(6) Geschichtengenerator in Aktion

2016-02-11 11-29-54 +0100Heute ist es mir eine Freude Viktor vorzustellen! Viktor fällt ein bisschen aus der Reihe, denn er trägt als charakterisierenden Zusatz („wird das nächste Mal „nein“ sagen“). Was ist von dieser Ankündigung zu halten? Und wer behauptet das? Ist es ein Vorsatz, den Viktor gefasst hat? Oder die „Vorausdeutung“ einer Erzählerin? Und wird er denn überhaupt gefragt werden?

Als ich Viktor mit all diesen Fragen konfrontiert sah, hatte ich den Eindruck, dass er unmöglich noch einen weiteren Satz vertragen kann – aber vielleicht zwei Joker?
Für diejenigen, die den Geschichtengenerator noch nicht kennen, gibt es hier weitere Informationen.

2016-01-09 16-05-09 +0100Zu Viktor gesellen sich also noch die beiden Joker „Mülltonne“ und „Briefkasten“. Vielleicht bringt einer davon Euch auf eine Idee? Vielleicht habt Ihr schon eine? Wie immer: Alles ist erlaubt, es geht nur darum, einen Impuls für eine Geschichte zu finden – oder einen ersten Satz.

In der letzten Woche hatte ich bereits angekündigt, dass der Generator gerade alleine vor sich hin werkelt – wäre großartig, wenn ich hier nach meiner Rückkehr ein paar richtig unterschiedliche Viktor-Eindrücke vorfände …

68 Comments

  1. Ad-hoc aus dem Ärmel geschüttelt, vielleicht kommt nach was anderes:

    Was für eine saubescheuerte Idee! Eine Gott-Box! Am A…! „Gott wie du Ihn verstehst natürlich“, hatte der Skulpteur gesagt. Das wäre aus einem Buch, aber die Anonymen Alkoholiker nutzten das Konzept wohl auch.

    Schon das hätte Viktor skeptisch werden lassen müssen. Was hatte denn Alkohol damit zu tun, dass er als Zeichner ausgebrannt war?! Aber der Skulpteur, der eigentlich Bildhauer war und auch so bezeichnet werden wollte, schließlich war er ja großer Künstler (am A… war er das, der Stümper!) hatte ihm sogar das Buch gegeben. So wie es aussah war er nicht der Erste, der es bekam. Und Viktor war so angespannt durch die Blockade gewesen, dass er den Mist durchgearbeitet hatte.

    Und es stand da wirklich drin! Weil er sich vorgenommen hatte alles zu versuchen um wieder zeichnen zu können hatte er selbst den größten Unsinn ausprobiert. Morgenseiten geschrieben, Brausepulver gegessen, Dinosaurier aus Überraschungseiern gepuzzelt, Stepptanz gemacht, den Kontakt zu seiner Exfrau abgebrochen und mit dem Hund am Fluss getobt. Und diese saubescheuerte Gott-Box. Das war zwischen Mülltonne und Briefkasten, man sollte Zettel mit allen Wünschen, Belastungen und haumichblau da reinlegen und dann würde das funktionieren wie guatemalische Sorgenpüppchen.

    Am A…!

    Das nächste Mal, dass der Skulpteur ihm etwas so innig empfehlen würde gäbe es nur eine Antwort: NEIN!

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    1. Liebe Gerda, mir gefällt diese Geschichte sehr. Der fast lakonische Ton. Die überraschenden, aber dennoch vollkommen glaubwürdigen Details (der Dichter, der nebenher Rennen fährt z. B.) und dann endet sie auch noch mit diesem schönen Gedicht von Brecht, das mir besonders viel bedeutet, weil ich es (als einziges längeres) auswendig gelernt habe …
      Es gab im vorvergangenen Jahr ein tolles Projekt, bei dem sich SchriftstellerInnen aus Bremen und Uganda einen Monat lang über ihr Schreiben u. a. ausgetauscht haben. Das ist immer noch online unter: http://www.kampalawritesbremen.com und eine echte Fundgrube – vielleicht hast du Lust mal zu stöbern … Sehr herzliche Grüße!

