Ich ist ein anderer

Ähnlich Schauspieler:innen können Autor:innen in eine Vielzahl anderer Rollen schlüpfen. Sich eine andere Vergangenheit, eine andere Zukunft ausdenken. Für ein vorhandenes Gefühl eine andere Bühne, eine andere Geschichte suchen.

Eine schöne Möglichkeit, mit einer fiktiven, fremden Existenz zu spielen, besteht darin, für diese fremde Person einige Tagebucheinträge zu verfassen. Wenn möglich ohne den zweckgerichteten Hintergedanken, das Geschriebene später unbedingt verwenden zu können.

Vielleicht handelt es sich um jemanden, der schon lange nicht mehr Tagebuch geschrieben hat? Aber sich jetzt, wo – ja, wo was passiert ist? – hinsetzt und zu schreiben beginnt. Und vielleicht gar nicht sofort „rausrückt“ mit dem, was geschehen ist, sondern sich erst wieder vertraut machen muss mit dem Schreiben. Der in seiner Küche sitzt (oder am Schreibtisch, in einer Straßenbahn oder einem Café) und so tut, als interessiere ihn oder sie gar nicht, was ihm/ihr selbst widerfahren ist. Jemand sitzt da und fängt an zu schreiben …

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