„Sie wird es endlich versuchen! Heute! Oder spätestens morgen …“ Eine Schreibanregung

Schreibanregungen, so wie ich sie verstehe sind keine „Aufgaben“. Nichts daran ist festgelegt. Das einzige, das zählt, ist die Entstehung eines Schreibimpulses. Manchmal löst schon die Lektüre des Satzes selbst eine Idee oder Vorstellung aus, oft geschieht das aber auch erst über kleinere oder größere „Umwege“:

Vielleicht versucht da gar keine „sie“ etwas, sondern ein „er“ oder ein „ich“? Oder es wird gar nichts versucht, sondern entschieden tatkräftiger etwas „getan“. „Heute wird sie es tun!“ oder auch „Sie wird das nicht tun. Sie wird es auch nicht versuchen.“

Wer könnte etwas tun oder lassen oder versuchen? Endlich oder doch zu früh? Und mit welchem Ergebnis? Aber das spielt vielleicht gar keine Rolle …

Wer Lust hat mitzumachen, schreibt auf, was ihm oder ihr in den Sinn kommt: in das Kommentarfenster oder auf den eigenen Blog, ins Tagebuch oder mir per E-Mail (und ich stelle es hier ein). Ich freue mich auf Eure Ideen!

13 Comments

  1. Liebe Jutta, das ist ja eine schöne Anregung. Ich habe vorhin einen amerikanischen Song gehört, darüber, dass sich einer wie ein Hundertjähriger fühlt, zufällig im Radio. Und habe diesen Satz weitergesponnen:
    Sie fühlte sich, als wäre sie über hundert Jahre alt. Schildkrötengleich bewegte sie sich die Treppe runter. Der erste heiße Tag des Sommers und sie musste sich diesen Virus einfangen. Fieber und Krämpfe, nur noch schleichen. Bleib doch im Bett, sagte ihr ihre Tante Ilse, als sie heute morgen telefonierten. Du spinnst wohl, was glaubst du, was ich alles auf der To Do Liste stehen hab, solange ich mich bewegen kann, werde ich weitermachen.
    Na, wenn du meinst, Kindchen. Ihre Tante rief heute an, weil sie sich wieder an den Namen erinnern konnte. Ich weiß jetzt, für wen der Vater gearbeitet hat, damals im Krieg, sagte sie. Es war ein General und er war doch kein Graf, aber alt war der, steinalt, damals schon. Hintze hieß der, Walter Hintze oder so ähnlich. Kannst ja mal gucken, ob du was über ihn finden kannst.
    Heute war sie die einzige, die sich draußen mit dicker Strickjacke und Schal zeigte, alle radelten an ihr vorbei in Röckchen oder Bermudas, alle nur im T-Shirt. Sie musste raus, um Mika abzuholen von der Schule, die würde einen Schrecken kriegen, wenn sie die Vereinbarung nicht hielt. Mit Kind krank sein, das ging eingentlich gar nicht. Es wurde warm und Mikas Sandalen sind auf einmal zu klein geworden, hat wohl einen Schub gemacht. Aber Ende Juni noch Kindersandalen in der passenden Größe zu finden. Vergiss es. Egal, einen Tag mehr wird sie wohl noch in ihren Turnschuhen rumlaufen können. In zwei Tagen war wieder mal Abgabe und hier lief sie, brüchig und langsam wie eine Hundertjährige und der Kopf funktionierte auch nicht richtig.
    Sie hatte den Namen des Generals sofort im Internet gesucht und gefunden. Es war schon wahr, ihr Opa hatte in den letzten Kriegsmonaten zwar nur als Chauffeur gearbeitet, aber für wen? Keinen Geringeren als den Stellvertretenden Oberkommandeur für den Raum Süd-Ost. Und bei der Operation Barbarossa gegen Russland war er auch als Oberbefehlshaber dabei, also nicht der Opa, der lebte 1941 ja noch selbst in der Ukraine, nein, der Wehrmachtsgeneral. Doch um diese Recherche würde sie sich an einem anderen Tag kümmern müssen. Heute sollte sie sich vielleicht doch etwas hinlegen. Mika fremd verabreden und sich aufs Sofa hauen. Vielleicht hatte Tante Ilse doch recht, und mit so einem Virus war nicht zu spaßen.

