Sie schaut aus dem Fenster

Sie schaut aus dem Fenster.

Als mir eben dieser Satz durch den Kopf ging, sah ich sofort eine bestimmte Frau vor mir und auch, was sie sieht.

Wen seht ihr? Und was sieht die Frau, die gerade vor eurem Auge  entsteht? Beobachtet sie  etwas? Oder interessiert sie gar nicht, was da draussen stattfindet, möchte sie nur ihren Blick schweifen lassen? Oder wendet sie sich ab? Hat jemand etwas zu ihr gesagt und nun will sie Zeit gewinnen? Was ist draussen? Was drinnen?

Mir scheint, es ist mal wieder eine Zeit, eine Schreibanregung in die Welt zu schicken, in der es sicherlich besser aussähe, wenn mehr Menschen Freude daran fänden, phantasierend ihren Ideen und Einfällen nachzugehen.

Also, auf geht es! Wie immer freue ich mich über eure Texte! Auf eurem Blog oder hier im Kommentarfeld – es müssen keine „richtigen Geschichten“ sein, eine kleine Skizze, Notiz oder auch nur etwas, das ein Anfang werden könnte – all das ist sehr willkommen!

34 Comments

  1. Liebe Jutta, Volltreffer: Ich las die Titelzeile und war sofort wieder in meiner Kindheit…Bei jedem Zoff mit meiner Mutter am Mittagstisch schaute ich aus dem Fenster. „Jetzt schaut sie wieder aus dem Fenster“ wurde sozusagen zum stehenden Ausspruch. Den Ausblick habe ich übrigens heute noch vor Augen. Schweigen ist manchmal die beste Art des Widerstands 😃 Im übrigen alles nicht so dramatisch wie es sich vielleicht liest: Das übliche Teenager-Leid. LG Birgit

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  2. Ich sehe Lauren Bacall und sie sieht ein Kugelglas mit einem Goldfisch!
    Als nächstes denke ich an folgendes Bild:
    Hopper, Edward, A Woman in the Sun, 1961, Oil on canvas, 40 x 60 inches, Whitney Museum of American Art, New York
    Und jetzt verbanne ich die Gedanken an die Frau aus meinem Kopf, um anderen Gedanken Platz zu lassen 🙂
    Danke für die Bilder, lg von Susanne

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  3. Sie schaut aus dem Fenster.

    Entspannt liegt sie mit verschränkten Armen auf der Brüstung. Es ist warm genug für leichte Kleidung, aber mehr als ein Büstenhalter hätte es wohl schon sein dürfen, zumindest wenn es nach ihrem Mann ginge. Sie weiß, er steht am anderen Fenster und beobachtet sie mißbilligend aus den Augenwinkeln. Sie hingegen interessiert sich nur für die Katze in der Mauernische und die halbtote Maus mit der diese spielt. Katzen haben es einfach, wenn sie genug haben, fressen sie ihr Spielzeug oder lassen es achtlos liegen.

    Und Sie?

    Wie er nur wieder aussieht. Trägerhemdchen, Hosenträger und zur Sicherheit auch noch einen Gürtel um seinen Wanst gewunden. Dabei war er wirklich ein schmucker Kerl gewesen, als er sie damals ansprach und sie ließ sich gern ansprechen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Na ja, nicht unbedingt beim ersten Blick auf ihn. Eher beim ersten Blick auf seine Kontoauszüge.

    Und jetzt? Sogar in der halbtoten Maus dort unten ist noch mehr Leben als in ihrer Liebe. Sie muss etwas ändern. Bald schon, sie wird nicht jünger. Aber freiwillig wird er nicht gehen. Wäre auch schade um das ganze Geld.

    Ob der dritte Stock ausreicht?

    (Anm.: falls jemand ein Bild dazu braucht, mein Header bei WP bietet eines. 😉 )

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  4. Sie schaut aus dem Fenster.

