schnellen Gang einer sportlichen Person vorauseilte. Ein Lachen, und ein ausgestreckter Arm, genau das Schlüsselloch treffend, öffnete die Tür. Die zu dem einzigen Raum führte, der fast die gesamte obere Etage sein eigen nennt. Und dann……

    Wenn Perlen die Tränen des Meeres sind,
    so ist die Tinte der Feder eines Schreibers
    das Blut, welches in seinen Adern fließt.

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  8. Ich will eigentlich keine Spielverderberin sein, aber es gibt wirklich Leute, die kein Talent zum Schreiben haben. Genauso, wie ich zum Beispiel kein Talent zum Klavierspiel besitze. Nix zu machen. Und ich wäre manchmal froh, wenn das jemand auch mal sagen würde. Denn es ist, Talent hin, Fleiß her, leider so, dass eben nicht jede/r schreiben kann. Schon allein, um den Beruf der Autor/innen und Texter/innen wieder aufzuwerten.

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    1. Liebe Stephanie, ich danke dir für deinen Kommentar und empfinde ihn nicht als Spielverderberei! Die meisten Menschen, die ich kenne, denken eher so wie du (ich selbst habe es auch lange Zeit getan) und ich nutze die Gelegenheit gerne, um meine Position zu verdeutlichen:
      Ich interessiere mich schon länger für dieses Thema und war selbst verblüfft, wie wenig sich die Vorstellung vom „Talent“ empirisch hat bestätigen lassen. Alle Forschung weist daraufhin, dass wir die Bedeutung von Talent vollkommen überschätzen und die von Praxis/Erfahrung/Übung unterschätzen. (Für diejenigen, die es interessiert: Es gibt ein tolles Buch „Was heißt schon Talent?“ von Matthew Syed, einem englischen Olympiasieger im Tischtennis, der mittlerweile Wissenschaftsjournalist ist und eine unglaubliche Fülle von Belegen aus Musik, Literatur, Sport anbringt).
      Wo wir übereinstimmen: Fleiß allein reicht nicht – es braucht auch qualitativ hochwertigen Untericht/Unterweisung/Rückmeldung, jedenfalls punktuell. Und es braucht Freude an dem, was wir machen – sonst schaltet unser Gehirn auf Sparmodus und der reicht nicht, wenn wir kreativ sein wollen …

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      1. Na gut, dann ist es eben nicht das Talent, sondern zu wenig von was anderem. Wer in Schreibgruppen schreibt, merkt zum Beispiel schnell, dass die ulkigsten Leute super schreiben, und eben gerade nicht die, von denen man es vermutet hätte. Aber es gibt Leute, die sind schreibtechnisch gesprochen „unmusikalisch“. Und vielleicht ist es auch das, eine gewisse Hörlosigkeit für Rhythmus, Melodie – oder es ist etwas ganz anderes. Es geht mir überhaupt nicht darum, dass man Schreiben nicht lernen kann. Ich war eine Pfeife in Deutsch und bin über eine Vier nie hinweg gekommen. Heute verdiene ich mein Geld als Schreiberin. Geht ja. Aber es gibt eben auch Fälle, die hoffnungslos sind. Wie ich am Klavier. Man kann eben nicht alles. Vielleicht geht es mir auch um die Demut vor Talent oder dem was auch immer, was wir eben haben oder nicht und das wir uns, egal wie, auch nicht antrainieren können. Denn das sind wir eben auch.

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        1. Liebe Stephanie, wir werden uns in diesem Punkt nicht einig werden – aber das ist ja auch nicht das einzige Ziel des Austauschs, auch eine Klärung der Positionen kann uns ja ebenfalls weiterbringen. Insofern danke ich dir für deine engagierte Widerrede – und bleibe bei meiner Meinung, dass auch das Rhythmusgefühl nichts ist, was die einen haben und die anderen nicht. (Für diejenigen, die mitlesen: Nichts ist so hilfreich wie lautes Lesen der eigenen Texte, bei denen man dann unüberhörbar „stolpert“ …) Herzliche Grüße!

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  9. Liebe Jutta, ich finde wunderbar, was du geschrieben hast. Es geht ja auch überhaupt nicht darum, das Schreiben zum Beruf zu machen – es geht um die Freude daran, Gedanken festzuhalten. Man muss gar nicht die ganze Welt erreichen, man muss nicht auf den großen Bühnen musizieren, Hausmusik (auch wenn ziemlich aus der Mode gekommen) im kleinen Rahmen kann unheimlich viel Spaß machen und erfüllend sein. Man muss nur einen Anfang wagen und dafür bist du ein fantastischer Mentor!
    Herzliche Grüße nochmals zum Jahresbeginn, auf ein schönes Neues!
    Marlis

