„Der Sinn, ein Notizbuch zu besitzen …

… bestand nie darin, exakt festzuhalten, was ich tatsächlich getan oder gedacht habe … denn ich habe nicht nur schon immer Schwierigkeiten damit, zwischen dem, was passiert ist, und dem, was einfach hätte passiert sein können, zu unterscheiden, sondern ich bin noch immer nicht davon überzeugt, dass diese Unterscheidung, jedenfalls für meine Zwecke, eine Rolle spielt.“

Joan Didon: Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben

Und ihr? Was denkt ihr dazu? Ist es für das Schreiben unerheblich? Immer oder machmal? Und was ist mit den anderen, die denken könnten, dass es so oder doch ganz anders gewesen wäre? Spielt das eine Rolle? Heute weniger als früher oder ist es umgekehrt?

8 Comments

  1. Da bin ich ja beruhigt. Als ich vor Jahren meine alten Tagebücher, die sicher zu den Notizbüchern zählen, durchforstet habe, war ich erstaunt, dass ich kaum tatsächliche Ereignisse, nicht einmal großartige Befindlichkeiten darin fand. Es handelte sich meistens um Fantasien, Wünsche, Träume. Ich war enttäuscht. Und habe leider die ganze Kiste ungeschreddert zum Altpapier gestellt. Jetzt hätte ich sie gern zurück – manchmal. Allerdings stapeln sich wieder Notizbücher. Mittlerweile weiß ich aber, wie ich sie zu lesen habe und auch, wie ich sie schreibe, sodass gleich eine Geschichte dabei anklingt.
    Notizbücher, die ein Leben begleiten und eine wahre Geschichte erzählen, interessieren mich aber auch. Ich hätte gern einen Einblick in den Alltag meiner Großmütter. Und noch einen zweiten Blick in ihr geträumtes Leben.

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    1. Vielen Dank für diese interessanten Hinweise! Bei mir ist es meistens so, dass ich Notizbücher, die darüber Auskunft geben, was ich wann getan habe, gerne besäße, aber nach kürzester Zeit die Lust verliere, sie zu führen. Und als ich das erste Mal diesen Aufsatz von Joan Didion las, habe ich mich gefragt, ob sich vielleicht Menschen wirklich darin entscheidend unterscheiden, ob ihnen die Frage wichtig ist: War das genau so? Aber so und so wäre es doch die viel bessere Geschichte … Und mittlerweile wissen wir ja auch, dass es das, was wir für „die Wahrheit“ gehalten haben, gar nicht gibt … Viele Grüße!

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  2. Für mich waren Notizbücher immer Beweise eines bedeutungsvollen Lebens. Ich benutzte Terminkalender , in die ich die Ereignisse nachträglich eintrug. Bewußt wählte ich einen lakonischen Stil „10 Uhr Treffen mit Ulrike “ ohne zu erwähnen, dass ich natürlich schon wochenlang diesem Treffen entgegenfieberte. Später sollte mir der Eintrag dann sagen: Aha, damals ging das also mit Ulrike los. Oder, falls es schiefging: Ulrike, wer war das noch mal? Ich arbeitete also an meiner privaten Geschichtsschreibung und verpasste dabei , wirklich etwas zu erleben.

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    1. Ich kenne das auch, dass die Frage: Wie schreibe ich über mein Leben? auf eine seltsame und nicht immer wünschenswerte Weise in das Leben hineinfällt. Aber gerade kommt es mir so vor, als wenn du dadurch nicht weniger zu erzählen, aufzuschreiben hättest – was, wie ich zugeben muss – nicht alles ist im Leben …

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  3. Bei mir geht es eher um Gedanken. Einfälle, Einsichten, Fragen, Verwirrendes, Undurchdachtes, Angedachtes, ein Versuch des Ausdruckes.
    Nie schreibe ich heute dies oder das. Meistens allerdings das Datum und wenn ich auf Reisen bin auch den Ort dazu. Denn eines finde ich interessant: Wo und wann kam mir ein solcher Gedanke.
    Wenn ich Terminkalender vorherergehender Jahre besehe, staune ich mitunter über die Fülle an Terminen, denke ein Oh oder Ach ja, doch das war’s dann schon.
    Mir sind meine Gedanken lieber. Manchmal überraschend, manchmal beschämend, manchmal mittlerweile so klar und selbstverständlich, dass ich mich frage, warum ich das damals aufgeschrieben habe.

    Danke für die Denkanregung!

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    1. Der Dank ist ganz auf meiner Seite! Deine Erfahrungen mit den eigenen Notizen, erinnern mich daran, dass ich manchmal erstaunt, verdutzt, irritiert bin angesichts von Notizen, die aufgeschrieben zu haben, ich mich gar nicht mehr erinnern kann. Manchmal auch durchaus erfreut – ach, so ein schöner, mir im Moment klug erscheinender Gedanke stammt tatsächlich meiner „Feder“ … Herzliche Grüße!

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