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  2. Liebe Jutta, hier kommen Victor und die Nonne:

    Weil die Nonne so fror,
    umarmte sie Victor,
    der überrascht das Gleichgewicht verlor.-
    Kommt schon mal vor.-
    So landeten Victor und die Nonne
    in der Mülltonne.
    Wird sie noch einmal nach ner Umarmung fragen:
    das nächste Mal wird er „Nein“ sagen.

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  3. Victor hatte in seinem Leben zu oft Nein gesagt, oder eher Nein, wenn er eigentlich hätte Ja! sagen wollen and Ja wenn es tief drinnen Nein! rief.
    Dann hat er versucht, einfach alle Jas mit Neins auszutauschen aber das ging oft in die Hose, im wahrsten Sinne des Wortes.
    In jahrelanger Kleinarbeit hatte er sich sein eigenes Verliess gebaut und glaubte das kam von den vielen Neins die eigentlich Jas hätten sein sollen, werden, müssen…
    Und deshalb, von heute an, nein, genau dieser Sekunde an, würde er einfach JA ! ! ! zu allem sagen.

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    1. Stimmt, Neins engen ganz schön ein. Aber auch bei den Jas besteht die Gefahr, nämlich, dass man sich damit Verpflichtungen auflädt, die man eigentlich nicht möchte. Deshalb befreit sich mein Viktor, indem er Nein sagt und eigene Grenzen setzt – und schließlich abhaut.

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  4. Eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Sie fiel mir heute früh ein als ich auf mein Federmäppchen auf meinen Atelier-Tisch sah. Dieses Federmäppchen ist ein Zubehörteil zu dem besonders zwischen 1987 und 1989 sehr beliebten Scout-Schulranzen des Modell „Lollipop“, das auch im Text vorkommt. Allein in meiner Schule gab es das mindestens zehnmal, Zubehör nicht mitgerechnet. Mein eigener Scout-Schulranzen war grün und ich erinnere mich, dass die Modelle von Kindern tatsächlich nicht nach ihrer Farbe sondern dem Namen benannt wurden. Das berichten auch andere, die damals zur Schule gingen. Auch dass Mitschüler nach dem von ihnen getragenem Modell „charakterisiert“ wurden. Möglicherweise hat sich das mit dem Aufkommen der gemusterten Modelle ab 1989 verlaufen.

    Es gibt Gegenstände, die sind irgendwann einfach da. Damit meine ich, dass sie das immer schon gewesen sind, aber sie interessieren uns nicht weiter. Und damit wiederum will ich sagen, dass sie und nicht egal oder gar lästig sind, sie stören nicht, oh nein, sie sind irgendwann einfach Teil der Umgebung geworden. Wir denken nicht darüber nach, dass sie da sind, aber auch nicht darüber, wie es wäre wenn sie es nicht mehr wären. Ich weiß nicht ob wir uns das vorstellen könnten, denn wir denken ja nicht darüber nach.

    Viktor ging das so mit der Kaffeedose. Er wusste, er hatte sie vor neun Jahren als Notfall gekauft und ihm hatte das Motiv nicht gefallen, aber er benötigte eine und diese war die einzig verfügbare in der passenden Größe gewesen, die im Rahmen von dem, was er für eine Kaffeedose ausgeben wollte zu haben war. Erst erfüllte sie ihren Zweck, dann wurde sie die Kaffeedose.

    Viktor kannte das noch von früher. Es war die Zeit gewesen, in der sich in den Klassenzimmern und Schulhöfen die „Scout gegen Amigo“-Kriege abspielten. Die coolen Kinder hatten alle Scouts, Amigo war mindestens Mülltonne, wenn nicht sogar Pest und Cholera zusammen. Das war wie bei den Füllhaltern von Pelikan und Geha.

    Viktor war der einzige Bube in seiner Klasse, der einen Scout hatte. Sandra trug einen der heißbegehrten pinkfarbenen mit dem angebissenen großen Lutscher drauf, aber alle, wirklich alle anderen Mitschüler hatten Amigos. Keiner McNeill, keiner Joker, keiner irgendwas anderes. Alle Amigo außer Viktor und Sandra (mit der die Mädchen, deshalb alle befreundet sein wollten, jede wollte auf dem Schulweg mal Sandras Ranzen aufziehen).

