Als ich vor drei Wochen erwog, eine Virtuelle Schreibwerkstatt zu eröffnen, da hatte ich selbst keine genaue Vorstellung davon, wie das konkret aussehen könnte. Und als ich dann loslegte, war mir immer noch vieles unklar. Genau das macht ja kreative Prozesse ganz allgemein aus: Wir haben eine Idee und schauen dann, was passiert. Ob überhaupt etwas passiert. Ob es uns gelingt, aus der ersten vagen Idee, eine Geschichte zu entwickeln – oder eine Schreibwerkstatt.
Nach einer Weile kann man dann mal prüfen, ob die Richtung stimmt. Bei Texten kann es sein, dass man mehr als nur einige Seiten geschrieben haben muss, um einschätzen zu können, ob die Richtung stimmt. Deswegen ist Schreiben, deswegen sind Texte so komplex, weil es eben sehr viele Schrauben gibt, an denen man drehen kann.

Bei Schreibwerkstätten ist die Situation etwas überschaubarer, sie orientieren sich vor allem entlang zweier Achsen: einerseits variiert das Verhältnis von Schreiben und dem Austausch über das Geschriebene und andererseits unterscheiden sie sich hinsichtlich Offenheit und Geschlossenheit. In einigen meiner Werkstätten wird überhaupt nicht geschrieben und der Zweck des Zusammenseins besteht ausschließlich im Austausch von (zuvor) geschriebenen Texten. In anderen Werkstätten steht das Schreiben vollkommen im Vordergrund, wie es bei der Offenen Schreibzeit der Fall ist, bei der alle kommen und gehen können, wie es für sie passt und es vor allem darum geht, den Teilnehmer:innen das Schreiben dadurch zu erleichtern, dass andere mit am Tisch sitzen – und auch schreiben. Es erstaunt sowohl die Teilnehmer:innen als auch mich immer wieder, wieviel kreative Energie allein dadurch freigesetzt wird.

Meine vage Idee war, diese Offene Schreibzeit in den virtuellen Raum zu befördern. Es war mir klar, dass die Offenheit eine besondere Herausforderung ist (die „geschlossenen“ Werkstätten lassen sich ja relativ umstandslos so wie andere Besprechungen auch als Videokonferenz durchführen). Was könnte im virtuellen Raum der Tisch sein, an dem wir alle sitzen? Zumal wenn (was mir ja ebenfalls ein Anliegen war) diese Werkstatt ganz unterschiedliche Menschen ansprechen sollte: echte Anfänger:innen genau so wie Menschen, die über regelmäßige Schreibpraxis verfügen?

Ehrlich gesagt, wusste ich auch das nicht. Aber jetzt, zwei Wochen später habe ich den Eindruck, dass wir auf einem ganz guten Weg sind. Miteinander haben wir einen Raum geschaffen, der jederzeit offen ist für alle (also auch für diejenigen, die jetzt oder später dazukommen) und in dem und um den herum es recht lebendig zugeht. Manche lassen in diesem Raum eine kleine Notiz, einen kleinen Gruß zurück – oder vielleicht auch einen Text. Andere verfolgen das Geschehen aus etwas größerer Entfernung, fühlen sich aber dennoch ein bisschen verbunden. Irgendwie gemeinsam und zugleich jeder für sich. Das passt gerade ganz gut in diese Zeit, aber für das Schreiben passt das für viele auch grundsätzlich ganz gut.

„Diese Zeit“. Als ich die Virtuelle Schreibwerkstatt eröffnet habe, da dachte ich, dass „diese Zeit“ eine Frage von Wochen wäre, dass es danach wieder „irgendwie normal“ weiterginge. Deswegen war diese Werkstatt in meiner Vorstellung auf drei, vier Wochen angelegt, deswegen konnte ich mir vorstellen, täglich zu bloggen. Aber seitdem hat sich so vieles schon wieder verändert und deswegen auch der zeitliche Horizont dieser Werkstatt – und auch die Herausforderung, die ich für mich selbst damit verbinde: Bis zum Sommer werde ich hier weitermachen (sofern nichts dazwischen kommt) und Ihr werdet alles erahren, was mir wesentlich erscheint rund um den Schreibprozess und das Schreiben – und ich werde dadurch endlich den (alternativen) Schreibratgeber geschrieben haben, den ich verfassen möchte, seit es diesen Blog gibt.

Konkret bedeutet das: Ich werde weiter jeden Werktag hier vorbeischauen und Kommentare oder Fragen beantworten. Aber ich werde nicht mehr jeden Tag posten, sondern „nur noch“ dienstags und freitags. Morgen gehts also weiter!