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    1. Oh, das gefällt mir sehr! In Texten wird oft so „ordentlich“ nachgedacht: erst das eine Thema und dann das andere usw. Aber so denken wir ja nicht wirklich. Tatsächlich überlagern sich die Themen und Fragen, werden unterbrochen, tauchen wieder auf – und genau so ist es in deinem Text und obwohl er so kurz ist, gelingt es dir, mich in diesen (zusätzlich noch) viruskranken Kopf „hineinzuziehen“, ich glaube besonders mit dem beiläufigen Satz: Ich weiss jetzt, für wen der Vater gearbeitet hat, damals im Krieg … Herzlichen Dank und falls es noch weitergeht, lass es uns bitte wissen 😉

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  2. Das war für mich ausnahmsweise eher mal eine Tatsachenbeschreibung… ‚Sie‘ hat sich tatsächlich am Wochenende hingesetzt und an der Geschichte getippttippttippt. Selbst beim Zähneputzen eine Idee gehabt und den Rechner nochmal hochgefahren. Tipptipp.
    Dank an alle, die am Montag kräftig das Gedankenkarussel angeschubst haben!

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    1. Das freut mich! In meiner Vorstellung ist es ja mit dem Ideensammeln wie bei einem Komposthaufen: da sammelt man auch alles mögliche – und wenn die Zusammensetzung stimmt, dann entzündet sich im Inneren etwas … Herzliche Grüße!

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  3. Eher über Umwege. Dem Impuls zu folgen?
    Ja, wenn das so einfach wäre. Da müssen erst die vielen „wenn“ und „aber“ eventuell, „später“, ausgeschaltet werden.
    „Schreiben“ ist, wie ich es verstehe, eine nicht von außen gestellte Aufgabe, sondern eine innere Notwendigkeit.
    Ein Bedürfnis, ein Verlangen den Bildern die im Kopf entstanden sind, sprachlich zu formen.
    Schreiben ist, die tonlose, vorwiegend schwarz, weiß Unterhaltung. Eine gedankliche Diskussion zwischen dem Urheber der Schrift und dem Leser.
    Schreiben ist das gemalte Bild des Geistes eines menschlichen Gegenüber.
    „Eine Schüppe heißer Asphalt“, ist ein Impuls, (Schreibaufforderung) warum auch immer.
    Diese Bemerkung, ist in meinem Kopf. Dazu Bilder, keine Worte. Viele Bilder, an einander gereihte Bilder. Niemand kann sie sehen, also werden sie einer Metamorphose unterzogen.
    Betrachten wir es mal so, Ich verpuppe sie zu Kokons. Wie die Seidenraupe. Am Ende wird der Kokon aufgebrochen. Anstelle des Schmetterling kommt das Wort und nimmt seinen Platz auf dem weißen Papier ein.
    Die Stunde der Geburt, einer Geschichte.

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    1. Liebe Monika, hatte ich die tollkühne Behauptung aufgestellt, es wäre leicht, das Schreiben? Aber im Ernst: gerade weil es das manchmal nicht ist, sollten wir (davon bin ich sehr überzeugt) es uns da, wo wir wählen können, lieber leichter als schwerer machen und so viel Druck als möglich aus der Sache nehmen … Herzliche Grüße!

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    1. Das gefällt mir schon sehr, wie du dieser Situation, die so bekannt scheint, eine ganz eigene Atmosphäre gibst, so dass ich diesen Text lese, als hätte ich von derlei Entscheidungsproblemen noch nie gehört 😉

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