    Viktor war nicht nur der einzige Bube in seiner Klasse, der einen Scout hatte, er war auch der einzige Scout-Träger der Schule mit „Airborn“, dem gelben mit dem Adler drauf. Um blaue „Marine“, grüne „Ranger“, schwarze „Panther“, rosa „Cherry“ und erstrecht pinkfarbene „Lollipop“ gab es beinahe so viele Verwechslungen wie um die blauen und roten Amigos und sein Freund Michael aus der Parallelklasse war auch schon mit dem falschen neueingeführten „Speedy“ nach Hause gegangen, und in den höheren Klassen sah man noch den ein oder anderen roten „Alpine“, aber niemand anderes auf der ganzen Schule hatte einen „Airborn“. Für die Amigo-Schnösel, deren Eltern wahrscheinlich alle bei den Grünen waren – Viktors Vater sagte immer, die aßen bei Petra Kelly zum Mittag und wenn Viktor fragte wer das war, weil die Petras, die er kannte Schmidt, Huber und Schulze hießen, bekam er zur Antwort „Die ist bei den Grünen“ – war das ein gefundenes Fressen. „Briefkasten“, schrien sie ihm hinterher. Selbst die Streber, die im Unterricht mit ihren Lamy-Füllern rumprotzten.

    Damals. Später hatte dieser „Briefkasten“, den Viktor dann tatsächlich als eine Art Mülltonne benutzt hatte jahrelang in seinem Zimmer gestanden. Natürlich war das uncool gewesen, besonders bei den Mädchen (sich die Wände mit Take That zukleistern und dann rumheulen weil sich die Band getrennt hat, war noch viel uncooler, war sich Viktor damals mit allen männlichen Mitgliedern seiner Jahrgangsstufe einig). Aber irgendwann war es wie mit der Kaffeedose gewesen, das Ding war einfach DA.

    Viktor wusste nicht bis wann oder was daraus geworden war, er hatte es auch einfach vergessen. Er hatte ja auch nie an die Carrera-Bahn, das BMX-Rad, die Kiste mit den He-Man-Sachen, die Kinderhitparade-CDs und was sein Vater sonst noch gerade aus dem Keller zog gedacht. „Schmeiß weg. Wer denkt schon über so was nach?“ antwortete er jedes Mal, wenn sein Vater, der sich irgendwie sein weinrotes Wählscheiben-Telefon bewahrt hatte, ihn auf dem Smartphone anrief und fragte ob er die Fundstücke haben wolle.

    Aber das Ding war doch auch damals einfach DA gewesen, irgendwann mit der Umgebung verschmolzen. Und es war ein Teil seines Lebens. Fünf Jahre lang war er täglich damit zur Schule gegangen. Bei jedem Wetter, Sonne, Regen, Schnee und Hagel. Es war immer da gewesen, hatte alles mitgemacht. Wenn sein Vater das nächste Mal anrief und zufällig sagen würde „Du, ich habe deinen Schultornister gefunden.“ und vielleicht aus Erfahrung gleich dazu „Ich wollte es dich nur wissen lassen, ich tu den jetzt zum Sperrmüll.“ würde Viktor sagen „Nein, lass, Vater, ich komme ihn abholen.“ Und wenn das Ding die neue Briefkasten-Ablage für die eingegangene Post werden würde oder die Mülltonne für benutzte Taschentücher.

