(13) Schreiben in Cafés

Ich habe früher auch gerne in Cafés geschrieben. Oder richtiger müsste ich eigentlich sagen: Wenn ich überhaupt geschrieben habe, dann in Cafés. Mir ist das Schreiben sehr lange sehr schwer gefallen und es ist auch sehr lange nicht allzu viel dabei herausgekommen. Diese Erfahrung und der für mich selbst bis heute etwas rätselhafte Umstand, dass ich mittlerweile sehr gerne und nahezu überall und auch irgendwie „ganz gut“ schreibe, prägt meine Werkstätten und natürlich auch diesen Blog.

Wären die Zeiten andere, als sie gerade sind, dann würde ich diejenigen von Euch, die Schwierigkeiten haben, in eine halbwegs mühelose Schreibpraxis zu finden, auffordern, einmal das Schreiben in Cafés auszuprobieren. Es ist meistens eine gute Idee, sich neugierig und wohlwollend zu beobachten und sich zu fragen, was man vielleicht mal anders machen könnte, wenn etwas nicht (mehr) oder nicht so gut gelingen will, wie wir es uns erhoffen. Vielleicht stimmt die Tageszeit nicht oder es wäre gut, mal wieder mit der Hand (oder der Tastatur?) zu schreiben. Vielleicht ist der Kopf auch gerade zu sehr mit etwas anderem beschäftigt oder …

Oder der Druck, den wir uns machen, der Anspruch, mit dem wir uns an den Schreibtisch setzen ist zu groß – das ist meiner Erfahrung nach mit großem Abstand der häufigste Grund dafür, dass wir erst gar nicht ins Schreiben reinfinden. Dann kann es vielleicht helfen, sich das Café, das ja gerade vermutlich geschlossen hat, vorzustellen. Ein Café, in dem wir jetzt gerne sitzen würden und uns ein bisschen umsehen.

Ein Café, vielleicht an einer Straßenecke gelegen? Menschen auf dem Weg dorthin oder solche, die schon angekommen sind und nun da sitzen und warten. Oder gerade aufbrechen wollen. Das Café verlassen. Ärgerlich oder beschwingt oder mit ihren Gedanken schon an einem anderen Ort?Menschen, die etwas befürchten oder erhoffen oder auch solche, die sich langweilen. Ein Mann, der einen Brief liest. Eine Frau, die lustlos in einer Illustrierten blättert. Ist sie des Wartens überdrüssig und beschließt – was zu tun? Und was ist mit dem Pärchen, das sich verliebt an den Händen hält und doch bedrückt wirkt. Und wer sitzt an dem Tisch ganz hinten in der Ecke? Oder vielleicht sieht jemand aus einem vorbeifahrenden Bus das Café und erinnert sich …

Es braucht keine ganze „Geschichte“ zu sein – schreibt einfach auf, was euch spontan in den Sinn kommt. Sobald das Schreiben mühsam wird, wechselt Ihr zu einer anderen Figur, einem anderen Café oder vielleicht begleitet Ihr eine Figur auf ihrem Weg nach Hause, zur Arbeit oder …?