Ich staune immer wieder, wie oft ich nach meinen Schreibgewohnheiten im Urlaub gefragt werde. Gut, die Teilnehmer*innen meiner Kurse wünschen sich verständlicherweise Entlastung: Wenn ich im Urlaub nicht schreibe, können auch sie es guten Gewissens lassen … Aber ich muss diese Hoffnung enttäuschen: Ich schreibe auch im Urlaub – aber anders.

Manchmal mehr („endlich habe ich Zeit!“), manchmal weniger („nur wenn es unbedingt sein muss“), manchmal schreibe ich, wozu ich im Alltag kaum Zeit finde (Tagebuch, Gedichte, Anfänge zu losen Ideen, die mir durch den Kopf gehen). Dieses Jahr habe ich in den Sommerferien viele Seiten einer Geschichte geschrieben, die mich schon lange beschäftigt. Endlich wieder einmal drauflosschreiben. Tagelang schrieb ich so ohne mich darum zu kümmern, wo ich landen würde – und dann war es plötzlich gut. Vorbei. Ohne dass ich es willentlich gesteuert hätte (hätte steuern können), drängte sich zum Ende des Urlaubs wieder mein „eigentlicher“ Text nach vorne, von dem ich mir eine Pause erlaubt hatte. Eine Arbeitspause.

Vor vielen Jahren las ich, dass der frühere Freiburger Fußball-Trainer Volker Finke, der normalerweise sehr viel mit Ball trainieren ließ, unmittelbar vor einem Spiel eine Trainingseinheit ohne Ball durchführte – um die Spielfreude anzustacheln, die schiere Lust auf den Ball. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber daran musste ich denken, als ich schon auf der Rückfahrt im Zug bereits wieder den  Drang verspürte, an dem Text weiterzuschreiben, den ich zwei Wochen zuvor als anstrengend empfunden hatte. Die kurze Unterbrechung hatte ausgereicht, um meine Schreibfreude, meine Neugierde zu wecken – und um wieder wahrzunehmen, wie notwendig es für mich ist, genau diesen Text zu schreiben.