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      1. Scout führte 1975 die ersten dieser Ranzen in seine Produktion ein. Zunächst in blau („Marine“), rot („Alpine“), dunkelgrün („Ranger“) und gelb („Airborn“). Fünf Jahre später kam nicht nur ich zur Welt, sondern auch der schwarze „Panther“, 1985 folgten bei Scout dann die Pastelltöne (rosa „Cherry“, hellblau „Sweety“) und ab 1986 dann peu a peu andere Farben. Als ich 1987 eingeschult wurde – in meiner Grundschulzeit war genau die Hochzeit der „Kriege“ – war der pinkfarbene „Lollipop“ ein Verkaufsschlager. Ich hatte das Gegenstück, den grünen „Atlantic“ mit Schiff drauf. (Dabei kann ich doch gar nicht schwimmen… ha ha ha ha ha, so ging das damals… ) Man konnte Paare bilden, weil vereinzelte Zubehörteile, wie Schirme. mehrfarbig waren. Du glaubst nicht wie oft mir später Geld geboten wurde, dass ich mein Federmäppchen doch bitte, bitte verkaufen möge, weil irgendwer eins hatte. Ich verkaufe nicht. 😉

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        1. Ja, deutlich älter. Ich bin in meinem Leben immer mal wieder über Scouts gestolpert, klar, man kam an denen nicht vorbei. Aber ich hatte keinen (ich fand die außerdem hässlich), und ich hatte keine jüngeren Geschwister, für die das dann wichtig gewesen wäre. Danke! 🙂

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          1. Bei uns gab es die Wahl (prinzipiell), manchmal entschieden auch die Eltern über den Ranzen. Ich hatte todunglückliche Mitschüler. Selber durfte ich wenigstens über die Farbe bestimmen. Meine Mutter hätte mir wahrscheinlich rosa angedreht. Ist ganz witzig, vor ein paar Jahren hat sie mir mal einen rosa Scout irgendwo her mitgebracht. Ich habe meinen grünen als Nachkauf nämlich hier stehen. Wenn dich das – wenn du sie nicht schön fandest eher nicht – interessiert mit den Namen und wie welcher aussah, es gibt irgendwo eine Seite wo jemand mehrere Modelle aus mehreren Jahrzehnten vorstellt. Bei meinem Bruder – Jahrgang 1986 – war diese Fixierung auf den Namen längst wieder vorbei (er war der einzige in seiner Klasse ohne Scout, weil meine Eltern das Modell, das er wollte mädchenhaft fanden, da bekam er ein ähnliches von einer anderen Firma aufgenötigt. Obwohl ich nicht wüßte was an Clowns mädchenhaft sein soll.)

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          2. Stimmt, ist nicht mein Ding. Aber du hast mich daran erinnert, dass unsere Klasse in Pelikan oder Geha gespalten war. Ich hatte ganz klassisch einen roten Pelikano … Sehr viel später hatte eine Freundin doch tatsächlich einen LAMY :-), den ich dann auch haben musste. Meiner war weiß … glaube ich.
            Danke! 🙂

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          3. Ich war bei uns nicht nur von den Mädchen sondern in der ganzen Klasse die erste, die mit Füller schreiben durfte, weil ich als einzige eine saubere Schrift hatte. Meine Eltern verweigerten sich, also bekam ich von meiner „Patentante“, der Frau meines Paten, einen – wenn ich nicht irre – lila Pelikan-Füller. Ich habe das auch nicht hinterfragt (es hatte ja sonst noch gar keiner einen). Kurz darauf bekam ich von den Eltern eines Mitschülers den ABC von Lamy geschenkt (dieses Schreiblern-Ding aus Holz mit der roten Kappe, heute gibt es die auch mit blauer), sagen wir mal so, mein Streber-Ruf war vorher schon zementiert, weil ich mich so oft gelangweilt habe, das machte den Kohl auch nicht mehr fett. Das einzige, das mich an dem Ding gestört hat war die große Patrone, die waren bei uns nicht zu bekommen und ich musste immer den Mitschüler bitten, dass er aus seiner Stadt welche mitbringt.