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    1. Liebe Marlis, vielen Dank – dein Kommentar freut mich (natürlich) sehr! Und ich frage mich manchmal, warum es Menschen in anderen Bereichen offenbar leichter fällt, etwas wegen der Freude allein schon an der jeweiligen Betätigung zu tun: Wieviele Menschen singen im Chor oder unter der Dusche, spielen ein Instrument, laufen ein- oder zweimal, ohne Marathon-Ambition oder malen, ohne insgeheim noch auf den „großen Durchbruch“ zu spekulieren. Beim Schreiben schiebt sich das Thema der Veröffentlichung oft seltsam früh in den Vordergrund und führt zu Enttäuschungen und Frustrationen.
      „Deine“ Hausmusik finde ich einen sehr schönen Hinweis, dass wir ja auch jenseits der großen Bühnen, zeigen/vorführen/vorlesen können, womit wir im stillen Kämmerlein Zeit verbringen. Und dazu ein paar Freunde, vielleicht die Nachbarn einladen und ins Gespräch kommen miteinander – viel besser gehts doch nicht, oder?

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  10. Ich finde schreiben einen wunderbaren Prozess um Dinge zu verarbeiten zu klären sich bewußt zu machen.. therapeutisch sozusagen, und manchmal bin ich später ganz erstaunt in welche fremden Erinnerungszonen ich da vorgestoßen bin …

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    1. Gerade steht auf meinem Schreibtisch ein schöner Satz von Antje Ravic Strubel: „Schreiben bedeutet, sich das eigene Denken anzusehen.“ Ich kenne das auch, dass es mir wirklich überraschende Entdeckungen ermöglicht darüber, was in meinem Kopf (im weitesten Sinne) so los ist …

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  11. Ja, es gibt sie “ die Talente “. Hinter allem, steckt Arbeit. Nicht aber hinter jeder Arbeit ein Talent. Darum bin ich so dankbar, dass es diese “Schreibwerkstätten“ gibt. Nicht, um mein Talent zu entdecken, sondern eine Technik vermittelt zu bekommen, die mir bislang fremd war. Dies ist nur ein Gedanke zu dem Thema “Schreiben“.
    Klavier spielen, das kann man lernen. Nur um der Musik den Atem zu geben, damit der Ton in mir und für andere, klingt. Das ist eine Gabe, die uns unterscheidet. Dem einen fällt es zu, der andere gibt seinen Schweiß. Im Gesamten, ist es die Freude und Hoffnung, vielleicht auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, die das Unfassbare entstehen lassen.

    Lieben Gruss

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  12. Zum Talent und Schreiben und Klavierspielen fällt mir eine Besonderheit des Schreibens ein.
    Noch jeder Mensch, den ich auch nur ein klein wenig besser kennengelernt habe, hat mir etwas erzählt: Eine kleine Begebenheit vom Tag, eine Freude, einen Ärger, eine Erinnerung, einen Wunsch (oder ein Lügenmärchen). Menschen erzählen sich Geschichten. Wir üben das, sobald wir anfangen zu reden. Das ist dann zwar gewöhnlich alles andere als druckreif, hat aber schon eine Form, vielleicht (O.K., das ist jetzt ziemlich hochgegriffen) ist das schon die Urform von Literatur oder, wenn es sich entwickeln darf, das erzählte Äquivalent zur Hausmusik. Doch ohne geeigneten Unterricht, Unterweisung, Rückmeldung geht es nicht. Nicht beim Sprechen lernen und nicht beim Erzählen lernen und auch nicht beim Schreiben.
    In Musikerfamilien scheinen viele Kinder mit Musik-Talent auf die Welt zu kommen, dabei lernen sie Musik wie die meisten Menschen sprechen lernen, sie lernen es eben. Musik lernen ist allerdings hierzulande nicht so selbstverständlich wie Sprechen lernen. Und deshalb scheint Musikmachen auch besonderer zu sein als eine Geschichte zu erzählen. Es gibt eine Alltagssprache, aber keinen Alltagsgesang. Und Talent? Ich vermutete, es gibt mehr oder weniger geeignete Lehrer oder Unterstützer und eine mehr oder weniger unterstützende, anregende Umgebung und manchmal einfach das dringende Bedürfnis, eine Weg zu finden, etwas auszudrücken. Aber Talent? Was soll das sein?

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    1. Liebe Sabine, vielen Dank – dieses Phänomen gibt es ja in vielen Bereichen, dass die „Häufung“ mit dem vererbten Talent erklärt werden und kaum einmal mit dem erhöhten Maß an Anregung, Praxis, manchmal auch Drill. Wobei ich schon öfter Künstlern begegnet bin, für die es ganz selbstverständlich war, dass sie vor allem von den Anregungen innerhalb der Familie profitiert hatten. Ein schönes Gegenbeispiel sind auch die Polgar-Schwestern, die in die Schachgeschichte eingegangen sind: Weil sie zu den besten Schachspielerinnen der Welt zählen und weil ihr Vater diesen Bereich willkürlich ausgewählt hatte – um zu beweisen, dass es auf Talent kaum ankommt …

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