    Eine volle Stunde.
    Viermal ein dumpfer Schall aus dem Turm. Schwingend verdrängt die schwere Glocke die Luft.
    „Du kannst die Zeit fühlen, auf deiner Haut“: sagt die Mutter zu Anna gewandt, die im Bett liegt und öffnet das Fenster.
    „Schließ die Augen“.
    Du spürst den sanften Wind des Klanges, der dich berührt.
    Die Zeit fliegt, spricht sie weiter.
    Körperlos.
    Nicht greifbar und doch bekommt sie Bedeutung.
    Die Zeit.
    Die Stunde, die Minute, die Sekunde.
    Wir glauben sie halten zu können. Plötzlich nimmt sie Formen an.
    Die Zeit.
    Mehr wie ein Gespenst. Wir jagen ihr nach.
    In unseren Bemühen ist die Vorstellung sie einzufangen nur, um ihr einen anderen Rhythmus zu geben.
    Dabei hat sie einen eigenen. Den bestimmt nur sie. Niemand sonst.
    Wenn es uns gelänge, wer wäre der Gefangene?
    Das Fenster ist offen und eine sanfte Welle füllt in diesem Moment das Zimmer.
    Wie selbstverständlich unsichtbar, spürbar breitet es seinen dumpfen Klang ruhend aus.
    Legte sich nieder und verhallt langsam.
    Anna`s Atmung ist flach, rasselnd.
    Beinahe in übersteigerter freudiger Erregung hält sie ihre Augen geschlossen, um diesen Austausch zu spüren.
    Die Welle umschmeichelt ihren schwachen Körper, hebt ihn hoch. Trägt ihn aus dem Fenster.
    Hinaus in die Weite des Lebens. Vorbei an vergangenen Geschehen, über ein Meer an geweinten Tränen.
    Ans andere Ufer.
    Anna.
    Vor dem Fenster spielen Kinder, ein Ball rollt auf die Straße.
    Quietschende Bremsen, ein Aufprall.
    Die Zeit.
    Viermal zur vollen Stunde.

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  5. Pingback da, aber Kommentar im Nirvana verschwunden?! Sollte nicht sein. Dann nochmal: Ich fand durch einen Link hierher und habe auch was dazu (der Link ist ja schon da), zwar eine alte Sache angepasst, aber mir fiel es bei Ihrem Satz wieder ein. 🙂

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  6. Vielleicht sitzt du jetzt da im Stillen
    Und siehst am Fenster eine Frau
    Und da steht sie
    Und da denkt sie
    Was, weiß keiner so genau

    Niemals wirst du es erfahren
    Und das möchtest du auch nicht
    Und du lässt sie leise denken
    Vielleicht schenkst du ihr
    Ein Gedicht

    Liebe Jutta, auf die Schnelle passte bei mir nur das wederwill-Gedicht 😉
    LG, Marlis

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    1. Liebe Marlis, was für eine wunderbare Überraschung ist dieses herrliche Gedicht und wie phantastisch es passt! Auch ich fühle mich also sehr beschenkt und habe den Eindruck, dass dieser Blog im Moment ein guter Ort für „sinnige“ Zufälle ist … Ich danke dir wirklich sehr!

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  7. „Sie schaut aus dem Fenster“ – das bin ich, wenn ich alt bin.

    Ich kenne zwei Varianten dieses Bildes… das eine ist ein Schreckgespenst: Ich bin alt, alleine, habe keine Kinder, keinen Mann, habe vielleicht nie einen gehabt – und mein Blick auf die Straße ist welk und leer.

    Die andere Variante: Ich bin alt, alleine, habe vielleicht keine Kinder, vielleicht keinen Mann und vielleicht sogar nie einen gehabt – und mein Blick streift ruhig durch die Straße und lächelt.

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      1. Liebe Jutta, vielen Dank fuer deine einfühlsamen Zeilen. Als mir die alte Frau am Fenster zuflog, habe ich old woman by the window gegoogelt und dieses war das allererste Bild. Mein Kopf und der Aether haben sich kreativ verbündet. Der Fotograf hat es freundlicherweise online zur Benutzung freigegeben. So schoen, nicht?

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          1. Ja, musst du. Es gibt verschiedene Webseiten die richtig gute Fotos umsonst zur Verfügung stellen, man muss nur den Link und/oder Fotografen angeben. Oder wenn dir ein unfreies ganz besonders gefaellt, dann frag doch einfach den Fotografen um Erlaubnis. Wünsch dir ein schoenes Wochenende!

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