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    1. Darf ich mich hier mal in euren Dialog einklinken, den ich mit Verwunderung bis zu Ende gelesen habe? In welcher Welt lebe ich? Bin ich schon sooo alt? Ich hatte nicht die geringste Ahnung von der Bedeutung der Schulranzen- und Füller-Marken gehabt, bevor ich das hier las (ünbrigens Klasse geschrieben). Als ich zur Schule ging, hatte ich eine Mappe aus Wachstuch,damit die Sachen bei regen nicht nass wurden. Federhalter gabs, die waren aus Holz und man setzte eine Feder rein. Und da ich Linkshänderin war, die auf rechts getrimmt wurde (das war damals so üblich), verhakte sich die blöde Spitze der Feder ständig auf dem Papier und verspritzte Kleckse. Da musste man dann zusehen, wie man die wieder wegkriegte – meistens war ein Loch im Papier die einzige Lösung.
      Kriege gab es bei uns auch – die Kinder der „roten Siedlung“ (Backstein) und die der „weißen Siedlung“ (gekalkte Wände) bekämpften sich erbarmungslos. 😉

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      1. Klar darfst du dich einklinken. Und wer immer sonst noch mag auch. Das was ich da oben beschreibe sind die Zustände aus den 80er Jahren, ich habe mal in einem Forum gelesen, weiß gar nicht mehr wo, wir wären die erste Generation mit explizitem Marken-Krieg gewesen wegen der Scout-Amigo-Sache.

        Auf rechts getrimmt wurde bis in die 90er Jahre, mein Bruder musste das noch mitmachen. Dem wurde in der Grundschule dauernd gepredigt, dass früher die Kinder, die nicht mit der „schönen“ Hand schrieben Haue bekommen haben von den Lehrern deshalb. Der hat bis heute mit rechts eine Krakelschrift, was insbesondere schade ist da ich mich erinnere, dass die paar Sachen, die er mit links schrieb früher sehr schön und sauber waren. Meine Mutter (*1956) erinnert sich eine rote, längliche Ledermappe (man sagte noch nichr Ranzen) gehabt zu haben, die an einer Seite eine Kordel hatte, an der der Tafellappen hing. Diese Machart hatten Schulranzen noch bis in die 70er Jahre, dann kam Mitte der 70er Scout, dann 78 Amigo und wie sie alle hießen. Am Anfang waren das Luxusartikel. Ich kenne eine Frau, die hatte zufällig, ich dachte echt nicht dran, so einen „Airborn“ wie Viktor, deren Vater 1982 das Konto um die letzten 50 (?) DM räumte. Das war damals viel Geld, aber sie wünschte sich so sehr einen gelben Ranzen und es gab die Farbe nur von der Firma, dass er ihr die Freude machen wollte.

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        1. Danke für deinen ausführlichen Kommentar, der mir die Veränderungen einer ganzen Epoche vor Augen führt. Ist schon Klasse, wie das anhand solcher anscheinend „immer schon dagewesenen“ Dinge möglich ist. Ich habe übrigens durch das erzwungene Rechtstraining die Fähigkeit ausgebildet, rechts und links gleichzeitig zu schreiben – rechts normal und links in Spiegelschrift. damit habe ich als Lehrerin so manches Mal meine Schüler verblüfft. Im Unterricht schrieb ich oft mit Links in Spiegelschrift Gedanken auf, von denen ich nicht wollte, dass sie jemand las. Ich war später ganz stolz zu erfahren, dass ich da eine Fähigkeit mit Leonardo teilte 🙂

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          1. Wenn man über Menschen schreibt, auch fiktiv, die zu Zeiten dieses „Krieges“ Kinder waren, kann man theoretisch allein durch die Ranzennennung eine ganze Figur charakterisieren. Siehe Viktors Meinung über die Amigo-Träger beziehungsweise den Kommentar seines Vaters zu den Grünen. Ich war eben dabei, so dass es mir leicht fällt. Ich kann aber nachvollziehen, dass für jemanden, der es nicht war und einem größeren (ob älter oder jünger ist egal) altersmäßigen Abstand dazu hat das geradezu surreal ist. Ich habe bei mir im Blog zwei Posts, in denen ich auf die Thematik zu sprechen kam und in einem thematisiere ich die Begegnung mit einer Frau, die weinen muss weil sie bei mir etwas von Modell ihres alten Ranzens gesehen hat. Das ist für jemanden, der diese Identifikation, die wir damit hatten, nicht selber erlebt hat verstörend. Die ist erwachsen imd heult wegen ihrem Schulranzen. (Keine Links, weil ich nicht weiß ab wieviel eingefügten Links Jutta den Kommentar separat freigeben muss. Was sie nicht tun kann wenn sie nicht da ist. Die Artikel fänden sich aber bei Interesse über meine Suchmaske, wenn man Scout eingibt.)

