Neue Lesungstermine – „Wiederholte Verdächtigungen“ Herbst 2015

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Ich freue mich sehr, euch auf neue Lesungstermine in diesem Herbst hinweisen zu können!

Aus den „Wiederholten Verdächtigungen“ (Klöpfer & Meyer) lese ich am:

30.09.2015  in der Buchhandlung Ostertor in Bremen um 20 Uhr

16.10.2015 auf der Buchmesse (Leseinsel der Unabhängigen Verlage, Halle 4.1) um 16 Uhr

04.11.2015 in der Stadtwaage Bremen um 19 Uhr

Es wäre klasse, den ein oder anderen von euch vor Ort zu sehen! Auch wenn die Resonanz auf die „Wiederholten Verdächtigungen“ sehr positiv ist, freue ich mich weiter sehr über jede/n, die oder der ein bisschen Wind für mich macht und den Roman, die Lesungen und den Blog weiterempfiehlt oder für mich per Facebook-Like beim Virenschleuderpreis votet!

Es sollte ein Bericht von der Buchmesse werden, es wurde eine kleine Dialog-Skizze*

„Es ist mir vollkommen rätselhaft, warum du da immer noch hinfährst!“, sagte sie, kaum dass er die Küche betreten hatte. Er schaute sich suchend um.

„Ich glaube, ich habe sie im Wohnzimmer gesehen.“

„Was hast du gesehen?“

„Suchst du nicht deine Brille?“

„Die Brille habe ich doch!“ Er tastete die Jacke, die er in der linken Hand hielt, mit der rechten ab, öffnete einen Reißverschluss und streckte ihr ein grünes Brillenetui entgegen.

„Dann liegt der Schlüssel bestimmt in der Schale“, sagte sie und blätterte die Zeitung, die vor ihr auf dem Küchentisch vollständig ausgebreitet lag, um.

„Kommst du?“ Er verstaute das Brillenetui erneut in der Innentasche seiner Jacke.

„Ganz sicherlich nicht!“

„Was soll das heißen?“

„Jetzt tu nicht so überrascht – ich habe dir doch oft genug gesagt, dass ich mir einen Besuch bei deinen Eltern nicht mehr antun werde!“

„Aber dann bist du trotzdem beim nächsten Mal wieder mitgekommen!“

„Jetzt halte ich mich eben endlich mal an meine Ankündigung – das müsste dir doch gefallen!“ 

„Und was soll ich ihnen sagen?“

„Sag ihnen, was du willst! Sag ihnen, dass ich ihre schlechte Laune und ihr Gemeckere und ihre Missgunst nicht mehr ertrage. Sag ihnen, dass mir davon übel wird. Und sag ihnen bitte auch, dass ich nicht weiter zusehen werde, wie sie dich rumkommandieren und wie einen Hund behandeln. Ach was, sie behandeln dich schlechter als ihren Hund!“

„Das ist doch albern – sie haben überhaupt keinen Hund und das weißt du auch!“ Er machte einen Schritt in Richtung des Küchentischs, stoppte dann aber die Bewegung  und stand mitten im Raum.  „Du kannst doch nicht behaupten, sie behandelten mich schlechter als einen Hund, wenn sie überhaupt keinen Hund besitzen, nie einen besaßen, ja, nie überhaupt mit irgendeinem Tier unter einem Dach gelebt haben.“ Er machte einen Schritt zur Seite.

„Wenn …, Hannes! Wenn sie einen Hund hätten, dann würden sie ihn unter aller Garantie besser behandeln als dich.“

Er öffnete die Spülmaschine und entnahm ihr ein Wasserglas, das er sorgfältig von allen Seiten mit kaltem Wasser abspülte. Vorsichtig nahm er einen Schluck, verzog den Mund, goss das Wasser aus und kühlte erneut das Glas, bis er einen weiteren Schluck nahm.

„Wenn dein Mutter Sängerin geworden wäre, hättet ihr  bestimmt alle immer Kamillentee trinken müssen!“

„Du kapierst es nicht! Du kapierst überhaupt nicht, um was es hier geht, oder?“

„Es sind meine Eltern!“

„Dann sollten sie sich vielleicht auch mal dir gegenüber so verhalten.“

„Ist das nicht vor allem meine Sache?“

„Was?“

„Alles!“

„Was heißt alles?“

„Alles eben! Ob ich da hinfahre und wie ich mich verhalte und ob es mich stört oder nicht und ob ich mich aufrege, wenn mich etwas stört oder ob ich etwas dazu sage oder nicht und ob ich dich mitnehme oder nicht und ob …“

„Ob du mich mitnimmst?“ Sie schlug die Zeitung zu und faltete sie energisch zusammen.

„Ja, ob ich dich mitnehme.“ Er nahm seine Jacke, die er auf der Lehne eines Küchenstuhls abgelegt hatte musterte sie aufmerksam. „Weißt du eigentlich, wie sehr mir das auf die Nerven geht, dass du dich ständig über diese Jacke aufregst, diese ‚Regenjacke‘, wie du sagst. Deine Meckerei, dass ich sie auch trage, wenn kein Wölkchen am Himmel zu sehen ist. Und weißt du was?“

Sie stand auf und schloss das Fenster. Erst, als sie sich wieder ihm zugewandt hatte, sprach er weiter. „Das ist keine REGENJACKE!“

„Ist es nicht?“

„Nein“, sagte er. „Ist es nicht.“ Er nahm die Jacke und verließ die Küche.

Erst, als sie die Wohnungstür klacken hörte, drehte sie sich wieder zum Fenster. Wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte sie einen schmalen Streifen ihres Autos sehen, das vor dem Haus parkte. Immer wieder wippte sie auf und ab, aber der Streifen bewegte sich nicht. Nur am Horizont schien sich das übertriebene Blau des Sommerhimmels in ein dunkles Unwetter-Grau zu verwandeln. Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur ein.

 

 

* Ich hatte über meinen gescheiterten Versuch, von der Buchmesse zu berichten, einen Beitrag geschrieben. Mein ins Auge gefasster Anfangssatz „Es ist mir vollkommen rätselhaft …“ erwies sich als eine echte Nervensäge. Ich hoffe sehr, dass er nun, zumindest vorübergehend, Ruhe gibt und ich würde mich freuen, wenn sich diese Skizze eignen würde, um über Dialoge ins Gespräch zu kommen. Wovon ihr Gelingen abhängt und was sich an diesem vielleicht auch noch verändern  ließe …