Wiederholte Verdächtigungen: Erste Reaktionen und Rezensionen

„Virtuose Mutmaßungsprosa“ ist der Titel der Rezension von Hendrik Werner im Weser-Kurier vom 22.02.2015. „Jutta Reichelt ist mit ‚Wiederholte Verdächtigungen‘ ein eindringlicher, fesselnder und kluger Roman gelungen. Die Bremer Autorin, die sechs Jahre an dem schmalen wie gewichtigen Band gearbeitet hat, entwirft anhand von Katharina und Christoph ein packendes Spiel vom Fragen. Ein irritierendes Spiel, das Erwartungen, Vermutungen, Zuschreibungen der Figuren und des Lesers wiederholt virtuos unterläuft. (…) Jutta Reichelt, eine sehr präzise (Selbst-)Beobachterin, schreibt ungemein ökonomisch. Zwar wägt sie jedes Wort. Und doch atmet der kompakte Roman eine erzählerische Leichtigkeit, die sein schweres Sujet wohltuend kontrastiert.“

„Die Bremer Autorin Jutta Reichelt macht auch in ihrem jüngsten Roman das Auseinandergleiten von Lebens- und Identitätskonstrukten zum Thema. Was auf einer Ebene durchaus autobiografisch ist“, schreibt Carola Ebeling in ihrem Portrait für die taz. Esther Willbrandt führte für die „Buchpiloten“ des nordwestradios ein Gespräch mit mir, das neben dem Text selbst auch den Entstehungsprozess des Romans in den Blick nimmt.

In ihrer (also ja, tatsächlich) sehr begeisterten Rezension des Roman freut sich die überaus geschätzte Blogger-Kollegin Birgit Böllinger („SätzeundSchätze„), dass Christoph endlich wieder da ist und kommt zu dem Ergebnis: „Neben der klug konstruierten Handlung zeichnen ein ganz feiner, leiser Humor und mit sehr viel Empathie gezeichnete Figuren (die so lebensnah geschildert sind, dass man sie beinahe vor Augen hat) diesen Roman aus. Was mich aber vollends gefangen hat, ist die ruhige, ganz unaufgeregte Sprache, die Jutta Reichelt in diesem Buch anschlägt – glasklar und kein Ton zu viel.“

Zustimmung erhält sie dafür u.a. von Susanne, die in einer Gastrezension für den Blog „Die Bibliophilin“ bereits geschrieben hatte: „Vielen Dank für eine Geschichte, die mich mit dem ersten Satz reingezogen und erst nach dem letzten wieder ausgespuckt hat. (…) Jutta Reichelt beobachtet unfassbar gut, kann diese Beobachtungen eins zu eins in Sprache überführen und hat offenbar ein untrügliches Gespür dafür, wann es genug ist (eine Tugend, die man nicht hoch genug schätzen kann). Und obwohl Schauplatz, Protagonisten und Handlung genau genommen ziemlich unspektakulär sind, hatte ich beim Lesen so ein Thriller-Feeling, das ich nicht vermutet hätte bei einem so netten, harmlosen, jungen Vorstadt-Pärchen.

Auf ihrem wunderbar vielseitigen Blog „Von Orten und Menschen“ fasste Maren Wulf ihre Lese-Eindrücke in 9 Feststellungen und Gedanken zusammen – von Nr. 1: Ist das spannend! Ich habe schon eine Weile kein Buch mehr so atemlos gefressen. – Nr. 9: Es geht immer darum, Geschichten zu erzählen. That is what it’s all about.“

Joachim Mols formuliert begründet seine Leseempfehlung auf „bestreaders“ so: „Jutta Reichelt hat es wunderbar geschafft, die ungeheure Tiefe der Frage nach der eigenen Identität auf den Punkt zu bringen. Ohne mit einer aufdringlichen Psychoschnulze aufzuwarten, erzählt sie von der Bedeutung, die das persönliche, familiäre Erbe für den Menschen hat.

Ich freue mich sehr!

Und hier geht es zu den Verlags-Information von Klöpfer & Meyer und zu der Leseprobe.

„Verschämte Lektüren“ – jetzt ist es raus …

Wir wüssten (fast) alle viel mehr über Literatur, über (vergessene) Autorinnen und Autoren, wenn uns dieses Wissen öfter so unterhaltsam und (scheinbar) leichthändig geschrieben begegnete – wie es auf Birgits Blog „Sätze und Schätze“ der Fall ist. Immer wieder nehme ich mir an Tagen, in denen ich zeitlich unter Druck stehe vor, bloß keinen Blick zu werfen – immer wieder tue ich es doch und lese mich fest … Insofern ist dieser Hinweis eine auch eine Warnung, falls es überhaupt noch literaturinteressierte BloggerInnen gibt, die „Sätze und Schätze“ nicht kennen.

In den letzten Monaten hat Birgit nun eine so schöne wie humorvolle Initiative gestartet und ihre LeserInnen dazu aufgerufen, „verschämte Lektüren“ zu „beichten“. Ich habe eine Weile gebraucht – aber jetzt ist es raus: Auch in meinem Regal steht „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ – wer erfahren möchte, wie es dazu kommen konnte, und welche Konsequenzen diese Lektüre hatte, lese hier weiter …