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          2. Bin wieder da und hab gerade geschrieben, wie sehr ich mich freue über diesen lebendigen Austausch, der sich hier ergeben hat! Ich glaub übrigens, ich muss ab drei Links „genehmigen“ …

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          3. Willkommen zurück, probieren wir es doch aus 😉 Ohne Textlinks, damit du nicht noch eventuelle Dreher im Code korrigieren musst.

            Die Geschichte von der traurigen Katja: https://faedenrisse.wordpress.com/2015/11/28/von-kirschen-mitte-der-80er-und-voegeln-anfang-der-80er/

            Hier geht es eigentlich um was anderes, aber im hinteren Teil doch darum, dass mein Bruder den von ihm gewünschten Scout-Ranzen mit Clown nicht bekommen hat:
            https://faedenrisse.wordpress.com/2015/10/17/zirkusnummern/

            Der sieht übrigens so aus: http://juhu.square7.ch/seite0000.html?n=sc1696 (Ich kenne die Leute hinter der Seite nicht, anscheinend Großsammler, ich verlinke das nur, damit wir das mit den drei Links testen können und außerdem: Das ist kein reiner Mädchenranzen, sieht man doch.) Meinen grünen und die in der Geschichte erwähnten haben die auch da bei den 80er Modellen.

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    2. Ich habe das – und den ganzen sich daraus ergebenden Austausch sehr gerne und mit großem Interesse gelesen! Und dachte, ich wäre mit einem Scout-Ranzen eingeschult worden – aber den gab es tatsächlich, wie ich deinen Jahresangaben entnehmen konnte, erst auf dem Gymnasium. Was ich auch kenne: die entscheidende Geha- und Pelikan-Frage. Und Lamy war Avantgarde, oder? Also vielleicht nicht der mit dem Holz …

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      1. Ja, Lamy war auf jeden Fall was Besonderes; ich wurde allerdings (leider/zum Glück) nicht erzogen, in „Kriegen“ zu denken, es gab Wichtigeres, von daher lese ich das und staune, was ich in dieser Ausgeprägtheit alles nicht mitbekommen oder verdrängt habe …
        (Die Anzahl der Links, ab denen du einen Kommentar genehmigen musst, kann man übrigens verändern.)

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      2. Avantgarde ist gut und trifft auf die späteren Klassen zu. Selbst bei mir auf der nicht öffentlichen Schule waren die selten. Im Allgemeinen muss das aber so gewesen sein, wie ich aus Erzählungen gleichaltriger Leute von staatlichen Schulen weiß wie Viktor das in der Geschichte empfand: Lamy = Streber.

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        1. Vielleicht gab es da regionale Unterschiede?
          Lamy war bei uns eher Mainstream.
          Ich komme aus Frankfurt.
          Ich selbst hatte lange Jahre und heute wieder einen Pelikan. Damals rot, heute schwarz.
          In der Oberstufe benutzte ich ein Montblanc- Meisterstück. Einen Kolbenfüller, mit dem ich mein Anderssein zu unterstreichen versuchte.

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          1. Weiß ich nicht, könnte natürlich sein. zumal ich auch vermute, dass in Heidelberg, ich wohnte in der Nähe der Fabrik, nicht wenige Schüler einen hatten. An den Schulen in der Gegend, an denen ich arbeitete sah ich immer wieder Lamy-Kulis auftauchen, möglicherweise gab es das auch mit Füllern. Und warum sollte es nur dort so gewesen sein? Möglicherweise kommt das aber auch auf die Schulform oder das soziale Umfeld an. Ich hatte später dann – öffentliche Oberstufe bis zum Abi – die damals noch neuen Online Rollerballs, die mit Tintenpatronen funktionierten. Hatte ich bei einer Mitschülerin gesehen und mir zugelegt weil sie gut in der Hand lagen.

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          2. Manchmal gibt es so Eigenarten, die sich daraus ergeben, dass ein Hersteller aus der Region kommt. So, wie bei Marc Cain oder René Lezard. Dort, wo es z.B. ein Outlet gibt, tragen viele im Umkreis Mode, die sich sonst nur wenige leisten können.
            In Frankfurt saß und sitzt das Geld, kann sein, dass man deswegen die teureren Lamy kaufte. Oder es ist eine Mode gewesen, die nur in der Ebene zwischen den umliegenden Mittelgebirgen Gültigkeit hatte. Interessant finde ich aber immer wieder, wie sehr Waren mit Attributen verknüpft und diese dann ihren Besitzern angeheftet werden.
            Die Rollerballs kenne ich auch noch. Für meine Hände waren sie zu schmal, wenn ich mich richtig erinnere.

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          3. Frag mich nicht nach irgendwas mit Mode, weil ich mich damit nicht auskenne, kann ich solche Vergleiche im allgemeinen nicht verstehen, aber es kann natürlich sein, zumal der Vergleich hier zu passen scheint. Scout-Ranzen zum Beispiel werden in Frankenthal hergestellt, ich bin zwar nicht in der Kurpfalz zur Schule gegangen, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass damals allein schon deshalb die Amigo-Fraktion (die wurden in Bielefeld gemacht, wenn ich nicht irre, der ursprüngliche Hersteller ist insolvent gegangen, gibt es also nicht mehr) aud kurpfälzischen Schulhöfen unterrepräsentiert war.

            Was Füller angeht: Beim Atelier-Kind in der Schule ist der Lamy-ABC noch Usus, aber das Rossmann-„Imitat“ viel besser (und deshalb auch das Atelier-Kind nicht mehr das einzige Kind damit. Okay, einige Mädchen wollten den nur, weil es den auch mit rosa Kappe gibt, Lamy hat nur rot und blau.)

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    1. Ach, schön! Ich dachte, er würde hier gar nicht auftauchen, dein so entschlossener Viktor, der das „Nein“ mal so richtig ernst nimmt … Habe es ja gerade schon bei dir geschrieben: Altes Thema (wie fast alles), dem du einen ganz eigenen, frischen Schwung gibst – hat mir sehr gefallen!

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    1. Das gefällt mir beides sehr, lieber Ludwig! Und ganz besonders, dass es möglich ist, deine Annäherung an Viktor, an einen Text mitzuverfolgen … Und wie unterschiedlich die Fragen sind. Je nachdem, was wir als ersten kleinen Impuls verspüren oder auch abhängig von dem, was uns gerade interessiert, was uns aussagekräftig erscheint … Vielen Dank dafür!

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  5. Schon wieder eine Absage im Briefkasten! Und schon wieder hatte der Personaler sich keine Mühe gemacht, ein paar persönliche Worte zu finden, um seine Enttäuschung zu mildern. Floskeln… Es tut uns leid, ihnen mitteilen zu müssen–na klar. Leid tut es ihm auch, und wie, Victor hat die Nase gestrichen voll von erfolglosen Bewerbungen. Weg mit dem Brief, ab in die Mülltonne damit! Er wird sich jetzt einen Kaffee machen, sich vor den Bildschirm setzen und Absagen schreiben. Eine Absage ans Arbeitsamt, „I would prefer not to“, ein dickes „Nein!“ an die Zeitarbeitsfirma, ein paar triefend freundliche Mitleidsfloskeln an seine zukünftigen Nicht-Arbeitgeber, eine bitterböse Statusmeldung an das Bundeskanzleramt.

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  6. Bin ich zu spät dran?
    Wenn nicht, dann ist dies mein Briefkasten/Mülltonnen/Viktor/Neinsager-Text.
    Falls doch, dann einfach nicht beachten.
    (Schönes Projekt!)

    Sobald sie seinen Namen sagt, wird sie gefragt, ob er Russe sei.
    „Wie kommen immer alle darauf, dass das ein russischer Name ist?“
    „Wenn Igor ein russischer Name ist, wieso sollte dann Viktor keiner sein?“
    „Weil Stupor auch kein russischer Name ist, oder Castor oder Luxor.“.

    Am Abend liegen sie zusammen im Bett.
    „Sobald ich deinen Namen erwähne, werde ich gefragt, ob du Russe bist.“
    Schweigen
    „Bist du Russe?“
    „Wieso erwähnst du meinen Namen?“
    „Ergibt sich manchmal so.“
    „Ich möchte nicht, dass du über mich sprichst.“
    „Ich rede nicht ü-b-e-r dich, ich erzähle manchmal v-o-n dir.“
    „Ich möchte das nicht.“

    Kennen gelernt hatten sie sich, als sie gerade die Post aus dem Kasten holte und er mit einem Zettel in der Hand im Hausflur stand.
    „Hallo!“ begrüßte sie ihn.
    „Hallo“, antwortete er abweisend.
    Was für ein attraktiver Mann und ein Eiszapfen dazu. Sie schielte auf seine Hände. Kein Ring.
    Das nächste Mal trafen sie sich bei den Mülltonnen. Er stand einfach so da, als sie mit ein paar zusammengelegten Kartons in den Hof kam. In der linken Hand hielt er einen Zettel, in der rechten eine dünne Selbstgedrehte. Sie grüßte ihn, er nickte stumm. Merkwürdiger Typ.
    So ging das über Wochen. Immer wieder stand er irgendwo herum. Immer hatte er einen Zettel in der Hand. Selten grüßte er.
    Eines Tages, als sie sich wieder an den Briefkästen trafen, fasste sie sich ein Herz und stellte sich vor. Zu ihrer Überraschung war er sehr freundlich und offen, ja beinahe zutraulich, und so kamen sie ins Gespräch.
    Eine schöne Stimme hatte er. Und sehr schöne Hände.
    Noch ein paar Wochen später, sie hatten hier und da ein wenig geplaudert, nichts tiefgreifendes, aber doch immer sehr angenehm, (diese Stimme!), lud sie ihn zum Kaffee ein.
    „Sehr gerne!“

    Ging doch.

    „Verrätst du mir, was damals auf dem Zettel stand“, fragt sie ihn Monate später, als sie zusammen im Hotelzimmer liegen.
    „Nein“, antwortet er, und nach einer kurzen Pause, „njet.“

    Gefällt 2 Personen

    1. Ach, vielen Dank – gefällt mir sehr dieser russische Viktor! Und überhaupt die Dialoge, die Tonlage, die Verknappung – die mir ja bereits schon öfter auf deinem Blog Freude bereitet haben. Hatte ich da schon mal geschrieben, dass ich sie in einem sehr positiven Sinne lakonisch finde? Herzliche Grüße und nur zur Info: das ist hier alles sehr ungeregelt und jede/r kann jederzeit zu allem schreiben – eigentlich müssen auch die Begriffe nicht unbedingt (alle) verwendet werden 😉

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      1. Gern geschehen, umso mehr, wenn Du den Text magst.
        Und danke für das Kompliment. Lakonisch freut mich und auf die Verknappung bin ich fast ein wenig stolz. Sie macht am meisten Arbeit.

        Ich mag die Freiheit, die der Geschichtengenerator lässt. Ein sehr schöner Schreibanstoß. Danke nochmal!

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      1. Danke für das Kompliment!
        —-

        Gretchenfrage Nr. 42

        Vikar Viktor stand im Chor,
        hatte heute Großes vor:
        Erstmals eine freie Predigt.
        Jede Sünde würd‘ erledigt!

        Auf der Kanzel jedoch schwand
        all sein Glaube, wich Verstand,
        fühlte sich nicht mehr als Christ;
        er war plötzlich Atheist!

        Weg: der Glaube an ganz oben,
        an die Engel, die Gott loben,
        an die Mär vom Sündenfall.
        „Mendel gab’s nur und den Knall!“

        Doch wie sollte er es wagen,
        seinen Schäfchen das zu sagen?
        Kreidebleich, so stand er da,
        sagte nur noch leise „Ja“.

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